Eintracht Frankfurt

Fredi Bobic droht bei der SGE die Entlassung

Größter Erfolg: 2018 holte Fredi Bobic (links neben Trainer Niko Kovac) mit der Eintracht den DFB-Pokal.
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Größter Erfolg: 2018 holte Fredi Bobic (links neben Trainer Niko Kovac) mit der Eintracht den DFB-Pokal.

Die Frankfurter Eintracht muss die Zukunft ohne Sportvorstand Fredi Bobic planen. Obwohl sein Vertrag noch bis 2023 läuft, hat Bobic im Fernsehen seinen bevorstehenden Abgang öffentlich bestätigt. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Frankfurt – „Ich brauche gar nicht groß rumeiern“, sagte Bobic, „ich habe schon vor einem Jahr den Wunsch geäußert, den Verein im Sommer 2020 zu verlassen.“ Wegen der Corona-Krise sei er dann aber doch noch ein Jahr länger geblieben. Den Aufsichtsrat der Eintracht hatte Bobic Anfang Februar über seinen Wunsch, zu Hertha BSC zu wechseln, informiert. „Wir haben dann verabredet, Gespräche über einen Verbleib oder einen vorzeitigen Wechsel zu führen und darüber absolutes Stillschweigen zu wahren“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Philipp Holzer gestern, „die Gespräche sind gegenwärtig noch nicht abgeschlossen.“

Die Eintracht ist von Bobics Abgang an sich also nicht völlig überrascht worden. Ausgesprochen sauer sind sie beim Klub allerdings über den Zeitpunkt des Bekanntwerdens. Ganz offensichtlich hatte Hertha BSC über seinen Boss Carsten Schmidt, ehemaliger Chef von „Sky“, über den Bezahlsender die Meldung lanciert. Und ziemlich sicher war Bobic darüber informiert, wollte so offensichtlich den Druck auf die Eintracht erhöhen, hat sich also an das vereinbarte „Stillschweigen“ bewusst nicht gehalten. Der Abgang bringt große Unruhe zur absoluten Unzeit beim sportlichen Kampf um die internationalen Plätze, was Aufsichtsratschef Holzer vermeiden wollte.

Die vorzeitige Veröffentlichung, ein typisches „Durchstecken“ an Medien, hat die Pläne der Eintracht, so lange wie möglich in Ruhe weiterarbeiten zu können, torpediert. So drängt sich doch etwas der Eindruck auf, dass Bobic der sportliche Erfolg in dieser Saison nicht mehr wirklich wichtig ist.

Seine eigenen Maßstäbe hat Bobic mit seinem Vorgehen verraten. Erinnert sei an seine Reaktion auf das Bekanntwerden des Weggangs von Trainer Niko Kovac zu den Bayern im Frühjahr 2018. „Dass innerhalb kürzester Zeit Informationen nach draußen gedrungen sind, halte ich für extrem bedenklich und respektlos, der Zeitpunkt ist sehr unglücklich, sie haben ihr Ding gemacht und nur an sich gedacht“, hatte Bobic damals die Münchner kritisiert, „solch einen Umgang pflegen wir nicht, wir pflegen andere Werte.“ Worte, die nun auf ihn zurückfallen. Denn das Verhalten der Berliner ist nicht weniger respektlos und schädigend für die Eintracht. Der Klub muss nun unter öffentlichem Druck viele Fragen beantworten.

Erstens: Macht es Sinn, mit Bobic bis zum Saisonende weiterzumachen? Im Grunde kann der Sportvorstand seine ureigensten Aufgaben wie die Planungen für die nächste Spielzeit und Vorbereitungen von Transfers nicht mehr glaubhaft wahrnehmen. Schließlich stehen sein alter und sein neuer Arbeitgeber in einem direkten Konkurrenzverhältnis. Aus diesem Grund steht sogar eine vorzeigte Freistellung von Bobic im Raum. Zumal dessen Beliebtheitswerte innerhalb des Klubs bei weitem nicht so hoch sind, wie es nach außen den Anschein hatte.

Zweitens: Wie hoch wird die Ablösesumme sein, die Hertha BSC zahlen muss? Schließlich läuft der Vertrag ja noch länger als zwei Jahre. Manch einer träumt von einer hohen einstelligen Millionen-Euro-Summe. Der Versuch Bobics, ablösefrei aus dem Vertrag zu kommen, ist zum Scheitern verurteilt. Die Eintracht wird auf eine Entschädigungszahlung pochen.

Drittens: Wer wird Nachfolger? Dass Christoph Spycher (42), ehemaliger Kapitän der Eintracht, seit vielen Jahren erfolgreicher Sportdirektor beim Schweizer Meister Young Boys Bern die Idealbesetzung wäre, ist bekannt. Allerdings hat Spycher in Bern einen Vertrag bis Ende 2022. Und gilt im Gegensatz zu Bobic als vertragstreu. Darum muss sich die Eintracht auch nach anderen Alternativen umschauen. Das sieht auch Präsident Peter Fischer so. „Es wäre schlimm für die Eintracht, wenn ein Mensch geht und es geht bergab“, hatte er kürzlich gesagt, „ich habe keine Angst, wenn jemand in der nächsten Kurve vom Wagen springt. Auf der nächsten Gerade springt wieder einer auf.“

Viertens: Wie können die Turbulenzen von der Mannschaft ferngehalten werden? Da könnte die Antwort am leichtesten fallen. Die Eintracht wird bis zur Neubesetzung alle Macht dem Trainer übertragen. Gemeinsam mit Noch-Manager Bruno Hübner wird Adi Hütter die Zügel fest in der Hand halten. (Von Peppi Schmitt)

Akman kann schon früher kommen

Der Vertrag von Ali Akman beim türkischen Zweitligisten Bursaspor wurde aufgelöst. Das 18 Jahre alte Sturmtalent, das ohnehin bei Eintracht Frankfurt ein ab diesem Sommer bis 2025 gültiges Arbeitspapier unterschrieben hat, könnte damit früher zu den Hessen kommen, zumindest mittrainieren, und hätte mehr Zeit, sich an die neuen Gegebenheiten in Frankfurt anzupassen. Bereits nach Bekanntwerden seines ablösefreien Wechsels an den Main war Akman, der nach eigener Auskunft von Spitzenklubs wie Manchester City umworben wurde, beim türkischen Klub suspendiert worden. Bursaspor sprach von einem „unethischen Transfer“, wohl deshalb, weil der Tabellenzehnte kein Geld durch einen Verkauf von Akman verdienen konnte. Der U-21-Nationalstürmer kam zuvor auf zehn Tore und vier Assists in 20 Begegnungen. (Von Daniel Schmitt)

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