Eintracht-Fans kippen das Stadionverbot

Frankfurt - Der DFB muss umdenken: Das Stadionverbot für Fußball-Fans bei Auswärtsspielen ihrer Mannschaft hat sich als untaugliche Strafe erwiesen. Bei Frankfurts 4:0-Sieg am Montagabend bei Union Berlin waren 1000 Eintracht-Anhänger trotzdem live dabei.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zog daraus bereits am Dienstag die Konsequenzen. Künftig wird der Kontrollausschuss nach Ausschreitungen keine Teilausschlüsse mehr beim DFB-Sportgericht beantragen. „Bei uns ist wahrgenommen worden, dass die ausgesprochene Sanktion ihren Zweck nicht erfüllt hat“, sagte Rainer Koch, Vizepräsident für Rechts- und Satzungsfragen beim DFB.

Mitte der ersten Halbzeit waren mehrere Frankfurter Anhänger, die wegen Vorkommnissen im Spiel bei Fortuna Düsseldorf eigentlich ausgesperrt werden sollten, über den Zaun zum Gästebereich gestiegen. Als immer mehr Fans versuchten, dem Beispiel zu folgen, öffnete Union die Tore und ließ alle passieren. „Das war sicherlich nicht rechtens. Aber es war sehr besonnen. Union hat großartig reagiert“, sagte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

Koch wollte sich nicht festlegen, ob die beiden Vereine Konsequenzen befürchten müssen. Union dürfte ohne Sanktionen davonkommen. Deeskalation ist bei Sicherheitsfragen immer die erste Devise. Der 53-jährige Jurist geht jedenfalls davon aus, dass das DFB-Sportgericht als unabhängiges Gremium solche Strafen nicht mehr aussprechen wird. Koch, im Hauptberuf Richter am Oberlandesgericht München, will die Verantwortung für künftige Urteile aber nicht nur an die Sportgerichtsbarkeit abschieben. „Wir wollen die Liga und die Clubs mitnehmen und die Zeit bis zum Saisonende nutzen, damit wir uns für die neue Saison aufgestellt haben.“

Punktabzüge kein Thema

Kein Thema seien Punktabzüge. Dies betonte auch Robert Weise, DFB-Abteilungsleiter Recht: „Wir haben in 30 Jahren nie über Punktabzug nachgedacht.“ Bruchhagen hatte bereits nach dem Spiel gefordert: „Wir müssen bei den konventionellen Strafen umdenken. Wir haben es hier mit einer Jugendbewegung zu tun. Wenn einer in der zwölften Klasse ein Stadionverbot bekommt, dann adelt ihn das in der Schule.“ Man brauche, so der erfahrene Funktionär, kluge Lösungen. „Ich muss aber auch zugeben: Ich selbst habe sie auch nicht.“ Alle im Fußball müssten jetzt „ganz unaufgeregt darüber sprechen und neue Lösungsansätze finden“.

Die DFB-Sanktionen machten die Fans sogar erfinderisch: So kauften Union-Anhänger für die Hessen die Eintrittskarten. Gemeinsam wurden während des Spiels Schmähgesänge gegen den DFB angestimmt - Plakate brachten den Unmut über die Strafe zum Ausdruck.

dpa

Quelle: op-online.de

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