Vom Bad Boy zur Führungsfigur

Kevin-Prince Boateng hofft auf den Pokal

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Kevin-Prince Boateng

Frankfurt - Weil sein Bruder Jérôme verletzt ist, fällt das Bruder-Duell im DFB-Pokalfinale aus. Dennoch freut sich Kevin-Prince Boateng auf das Highlight mit Eintracht Frankfurt gegen Rekordmeister Bayern München.

Ein bisschen vermissen wird Kevin-Prince Boateng seinen verletzten Bruder Jérôme im Pokalfinale am Samstag gegen Bayern München schon. Schließlich bekommt man nicht oft im Leben die Chance auf ein besonderes Familienduell - und dann auch noch in seiner Heimatstadt. "Das ist etwas ganz Besonderes und wird sehr emotional. Ich wollte das Spiel immer schon mal spielen und nicht nur im Fernsehen anschauen. Für die Familie Boateng ist es natürlich sehr traurig. Wir sind beide enttäuscht", sagte Kevin-Prince Boateng am heutigen Mittwoch. Allerdings gewinnt der Mittelfeld-Antreiber von Eintracht Frankfurt dem Ausfall des Weltmeisters von 2014 auch etwas Positives ab. "Jérôme ist einer der besten Innenverteidiger der Welt. Für die Eintracht ist es besser, dass er ausfällt."

Engste Freunde und die Familie werden ihn im Olympiastadion anfeuern. "Wenn ich alle glücklich hätte machen wollen, hätte ich einen halben Block voll bekommen, so ungefähr 7000 Karten", berichtete er. Obwohl die Eintracht krasser Außenseiter ist, rechnet sie sich durchaus Chancen auf den Pott aus. "Es gibt immer Überraschungen im Fußball. Warum soll es am Samstag nicht so sein. Den Pott zu holen, wäre überragend", sagte Boateng. Doch natürlich weiß der Mittelfeldmotor, dass sein Team nur der Außenseiter ist. "Es wird sehr schwierig werden. Die Bayern wollen unbedingt das Double für Heynckes holen. Wir dürfen keine Angst haben, müssen mit breiter Brust auftreten und unsere Möglichkeiten nutzen", erklärte der 31-Jährige.

Vielleicht nimmt das Fehlen seines Bruders auch etwas Druck von ihm. Als sich beide 2010 bei der WM letztmals vor einem Millionenpublikum duellierten - der eine für Ghana, der andere für die DFB-Auswahl - war das für den Eintracht-Profi auch ein Kampf der Kulturen. "Der Abend vor dem Spiel war einer der bewegendsten Momente meines Lebens. Ich habe mich aus dem Land verstoßen gefühlt, in dem ich geboren bin. Das hat mich verletzt, aber auch angespornt: ich gegen ganz Deutschland", erzählte er. Damals wurde das WM-Vorrundenspiel zum Bruderkrieg stilisiert, weil sich die beiden völlig unterschiedlichen Typen zuvor verkracht hatten. Auslöser war ein Foul von Kevin-Prince Boateng im englischen FA-Cup-Finale mit dem FC Portsmouth gegen den FC Chelsea, als er Deutschlands Kapitän Michael Ballack schwer verletzte und um die WM-Teilnahme brachte. Längst haben sich die Boateng-Brüder wieder versöhnt.

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Neid auf die Erfolge von Jérôme empfindet Kevin-Prince Boateng nicht. Vielmehr rechnet er sich einen gewissen Anteil am Aufstieg des jüngeren Bruders an. "Jérôme hatte immer eine Person, die vorangegangen ist, die Fehler gemacht hat, die er nicht mehr machen musste. Und er war intelligent genug zu sehen, welche Fehler er vermeiden musste", sagte der Eintracht-Profi. Ganz anders Kevin-Prince. Er galt viele Jahre als Bad Boy, der kaum zu bändigen war und sich aus Geltungssucht schon mal drei Autos an einem Tag kaufte. Diese Zeit hat er hinter sich gelassen. "Das war harte Arbeit und nicht einfach, sein Image zu ändern", bestätigte er. Früher sei er ein Bad Boy gewesen und habe das auch gebraucht. "Ich fand das sogar cool. Aber jetzt bin ich ein erwachsener Mann, dem es wichtig ist, dass sein Sohn kein Bad Boy wird."

Auch auf Pokale und Triumphe legt er keinen gesteigerten Wert. "Ich will ja nicht Vorbild sein, weil ich die Champions League gewonnen habe. Mir ist es wichtiger, als Mensch wahrgenommen zu werden." Mit dieser Einstellung ist er in Frankfurt schnell zur Führungsfigur geworden und hat damit alle Skeptiker widerlegt, die seine Verpflichtung im vergangenen Sommer für einen Fehler hielten. Kevin-Prince Boateng war maßgeblich an der überraschend guten Saison beteiligt, auch wenn die Eintracht als Achter den Einzug in die Europa League knapp verpasste. Aber das können die Hessen am Samstag ja noch korrigieren - mit einem Sensationssieg gegen die Bayern. (dpa)

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Quelle: op-online.de

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