Finanzvorstand Frankenbach sieht den Klub trotzdem im Vergleich zur Konkurrenz gut aufgestellt / Wirtschaftlich unter den Top Sechs der Bundesliga.

Corona-Pandemie kostet Eintracht Frankfurt 45 Millionen Euro

Filip Kostic von Eintracht Frankfurt (rechts) im Duell mit Alphonso Davies vom FC Bayern München.
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Ein Verkauf von Filip Kostic (hier rechts im Duell mit Alphonso Davies vom FC Bayern München) hätte in diesem Sommer laut Eintracht-Finanzvorstand Oliver Frankenbach keinen Sinn gemacht: Er hätte nicht viel Geld gebracht, aber die Mannschaft deutlich geschwächt.

Eintracht Frankfurt und der Kampf gegen Corona: In einer Pressekonferenz hat Finanzvorstand Oliver Frankenbach am Donnerstag eine gemischte Bilanz des „Konzerns Eintracht Frankfurt Fußball AG“ gezogen.

Frankfurt - Die Eintracht hat durch die Pandemie bislang rund 45 Millionen Euro verloren, in der abgelaufenen Spielzeit 2020/21 habe es einen Verlust in Höhe von 36,1 Millionen Euro gegeben, in der vorangegangenen Saison 19/20 circa neun Millionen Euro. Das Eigenkapital des Klubs ist von 53 Millionen Euro auf 39 Millionen Euro gesunken und die Aufnahme von Krediten ist gestiegen. Dennoch sieht Frankenbach die Eintracht im Vergleich zur Konkurrenz gut aufgestellt. „Wir stehen unter den ersten sechs der Bundesliga, was die wirtschaftliche Stabilität betrifft“, sagte er. Die Verluste durch Corona würden alle Klubs „mindestens noch fünf Jahre“ beschäftigen.

Mit dem Verkauf von André Silva nach Leipzig (23 Millionen Euro) hat die Eintracht für die Entwicklung der aktuellen Saison Vorsorge getroffen. „Jeder weitere Transfer würde die finanzielle Situation verbessern, aber nicht die sportliche“, sagt Frankenbach. Dies müsse immer abgewogen werden. „Wir haben so geplant, dass wir mit den Erlösen und Fremdmitteln weiter sicher durch die Krise kommen“, sagt er. Darum habe die Eintracht auch einen überstürzten Verkauf von Filip Kostic abgelehnt, „Ihn für zehn Millionen Euro fünf Tage vor Ende der Transferperiode zu verkaufen, macht keinen Sinn“, war er sich mit Sportchef Markus Krösche einig, „wirtschaftlich hätte das nicht viel gebracht, aber die Mannschaft wäre so geschwächt worden, dass die Folgen viel deutlicher wären.“ Frankenbach ist zudem überzeugt, dass die Spielergehälter deutlich sinken werden. „Gehälter, die wir in der Vergangenheit bezahlt haben, können wir nicht mehr bezahlen“, sagt er, das gelte für fast alle Klubs.

Die Umsätze sind in den letzten beiden Jahren nicht nur, aber vor allem wegen der Pandemie deutlich eingebrochen. In der Saison 19/20 hatte die Eintracht noch einen Umsatz von knapp 300 Millionen angepeilt und war wegen der ersten Auswirkungen bei 278 Millionen Euro gelandet. 20/21 hat der Umsatz nur noch 160 Millionen Euro gelegen. Was auch daran lag, dass der Klub lediglich 26 Millionen Euro Ablöse eingenommen hat. Im Jahr zuvor war es nach den Verkäufen von Luka Jovic an Real Madrid und Sebastien Haller an West Ham knapp über 100 Millionen Euro gewesen. Erstaunlich: Die Eintracht hat trotz der Pandemie und der zuschauerlosen Zeit die Werbe-Einnahmen von 24 auf 31 Millionen Euro steigern können. Dies liege am Abschluss von „besonders werthaltigen Verträgen“.

Das Hauptproblem aller Klubs: Verlust der Zuschauereinnahmen und Rückgang der Fernsehgelder. In der Saison 2019/20 hat die Eintracht 38 Millionen Euro an Eintrittsgeldern eingenommen, 20/21 waren es nur 500 000 Euro. Die TV-Gelder sind von 91 auf 80 Millionen Euro gesunken. Frankenbachs Ausblick: „Es ist unabdingbar, dass wir zur vollständigen Öffnung der Stadien kommen.“ Für diese Saison hat die Eintracht mit einer Auslastung von 60 Prozent geplant, was schon nach den ersten drei Heimspielen kaum noch zu erreichen sein wird. Gegen Augsburg, Stuttgart und Köln waren bei einem Fassungsvermögen von 51 500 Zuschauern je 25 000 zugelassen. Gegen Hertha BSC dürfen nächste Woche 40 000 Fans in die Arena. Ob dann tatsächlich alle Plätze besetzt sein werden, bleibt abzuwarten. „Es ist zu erkennen, dass es im Umfeld noch Zurückhaltung gibt, was Massenveranstaltungen betrifft“, sagt Frankenbach ganz allgemein. Das Fernbleiben der „Ultras“, die auf Maximallösungen pochen, wollte er nicht kommentieren.

Von Peppi Schmitt

Oliver Frankenbach, Finanzvorstand der Eintracht

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