Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt besteht die Meisterprüfung

Frankfurter Freude: Startelf-Debütant Luka Jovic, Torschütze Daichi Kamada, Evan N’Dicka und Filip Kostic (von links) nach dem 1:0 gegen den FC Bayern.
+
Frankfurter Freude: Startelf-Debütant Luka Jovic, Torschütze Daichi Kamada, Evan N’Dicka und Filip Kostic (von links) nach dem 1:0 gegen den FC Bayern.

Eintracht Frankfurt hat den Worten Taten folgen lassen und all die Ankündigungen unter der Woche auf dem Platz bestätigt. Sie hat in der Fußball-Bundesliga den FC Bayern München geschlagen.

Frankfurt – Der 2:1 (2:0)- Erfolg gegen die beste Mannschaft der Welt, der sechste Sieg in Folge, war sicher nicht unverdient, auch wenn am Ende kräftig gezittert werden musste. Die Frankfurter hatten einen Gesamtauftritt abgeliefert, der Respekt abnötigt. Eine Halbzeit haben sie sich mit einer fantastischen Offensivleistung die Führung erspielt, eine Halbzeit mit einer aufopferungsvollen Defensivleistung den Sieg verteidigt. „Ich bin stolz auf die Jungs“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic, „die aktuelle Lage ist sehr verlockend.“

Die Eintracht steht nun schon drei Spieltage in Folge auf einem Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigen würde. Kurios: Trotz des Sieges gegen die Bayern haben die Frankfurter einen Platz verloren, von drei auf vier, hinter dem VfL Wolfsburg. Aber das stört in diesen Tagen keinen. „Wir haben drei Punkte gemacht gegen das aktuell beste Team der Welt“, sagte Trainer Adi Hütter, „das macht einen Riesenspaß.“ Bobic ahnt, dass gerade wegen der Erfolgsserie von nun elf ungeschlagenen Spielen die Aufgaben immer anspruchsvoller werden. „Jetzt kommen Spiele, wo wir die Gejagten sind, damit müssen wir umgehen können“, sagte er. Am Freitagabend müssen die „Überflieger“ der Liga beim SV Werder Bremen antreten.

Die Eintracht hat mit den Erfolgen im Rücken eine imponierende Selbstverständlichkeit entwickelt. Die erste Halbzeit war eine Demonstration der eigenen Stärke. Daichi Kamada und Amin Younes hatten gegen überraschte Bayern getroffen. Das Kombinationsspiel der Eintracht war besser und flüssiger als das der Münchner, wann hat es das im vergangenen Jahrzehnt schon mal gegeben. Die Bayern liefen nur hinterher.

„Hier wäre das Dach weggeflogen“, legte der Frankfurter Trainer den Finger in die Pandemie-Wunde. Zum ganz großen Spektakel hatten eben die Zuschauer gefehlt. „Ich kann mir vorstellen, dass unsere Fans in Feierlaune sind, auch wenn es schade ist, dass sie nicht im Stadion sein und wir diesen Sieg nicht gemeinsam feiern konnten“, sagte Filip Kostic.

Der Frankfurter Flügelstürmer war wieder einmal einer der besten auf dem Platz. Keine Überraschung, dass der schwerfällige Münchner Nationalspieler Niklas Süle meist nur das Nachsehen hatte. Auf dieses Duell hatte die Eintracht schon vor dem Spiel gehofft und Bayern-Coach Hansi Flick war ihnen in die Falle getappt. Doch es war nicht Kostic oder der noch bessere Younes oder der immer gute Makoto Hasebe, es waren alle Frankfurter, die sich diesen Erfolg erspielt und erkämpft hatten. Das da eine Mannschaft im Sinne des Wortes auf dem Platz steht, war für jeden ersichtlich. Und wer von den Personalproblemen der Bayern spricht, muss auch sehen, dass der Eintracht mit Erik Durm, Djibril Sow und vor allem André Silva auch drei Stammkräfte aus den letzten Wochen gefehlt haben.

Nach dem Wechsel rollte dann eine Angriffswelle der Bayern nach der anderen Richtung Frankfurter Tor. Robert Lewandowski traf nach toller Vorarbeit von Leroy Sané, die Eintracht wankte, aber sie fiel nicht. Torwart Kevin Trapp hatte genau am richtigen Tag seine Topform, hielt, was zu halten war – und noch ein bisschen mehr. Hasebe ordnete das Spiel auch in den schwierigsten Phasen und war im Alter von 37 Jahren in der Lage, über 90 Minuten einem Joshua Kimmich Paroli zu bieten. Die jungen Tuta und Evan Ndicka hielten dagegen, ohne immer alles abwehren zu können. Mittendrin ackerte Martin Hinteregger, dass es eine Freude war und er selbst seine Freude hatte. „Für mich persönlich war die zweite Hälfte besser, da hatte ich mehr zu tun“, sagte er lachend, „in der ersten Hälfte habe ich mehr genossen, wie die vorne gezockt haben.“

Fazit: Die Eintracht, die kurz vor dem Ende noch einen Foulelfmeter hätte bekommen müssen (Davies gegen den eingewechselten Ache) hat die Prüfung durch den Meister eindrucksvoll bestanden.

Von Peppi Schmitt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare