Fan-Attacke befeuert Sicherheitsdebatte im deutschen Fußball

Frankfurt - Die Attacke gewaltbereiter Anhänger von Hansa Rostock auf Fans von Eintracht Frankfurt sorgt für bundesweites Aufsehen und neuen Zündstoff in der Debatte um die Sicherheit im deutschen Fußball. Das Sportgericht schloss unterdessen Eintracht-Fans vom nächsten Auswärtsspiel in Berlin aus.

Mit ihrer nächtlichen Attacke und einer lebensbedrohlichen Verfolgungsjagd auf Fans des hessischen Zweitligisten Eintracht Frankfurt haben gewaltbereite Anhänger des FC Hansa Rostock die Sicherheitsdebatte im deutschen Fußball wieder aufflammen lassen. „Es gab schon Übergriffe auf gegnerische Fans vor Fußballspielen. Aber in dieser massiven Form ist das hier noch nie vorgekommen“, sagte Rostocks Polizeisprecherin Dörte Lembke der Nachrichtenagentur dpa.

Vor Wochenfrist hatte bereits eine Autobahn-Attacke gewaltbereiter Kölner Anhänger auf einen Fan-Bus von Borussia Mönchengladbachfür bundesweites Aufsehen gesorgt. Die jüngsten Vorfälle sind Wasser auf die Mühlen von Politik und Polizei, die härtere Maßnahmen gegen Gewalttäter im Fußball fordern.

„Die Möglichkeit der Einführung von personalisierten Tickets wird derzeit von der Politik und den Sicherheitsbehörden geprüft bei Vereinen, bei denen es immer wieder zu Gewaltexzessen der Fans kommt“, sagte Polizeioberrätin Katja Kruse, stellvertretende Leiterin der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), der „Sport Bild“ (Mittwoch-Ausgabe).

In der Nacht von Samstag zu Sonntag hatten sieben Eintracht-Fans eine neue Dimension der Gewalt erlebt. Nach einem Restaurantbesuch in Warnemünde wurde die Gruppe aus dem nordhessischen Bad Hersfeld zunächst mit Steinen und Flaschen beworfen.

Lebensbedrohliche Situation

Auf ihrer anschließenden Flucht wurden die Frankfurter Fans von vermummten Chaoten in drei Autos verfolgt. Auf der Rostocker Stadtautobahn versuchten die Verfolger, den Kleinbus von der Straße zu drängen und brachten die Eintracht-Anhänger damit in eine lebensbedrohliche Situation.

„Die Jungs hatten richtig Angst. Und die kommt jetzt erst richtig hoch“, berichtete Bernhard Beier, Vorsitzender des Eintracht-Fanclubs in Bad Hersfeld, am Montag in einem Telefoninterview des Senders „Hitradio FFH“. Der Vorfall habe nichts mehr mit Fußball zu tun. „Das war einfach nur eine kriminelle Handlung.“

Die per Notruf zu Hilfe gerufenen Beamten konnten sechs Täter festnehmen, gegen die ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet wurde. Bei einer Hausdurchsuchung am Sonntag wurden bei den sechs Verdächtigen im Alter von 17 bis 27 Jahren, die der gewalttätigen Fußballszene in Rostock zugerechnet werden, Rechner und Vermummungsmaterial beschlagnahmt.

Die Vereine verurteilten die Attacke auf das Schärfste. „Eintracht Frankfurt ist erleichtert, dass keiner der involvierten Fans verletzt wurde und ein Teil der Täter von der Polizei aus Rostock bereits ermittelt werden konnte“, teilten die Hessen mit. „Hansa Rostock verurteilt derartige Vorkommnisse auf das Schärfste. Wir sind bestürzt, aber auch froh, dass die Täter gefasst worden sind“, sagte Hansa Rostocks Sprecher Lorenz Kubitz.

DFB schließt Eintracht-Fans gegen Union Berlin aus

Unterdessen hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Fans von Eintracht Frankfurt vom nächsten Auswärtsspiel am 26. März beim 1. FC Union Berlin ausgeschlossen. Grund für das Urteil sind die Vorkommnisse während des Zweitligaspiels bei Fortuna Düsseldorf am 13. Februar 2012.

Die Eintracht verzichte auf Rechtsmittel, somit ist das Urteil rechtskräftig. „Wir können und wollen es nicht akzeptieren, das Verfahren unnötig in die Länge zu ziehen und am Ende zu einem sportlich noch wichtigeren Zeitpunkt diese Strafe zu kassieren“, wurde Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen auf der Eintracht-Homepage zitiert. Zuvor hatte er noch angekündigt, eine Bestrafung nicht zu akzeptieren.

Im Auswärtsspiel bei Union Berlin müssen die Gäste-Blöcke nun frei bleiben. Zudem muss Eintracht Frankfurt dem Heimverein den durch den Einnahmeausfall entstandenen Schaden ersetzen.

dpa

Quelle: op-online.de

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