Vom „Chef von St. Pauli“ zum Bankangestellten

Im Hinspiel war er noch gesetzt: Matthias Lehmann (links, gegen Deniz Naki) wird am Montag bei seinem Ex-Klub FC St. Pauli nur auf der Bank Platz nehmen.
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Im Hinspiel war er noch gesetzt: Matthias Lehmann (links, gegen Deniz Naki) wird am Montag bei seinem Ex-Klub FC St. Pauli nur auf der Bank Platz nehmen.

Frankfurt - „Der FC St. Pauli verliert seinen Chef“ titelte einst die „Hamburger Morgenpost“. Das war im vergangenen Juni, kurz nachdem Matthias Lehmann einen Dreijahresvertrag bei der Frankfurter Eintracht unterschrieben hatte. Von Jörn Polzin

Mit der „besseren Perspektive“, begründete der gebürtige Ulmer den Wechsel. Er war der erste Zugang der Eintracht nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Auch ein halbes Jahr später hat der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler nicht richtig Fuß gefasst.

Der Abräumer vor der Abwehr hat eine ähnliche Achterbahnfahrt hinter sich wie Torwart Thomas Kessler. Beide kamen vom Millerntor an den Main - beide mit dem Anspruch, in Frankfurt zum Stammspieler zu reifen. Unter Trainer Armin Veh zählen beide nur zur zweiten Garnitur. Auch die Partie am Montag (20.15 Uhr) beim Ex-Klub FC St. Pauli wird wohl keine Ausnahme bilden. „Spiele gegen den Ex-Verein sind immer etwas Besonderes“, sagt Lehmann dennoch. Beim 1:1 im Hinspiel stand er mit Kessler in der Stammformation. Nach sieben Spielen, „in denen ich den Rhythmus einfach nicht so gefunden habe“, beorderte Veh den „Chef auf St. Pauli“ auf die Bank. Lehmann wurde Opfer seiner durchwachsenen Leistungen und einer Systemumstellung. Veh nahm einen Mittelfeldspieler heraus, ließ dafür mit einer zweiten Spitze spielen. Seitdem kommt Lehmann nicht über Kurzeinsätze hinaus. Nur im Pokal gegen Kaiserslautern durfte er ran, als Pirmin Schwegler gesperrt fehlte.

Auch am Millerntor wird sich der Freistoß-Spezialist zunächst mit der Zuschauerrolle begnügen müssen. „Wenn ich reinkomme, muss ich Duftmarken setzen und meine Chance nutzen“, sagt Lehmann: „Ich muss mich vor niemandem verstecken.“

Ein ähnliches Auf und Ab hat Thomas Kessler hinter sich, der in der Vorsaison auf Leihbasis das Tor des FC St. Pauli hütete. Zunächst als Stammtorwart eingeplant, dauerte es nur zwei Spiele, bis der gebürtige Kölner sein Revier an Oka Nikolov abtreten musste. Nach „ein, zwei blöden Gegentoren“ rutschte Kessler ins zweite Glied. Als Nikolov sich in München verletzte, bekam Kessler seine zweite Chance und nutzte sie. Doch obwohl der Schlussmann eine Woche später gegen den Karlsruher SC den Kasten sauber hielt, schickte Veh gegen Fürth erneut Nikolov ins Rennen. „Sicherlich habe ich mir die Hinrunde etwas anders vorgestellt, aber man muss auch das Große und Ganze betrachten“ sagt Kessler. „Einzelschicksale sind nicht wichtig. Wir wollen aufsteigen.“

Quelle: op-online.de

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