Kovac verteidigt die Rotation

Eintracht in Leipzig: Erst verweigert, dann gesteigert

RB Leipzig - Eintracht Frankfurt
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Leipzig - War es nun eine geniale Taktik oder war es eine taktische Fehlleistung? Über die Aufstellung und Einstellung der Frankfurter Eintracht bei der 1:2 (0:1)-Niederlage in Leipzig wurde nach dem Spiel heftig diskutiert. Von Peppi Schmitt

Hat Trainer Niko Kovac mit dem anfänglichen freiwilligen Verzicht auf Ante Rebic, Mijat Gacinovic und Kevin-Prince Boateng den Boden für die spätere Niederlage bereitet? Oder hat er ganz im Gegenteil damit sogar den Grundstein zur guten zweiten Halbzeit gelegt? "Von Anfang an Risiko zu gehen, wäre Harakiri gewesen", sagte Kovac später, "einen offenen Schlagabtausch mit den Leipzigern wollten wir nicht eingehen." Am Ende stand die erste Auswärtsniederlage der Saison, aber auch die Erkenntnis, "dass wir mit etwas mehr Fortune auch einen Punkt hätten holen können."

In der ersten Halbzeit war das Personal und die Taktik einzig darauf ausgerichtet, für Schadensbegrenzung zu sorgen. Kovac hatte in seinem Versuch eine kräftesparende Rotation zu wählen fast nur defensive Akteure ins Spiel geschickt und die Kreativität auf die Bank gesetzt. Das führte zu einem erschütternden Fußball. Im Grunde hatte die Eintracht vor lauter Angst den Ball nur hoch nach vorne gebolzt. Dort stand Mittelstürmer Sébastien Haller mutterseelenallein gegen zwei, drei Abwehrspieler. Das war Fußball der allereinfachsten Sorte. "Wir haben ja keine Münze hochgeworfen und danach die Aufstellung gemacht", sagte Kovac, der der Überzeugung ist, dass die Schonung für den einen oder anderen Spieler durchaus angebracht war, auch wenn es erst der sechste Spieltag und die erste "englische Woche" war. Boateng und Rebic wären erst spät zur Eintracht gekommen, hätten deshalb große Teile der Vorbereitung verpasst und hätten daraus resultierend Rückstände im konditionellen Bereich. Und Gacinovic, auch belastet durch Länderspiele, sei nach den beiden Spielen gegen Augsburg und in Köln einfach müde gewesen. Das war die quasi offizielle und nachvollziehbare Begründung.

Keine große Hilfe

Das Problem freilich: Die Eintracht hat zwar einen breiten Kader, was aber nicht heißt, dass alle Spieler auf etwa gleichem Niveau spielen können wie beispielsweise bei Bayern München. Jedenfalls waren jene Frankfurter, die "reinrotiert" wurden, nun wirklich keine große Hilfe. So schien der Japaner Daichi Kamada gar nicht so genau zu wissen, was von ihm verlangt wird. Für ihn ist die Bundesliga (noch) mindestens eine Nummer zu groß. Auch Marius Wolf kann sich auf diesem Niveau kaum durchsetzen, zumindest nicht an vorderster Front. Und die Leistung von Jonathan de Guzman war wieder eine einzige Enttäuschung. Pech freilich, dass das 1:0 für RB gerade fiel, als die Eintracht ihren Mittelfeld-Prellbock Gelson Fernandes  auswechseln musste, ganz unfreiwillig. Der Schweizer hatte sich eine muskuläre Oberschenkelverletzung zugezogen. Für ihn kam Boateng und leitete nach einer knappen halben Stunde unfreiwillig mit einem wenig präzisen Rückpass aus der gegnerischen Hälfte auf Lukas Hradecky die Leipziger Führung ein. "Ich wollte eigentlich Ruhe reinbringen", sagte Boateng, "aber ich habe den Ball Lukas auf den linken Fuß gespielt." Der Torwart klärte mit seinem schwächeren Linken nicht weit genug, die Leipziger schalteten schnell um, den ersten Schuss von Timo Werner konnte Hradecky noch glänzend parieren, gegen den Nachschuss von Jean-Kevin Augustin hatte er keine Chance mehr.

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Kovacs Hintergedanke bei der Wahl seines Personals war nicht ganz aufgegangen, auch wenn es später fast noch geklappt hätte. "Man muss es so hinbekommen, dass man in der 90. Minute noch die Chance auf einen Punkt oder einen Sieg hat", erklärte der Frankfurter Trainer später. Die Passivität der ersten Halbzeit war also durchaus so gewollt, freilich nicht in der so arg peinlichen Auswirkung, wie es dann gekommen ist. Kovac: "Wir wollten mehr investieren, haben es aber nicht geschafft". Vor der Pause würden Spiele immer taktisch bestimmt, gab der Frankfurter Trainer Einblicke in seine Gedankengänge, "in der zweiten Halbzeit, wenn beide Teams Körner gelassen haben, kann man dann mehr machen." Genau das hat die Eintracht getan. Mit frischen Spielern und mit frischer Taktik. Nach Boateng waren mit Ante Rebic und Luka Jovic nach und nach zwei frische Offensivkräfte aufs Feld gekommen. "Mit jeder Einwechslung sind die Frankfurter stärker geworden", sagte Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl. Kovac empfand diese Aussage ausdrücklich als Lob für die eigene taktische Vorarbeit.

Eintracht-Zeugnis gegen RB Leipzig

Und fast wäre der Plan ja aufgegangen. Das Kopfballtor von Jovic zum vermeintlichen 1:1 war wohl korrekt, wurde aber nicht anerkannt. Das 2:0 der Leipziger (67.) durch eine tollen Treffer von Werner fiel mitten der ersten Frankfurter Drangphase. Nach dem Anschlusstreffer von Rebic (77.) nach guter Vorarbeit von Wolf war die Eintracht am Drücker. Zwar köpfte der Leipziger Stefan Islanker auch nochmal an die Latte, die beste Gelegenheit aber hatten die Gäste. Nach Simon Falettes Kopfball prallte der Ball vom Pfosten an den Rücken von Torwart Peter Gulasci und von dort ins Seitenaus. Das war einfach nur Pech.

Quelle: op-online.de

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