Kampf um Champions- und Europa-League-Plätze

Erfolgsserie der Frankfurter Eintracht reißt

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Eintracht Frankfurt gegen FC Augsburg

Die Erfolgsserie der Frankfurter Eintracht ist nach sechs Siegen in Folge in der Liga gerissen, der schöne Vorsprung im Kampf um die Champions- und Europa-League-Plätze beginnt zu schmelzen.

Frankfurt - Ausgerechnet im eigenen mit 51.500 Zuschauern ausverkauften Stadion hatten die Hessen gegen den FC Augsburg nichts mehr zuzusetzen, gaben kämpferisch zwar alles, unterlagen aber dennoch mit 1:3 (1:2). Grund vor allem: Ab der 47.Minute musste die Eintracht nach einer „gelb-roten“ Karte für Gelson Fernandes in Unterzahl spielen. „Das war ein Tag zum Vergessen“, sagte Mittelfeldspieler Sebastian Rode, „am Ende haben einfach ein paar Körner gefehlt.“ Goncalo Paciencia hatte die Eintracht zwar in Führung gebracht, Marco Richter und Alfred Finnbogason aber noch vor der Pause für die Wende gesorgt. Michael Gregoritsch sorgte dann kurz vor dem Ende für die Entscheidung zugunsten des FCA, der unter dem neuen Trainer Martin Schmidt einen großen Schritt zum Klassenerhalt gemacht hat. Für die Eintracht war es die vierte Heimniederlage der Saison, fünf Spieltage vor Saisonende beträgt der Vorsprung auf Platz fünf nur noch einen Punkt, auf Platz sieben sind es noch fünf.

„Rotation light“ gegen FC Augsburg

Der Frankfurter Trainer hatte seinem Team eine „Rotation light“ verordnet. Lediglich Evan Ndicka, der ja wegen seines Platzverweises sowieso in Lissabon nur ein paar Minuten gespielt hatte, und David Abraham saßen auf der Bank. Dafür rückte Almamy Touré in die Abwehrkette neben Makoto Hasebe und den ehemaligen Augsburger Martin Hinteregger. Und vorne spielte Paciencia neben Ante Rebic und Luka Jovic als dritte Spitze. Die Abwehridee war nicht wirklich gut, weil vor allem Touré neben sich stand. Und weil Martin Hinteregger bald wegen einer Oberschenkelverletzung vom Platz musste. Nun kam Ndicka doch noch.

Die Eintracht startete offensiv, volle Pulle nach vorne war das Motto. Dies war auch die richtige Marschroute, denn schon bald stellte sich heraus, dass die Schwächen diesmal in der eigenen Abwehr lagen. Das fiel zu Beginn noch nicht auf, weil die Frankfurter nach vorne gewohnt gefährlich auftraten. Jovic vergab schon in der 4. und 5.Minute zwei Gelegenheiten. Und in der 14.Minute ging die Eintracht fast schon folgerichtig in Führung. Kostic schlug eine Flanke nach innen und Paciencia katapultierte den Ball mit dem Kopf genau in den Winkel. Es war schon der dritte Kopfballtreffer des Portugiesen. Die Eintracht hatte alles unter Kontrolle, vergab durch Paciencia das 2:0 und wurde immer nachlässiger. Der Trainer war sauer. „Das zweite Tor hätte mehr Ruhe gebracht nach dem schweren Spiel von Lissabon“, ärgerte er sich, „wir haben es verabsäumt nachzulegen.“

Freischwimmen in der Eintracht-Abwehr

Nach und nach schlich sich der Schlendrian ein, irgendwie ging es mit der Eintracht dahin. In der letzten Phase vor der Pause begann eine Art Freischwimmen in der Eintracht-Abwehr. Jeder Angriff der Augsburger war gefährlich, das Abwehrverhalten war vogelwild. Dazu kam, dass die Gäste es verstanden, das Spiel immer wieder zu unterbrechen durch Fouls und oder durch Zeitverzögerungen. Nicht in diese Kategorie gehörten zwei Behandlungspausen für Torwart Gregor Kobel, der schließlich fünf Minuten vor der Halbzeit wegen einer Verletzung vom Platz ging und durch Andreas Luthe ersetzt wurde.

Da hatten die Augsburger aber längst der Eintracht ihr Spiel aufgezwungen. Lange Bälle, harte Zweikämpfe, immer wieder Spielunterbrechungen. Die Gäste waren in der 31.Minute auch schon zum verdienten Ausgleich gekommen. Richter hatte sich durchs halbe Feld gedribbelt, nicht gestört von Touré. Ndicka konnte die Mitte nicht schließen, der Ball trudelte ins lange Eck. Dass die Gäste in der vierminütigen Nachspielzeit auch noch zur Führung kamen, traf die Frankfurter wie ein Hammer. Finnbogason traf aus 20 Metern, einmal mehr unbehelligt von Touré, der freilich nicht der einzige Schwachpunkt war. Die Mannschaft war geschockt, die Kulisse beim Halbzeitpfiff wie gelähmt, mit diesem Zwischenstand hatte niemand gerechnet. „Das zweite Tor hat das Spiel auf den Kopf gestellt“, schimpfte Hütter.

Unsichere Schiedsrichter Bastian Dankert zückt Rot

Der nächste Schlag kam gleich nach der Pause. Die Frankfurter waren voller Energie zwei Minuten vor den Gästen aus der Kabine gekommen. Aber in der 47. Minute waren sie, wie schon vor ein paar Tagen in Lissabon, schon wieder einer weniger. Fernandes hatte einen harten Zweikampf gegen Schmid geführt, der Schiedsrichter wertete das Einsteigen als Foul, gab „Gelb“ und da Fernandes bereits verwarnt war, musste er vom Platz. „da hätte auch eine Ermahnung ausgerichtet“, sagte Fernandes‘ Kollege Sebastian Rode. Doch der durchweg unsichere Schiedsrichter Bastian Dankert entschied anders und damit das Spiel.

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Und dann trat ein, was schon seit einer langen Zeit zu befürchten war, die Eintracht brach ein. Die Kräfte ließen nach, die Konzentration auch. Der Kopf war nicht mehr frei, konnte nicht mehr frei sein. Die Augsburger hatten alles im Griff, hatten dicke Chancen durch Koo und Richter auf das dritte Tor. Die Eintracht wurde vom Publikum unterstützt, raffte sich noch einmal auf, aber es war einfach kein Benzin mehr im Tank. Rebic hatte noch eine Ausgleichschance, das war es. Und Gregoritsch sorgte dann kurz vor dem Ende für das 1:3. „Wir sind selbst schuld“, lautete das Urteil des Frankfurter Trainers, der nun vor der schweren Aufgabe steht, seine Spieler bis zum Europacup-Spiel am Donnerstag wieder in eine gute körperliche Verfassung zu bringen. Und personell sind die Frankfurter auch nicht mehr in einer wirklich guten Lage. Auf Martin Hinteregger müssen sie möglicherweise verzichten, Touré ist für Europa nicht gemeldet, Ndicka ist gesperrt, Sébastien Haller steht zumindest für die nächsten beiden Spiel nicht zur Verfügung. Der Trainer denkt über einen freien Tag (Dienstag) zur Erholung nach, das hat in der Vergangenheit Wunder gewirkt.

Von Peppi Schmitt

Quelle: op-online.de

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