Ehemaliger Fußballprofi freut sich auf Pokalfinale

Ex-Eintrachtler Cimen hofft auf drei Feiern in acht Tagen

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Finale in Berlin am 29. April 2006. Daniyel Cimen (rechts) gegen Roy Makaay, den Stürmerstar der Bayern.

Offenbach - Daniyel Cimen steht vor ereignisreichen Tagen: Als Trainer kann er am Samstag mit der SG Rot-Weiss Frankfurt in die Fußball-Regionalliga Südwest aufsteigen, als Spieler am Sonntag mit dem FC Hanau 93 in die Verbandsliga Süd. Von Holger Appel

Und dann freut er sich schon auf das DFB-Pokalfinale der Frankfurter Eintracht eine Woche später in Berlin gegen Borussia Dortmund. Beim letzten Pokalfinale der Eintracht im Jahr 2006 (0:1 gegen den FC Bayern) war er dabei.

Daniyel Cimen, Sie könnten ein spektakuläres Wochenende erleben. Was haben Sie sich vorgenommen?

Ich will zweimal aufsteigen. Wenn das am Samstag mit Rot-Weiss gelingt, feiern wir ordentlich und die Jungs haben danach Urlaub. Ich selbst muss mich ein bisschen zurückhalten, ich will am Sonntag spielen. Mit Hanau 93 sollten wir bei allem Respekt vor dem VfR Kesselstadt die drei Punkte einplanen. Dann kann die nächste Party kommen.

Bei Hanau 93 dürfte die Chance noch größer sein als bei Rot-Weiss.

Ja, das stimmt zwar, aber ich bin zuversichtlich. Unser Gegner Lehnerz kann an einem guten Tag sicher jeden schlagen. Aber wir wollen unsere Hausaufgaben machen und dort gewinnen. Wir bereiten uns optimal vor, reisen auch nicht wie sonst in Privatautos an, sondern nehmen den großen Bus.

Was spricht ansonsten für Rot-Weiss?

Wir haben in der Offensive große Qualität, sind immer für Tore gut. Wir sind in der Rückrunde noch ungeschlagen. Das I-Tüpfelchen wäre jetzt der Sieg in Lehnerz mit dem damit verbundenen Aufstieg. Wir wollen ihn unbedingt, wir wollen hoch in die Regionalliga. Und mein Team hat es verdient. In der vergangenen Saison sind wir letztlich wegen eines Tores in der Aufstiegsrunde gescheitert. Diese Erfahrung haben wir verarbeitet, haben jetzt sogar ein bisschen mehr Erfahrung als die Konkurrenz in einem Herzschlagfinale.

Sie müssen dem SC Hessen, der nicht aufsteigen will, aber noch die Daumen drücken, oder?

Wir hoffen, dass der SC Hessen punktet und Meister wird. Wir als Trainerteam werden über die Ergebnisse auf den anderen Plätzen informiert sein. Die Jungs sollen sich auf ihr Spiel konzentrieren.

Spielen Sie auch nächste Saison für Hanau 93?

Das ist noch offen. Wenn wir hoch gehen mit Rot-Weiss, wird der Aufwand viel größer. Ich trainiere zurzeit noch einmal die Woche mittwochs in Hanau, das werde ich künftig kaum noch schaffen. Ich werde ja auch älter, habe zwei kleine Kinder. Vielleicht bleibe ich noch als Standby-Spieler. Denn Hanau 93 ist schon eine besondere Mannschaft.

Warum stellt Hanau 93 eine besondere Mannschaft?

Jeder weiß um die individuelle Qualität, aber sie ist gepaart mit einer großen mannschaftlichen Geschlossenheit. Es stimmt einfach in diesem Team. Charakterlich ist das eine ganz feine Truppe.

Was machen Sie am letzten Spieltag am 28. Mai, wenn Hanau 93 bei der JSK Rodgau antritt?

Ich bin hoffentlich nicht da.

Das heißt?

Wenn ich am Wochenende mit Rot-Weiss den Aufstieg schaffen sollte und nicht noch irgendwelche Aufstiegsspiele vorbereiten muss, will ich irgendwann nächste Woche mit meiner Familie nach Berlin fahren und samstags das DFB-Pokalfinale der Eintracht sehen.

Sie selbst trugen vor elf Jahren im Finale das Eintracht-Trikot, wurden aber ein- und wieder ausgewechselt. Die Höchststrafe für einen Fußballer.

Das stimmt, aber in dieser Situation war das leider die logische Konsequenz.

Das heißt?

Wir haben gegen die Bayern mit einer Dreierkette in der Abwehr gespielt. In der Mitte mit Marko Rehmer, der sich aber Mitte der ersten Hälfte verletzt hat. Dann kam ich in die Partie. In der Endphase haben wir beim Stand von 0:1 voll auf Offensive gesetzt, in Francisco Copado einen weiteren Stürmer gebracht. Wir haben die Abwehrkette aufgelöst, da musste der Libero weichen - das war ich. Und es hätte ja auch fast noch geklappt mit dem Ausgleich. Den hat Bayern-Torwart Oliver Kahn mit eine Weltklasseaktion gegen Ioannis Amanatidis leider verhindert.

In den Bundesligaspielen zuvor standen Sie oft in der Startelf.

Ja, ich musste schwer schlucken, als Trainer Friedhelm Funkel mir vor dem Finale gesagt hat, dass ich auf die Bank muss. Er wollte in Marko Rehmer auf einen Profi mit mehr Erfahrung setzen. Ich habe die Entscheidung schweren Herzens akzeptieren müssen, aber ich kam ja noch rein ins Spiel.

Sie klingen elf Jahre später nicht unzufrieden?

Nicht viele Fußballer können im Rückblick sagen, dass sie in einem DFB-Pokalfinale vor 75.000 Fans im Berliner Olympiastadion mitwirken durften. Ich kann das. Und wir haben als Außenseiter den FC Bayern ganz schön gefordert, dabei ging es vor der Partie nur um die Höhe unserer Niederlage. Ich bin stolz darauf, dass wir ein packendes Finale hingelegt haben. Das war ein einmaliges Erlebnis, es wird mir trotz knapper Niederlage, Ein- und Auswechselung für immer in positiver Erinnerung bleiben.

Was muss die Eintracht jetzt machen, damit sie gegen den BVB eine ähnlich gute oder sogar noch bessere Rolle spielen kann?

Zunächst einmal ist das eine andere Situation. Das Pokalfinale 2006 fand wegen der anschließenden WM an einem April-Samstag in der Endphase der Saison statt. Wir standen noch mitten im Abstiegskampf, waren nicht gerettet. Jetzt hat die Eintracht den Klassenerhalt sicher, kann sich voll und ganz auf das Finale konzentrieren. Das ist schon ein Vorteil.

Aber die Eintracht hat zuletzt in der Bundesliga eine ganz schwache Rolle abgegeben.

Das stimmt, aber das liegt auch an den vielen Ausfällen. Spieler wie Hasebe sind einfach nicht zu ersetzen. Und der BVB ist auch nicht so stabil mit den ganzen jungen Leuten. Borussia Dortmund hat viel Potenzial, ist aber auch schwankend in den Leistungen. Die Eintracht hat ihre Chance - und die ist größer als bei uns vor mehr als elf Jahren.

Das heißt?

Die Eintracht hat in der Hinrunde super attraktiv gespielt und gegen stärkere Mannschaften mit großer Kompaktheit dagegengehalten. Sie hat ja auch den BVB mit 2:1 geschlagen.

Das ist lange her.

Der BVB spielt regelmäßig um Titel. Aber von den Frankfurter Profis weiß jeder, dass er so schnell vielleicht nicht mehr die Chance haben wird, einen Pokal zu gewinnen; egal, ob er in Frankfurt bleibt oder im Sommer geht. Mit einem Titel kann man diese Rückrunde schnell vergessen machen. Dafür werden die Jungs alles tun. Ich hoffe, dass sie mit dem Pokal zurückkommen aus der Hauptstadt.

 

DFB-Pokal-Sensationen seit 1990

Quelle: op-online.de

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