Mit dem „Ebbelwei-Express“ zum Derby

Frankfurt (sp) - Vor fast 50 Jahren haben der FSV Frankfurt und die Eintracht zum letzten Mal um Punkte gegeneinander gespielt. Damals, am 27. Januar 1962, gewann die Eintracht mit 4:0.

Auch am Sonntag (13. 30 Uhr), wenn es zum 173. Spiel (44 Siege für den FSV, 46 Remis, 82 Siege für die Eintracht) zwischen schwarz-blau und rot-schwarz kommt, gilt die Eintracht als der große Favorit. Von den erwarteten rund 50 000 Zuschauern werden mindestens 45 000 mit der Eintracht sympathisieren.

„Natürlich ist es für uns ein Heimspiel“, sagt Eintracht-Trainer Armin Veh, „alleine schon, weil alle unsere Fans da sind.“ Der FSV, der sein Heimspiel aus finanziellen Erwägungen in die Arena des Gegners verlegt hat, kann sich auf die größte Kulisse seiner Vereinsgeschichte und damit auch die höchste Einnahme (mehr als eine Million Euro brutto) freuen.

Gestern hatten Mitarbeiter der Stadionbetreibergesellschaft damit begonnen, die Arena „umzurüsten“, die schwarz-weißen Eintracht-Fahnen wurden abgehängt, die blauen FSV-Fahnen gehisst. Dennoch: „Es gibt sicher brisantere Derbys als FSV gegen Eintracht“, sagt Veh, der bei seinem letzten Derby mit dem Hamburger SV gegen den FC St. Pauli im Februar 0:1 verloren hatte, „aber ich weiß natürlich, dass es für unsere Fans wichtig ist.“ Auf den Rängen wird es „ziemlich entspannt zugehen“, meint Eintrachts Fan-Beauftragter Marc Francis, „es gibt keinerlei Feindschaften zwischen den Klubs.“ Zumal die Kräfteverhältnisse so klar sind wie sonst selten bei großen Derbys. Bei der Eintracht knapp 16 000 in 600 Fanklubs organisierte Anhänger, beim FSV 100 in 10 Fan-Klubs. Die Fans beider Seiten zeigen sich schon bei der Anreise kreativ. Eintracht-Fan-Klubs haben den „Ebbelwei-Express“ gemietet, die Ultras wollen vom Römer aus mit einer Fahrrad-Tour zur Arena starten, andere zunächst auf dem Main mit einem Schiff fahren. Und die FSV-Anhänger wollen aus Bornheim bis zum Hauptbahnhof laufen und von dort mit der S-Bahn weiterfahren. In der Arena hat sich der FSV großzügig gezeigt und den Eintracht-Fans ihre Kurve überlassen. Fast alles ist also für ein friedliches Fußballfest gerichtet.

Sportlich hat sich drei Tage vor dem Spiel die Personalsituation bei der Eintracht deutlich entspannt. Mit Ausnahme des gesperrten Alexander Meier stehen Trainer Armin Veh alle Spieler zur Verfügung. Bamba Anderson hat nach seinem Bänderriss im Ellbogen mit einer Schiene trainiert, und auch Pirmin Schwegler konnte am Donnerstag das volle Programm absolvieren. „Ich habe keine Beschwerden mehr, ich kann spielen“, sagte der Eintracht-Kapitän, der zuletzt gegen Düsseldorf wegen einer Entzündung im Rücken pausieren musste. Damit wird Schwegler für Karim Matmour in die Mannschaft zurückkehren. Wer für Meier spielt, ist noch offen, beste Chancen hat Ümit Korkmaz.

Keine guten Karten hat derzeit Martin Fenin. Der tschechische Nationalspieler spürt, dass er nicht mehr unbedingt gewollt ist bei der Eintracht und sicher zu den Verkaufskandidaten gehört. „Wenn ich beim Stand von 1:1 gegen Düsseldorf nicht mal ins Spiel komme, weiß ich was los ist“, sagt er. Aufgeben aber will Fenin nicht. „Im Fußball ändern sich die Dinge schnell“, glaubt er, „wenn zum Beispiel Gekas noch geht, ist wieder alles anders“.

Trainer und Sportdirektor machen derweil keinen Hehl daraus, dass sie die unbedingte Notwendigkeit sehen, zumindest noch einen kopfballstarken Stürmer zu holen. Dabei sind die Chancen auf Stefan Maierhofer stark gesunken. Zum einen, weil der 29 Jahre alte Österreicher aktuell bei seinem englischen Klub Wolverhampton Wanderers stark spielt, zum anderen, weil sich nun mit RB Salzburg ein finanzkräftiger Klub um ihn bemüht. „Da geht nicht mehr viel“, sagt Eintracht-Sportchef Hübner.

Ein erstes Aufeinandertreffen gibt es bereits heute: Die Eintracht trainiert wie immer auf dem Nebenplatz, der FSV in der Arena, was Veh angesichts der Diskussion um den Zustand des Platzes nicht verstehen kann: „Wir gehen nicht auf den Rasen, weil er so schlecht ist, und die trainieren jetzt da drin, das ist der absolute Wahnsinn.“

Quelle: op-online.de

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