Rückspiel in der Europa-League

Hütter vor Spiel gegen Mailand: „Wir fahren jetzt in die Höhle des Löwen“

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Die Eintracht konnte sich über einen 3:0-Sieg bei Fortuna Düsseldorf freuen.

Das Spiel war kaum abgepfiffen, der 3:0-Sieg bei Fortuna Düsseldorf nur kurz bejubelt, da hat bei der Frankfurter Eintracht schon die Vorbereitung auf das Achtelfinal-Rückspiel (Hinspiel 0:0) in der Europa-League am Donnerstagabend (21 Uhr) bei Inter Mailand begonnen.

Frankfurt - Die Frankfurter Spieler stiegen auf von der Fortuna bereitgestellte Fahrräder und radelten sich ein wenig die Müdigkeit aus den Knochen nach den anstrengenden 95 Minuten. So wurde das „Ausradeln“, das im Normalfall am nächsten Tag stattfindet, einfach vorgezogen, bevor die Mannschaft die dreistündige Rückreise mit dem Bus antrat. „Ab jetzt liegt unser Fokus ganz auf Inter“, sagte Trainer Adi Hütter, der seiner Mannschaft „ein großes Kompliment“ für die Leistung in Düsseldorf aussprach. Mit dem dritten Sieg in der Liga in Folge (9:2 Tore) hat die Eintracht Kurs auf Europa genommen und sich eine ausgezeichnete Ausgangsposition verschafft, sowohl für den nationalen Kampf um die europäischen Plätze als auch für die internationale Aufgabe in Mailand. „Wir fahren jetzt in die Höhle des Löwen und ich hoffe, dass es wieder ein Festtag wird“, sagte der Trainer.

Die Eintracht hat in Düsseldorf nicht nur das sechste Auswärtsspiel gewonnen, sie hat auch den nächsten Entwicklungsschritt genommen. Der Sieg wurde im Stile einer Spitzenmannschaft herausgespielt, nicht glanzvoll, aber solide, voller Selbstvertrauen aber ohne Selbstüberschätzung, mit ein wenig Glück, aber vor allem viel Geschick. Die Maßnahmen des Trainers haben einmal mehr gegriffen, die „Rotation“ hat nicht zu einem größeren Leistungsabfall geführt. „Wir sind in der Breite besser aufgestellt und können dem einen oder anderen immer wieder eine Pause gönnen, um im nächsten Spiel wieder frisch zu sein“, sagte Manager Bruno Hübner. Wohl dem, der auf verletzte Stammkräfte wie David Abraham und Ante Rebic verzichten muss und dennoch Spieler wie Sébastien Haller und Mijat Gacinovic auf die Bank setzen kann. Die Mannschaftsleistung hat darunter kaum gelitten.

Eintracht Frankfurt: Zeugnis gegen Fortuna Düsseldorf

Dabei überrascht der Trainer immer wieder mit seinen Entscheidungen. Makoto Hasebe trotz des am letzten Donnerstag erlittenen Nasenbeinbruchs aufzustellen, gehörte ebenso dazu wie Nominierung von Goncalo Paciencia anstelle von Haller. „Hase ist ein Top-Profi, ich habe vorher mit ihm darüber gesprochen“, erklärte Hütter, „er hat mir gesagt, dass er drei Spiele machen kann in sechs Tagen, wenn er nicht im Mittelfeld spielen muss.“ Also durfte der Japaner wieder als „Libero“ auflaufen und konnte sich dort die Kräfte ein wenig einteilen. Mit Ausnahme eines krassen Fehlers, den Torwart Kevin Trapp ausbügeln musste, zeigte er eine Klasseleistung. Übrigens ohne schützende Maske, die ihn im Blickfeld eingeschränkt und die er deshalb nach fünf Minuten schon wieder ausgezogen hatte. Hasebe traute sich selbst in Kopfballduelle. „Kein Problem, alles gut“, sagte er nach dem Spiel.

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Alles gut ist auch derzeit bei Paciencia. Die drei Frankfurter „Angriffsbüffel“ haben mit dem Portugiesen Zuwachs bekommen. Das Siegtor gegen Hoffenheim, nun das Führungstor und die Vorarbeit zum 2:0 durch Haller in Düsseldorf waren Leistungsnachweise der besonders eindrucksvollen Art. Das Scouting-System der Eintracht hat also auch da funktioniert. Muss die Eintracht tatsächlich einen ihrer umworbenen Stürmerstars im Sommer verkaufen, steht der Ersatz aus den eigenen Reihen schon bereit. Auch kurzfristig ist Paciencia natürlich eine Alternative. „Ich bin bereit für Mailand“, sagte er. Vermutlich aber wird er im San Siro doch auf der Bank Platz nehmen müssen. Denn Haller wird auf jeden Fall spielen und zudem hoffen alle in Frankfurt auf einen Einsatz von Rebic. „Bei Ante wird es eng, aber wir müssen abwarten“, sagte Manager Bruno Hübner. Der Kroate ist am Dienstag aus Belgrad zurückgekehrt, wo er sich an seinem verletzten Knie hat behandeln lassen. Die medizinische Abteilung der Eintracht versucht weiter alles, um ihn fit zu bekommen.

Die Eintracht-Aufstellung wird in Mailand also ein deutlich anderes Gesicht haben als noch in Düsseldorf. Neben Rebic könnte auch Kapitän David Abraham ins Team zurückkehren, ganz sicher der geschonte Evan Ndicka und die erst spät eingewechselten Haller und Gacinovic. Dafür werden Gelson Fernandes (gesperrt) und Almamy Touré (nicht gemeldet) nicht zur Verfügung stehen. Viel Zeit zum Tüfteln bleibt dem Trainer nicht, am Mittwoch um elf Uhr hebt die Chartermaschine Richtung Mailand ab. Personelle Fragen sind also noch offen, die taktische Ausrichtung aber ist schon vorgegeben. „Wir dürfen nicht nur defensiv denken, sondern müssen unsere Chancen nach vorne nutzen“, fordert der Trainer. Genauso also wie in Düsseldorf. Dabei ist der 49 Jahre alte Fußball-Lehrer selbst ein bisschen traurig. „Leider sehe ich das Spiel nur von der Tribüne“, sagt er, „aber ich bin ja selbst schuld.“ Wegen des Tritts gegen eine Trinkflasche und dem Verweis auf die Tribüne im Hinspiel, ist Hütter von der UEFA gesperrt.

Von Peppi Schmitt

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Quelle: op-online.de

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