Fernandes verletzt, Hasebe angeschlagen

Eintracht sucht die „6“: Boateng als Notlösung

Fussball 1.Bundesliga, SV Darmstadt 98 - UD Las Palmas
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Kevin-Prince Boateng

Frankfurt - Sechser sind gesucht in der Fußball-Bundesliga. Und ganz besonders bei der Frankfurter Eintracht. Es geht um Mittelfeldspieler, die das Talent vereinen, defensiv stark zu spielen und dabei noch die Offensive mit in Gang zu setzen. Von Peppi Schmitt

Einst trugen diese Spieler die Nummer "6" auf dem Rücken, daher der Name "Sechser". Es ist die wahrscheinlich komplexeste Position in einer Fußball-Mannschaft, weil sie eben abwehren und angreifen gleichermaßen fordert, im Idealfall Tore verhindern und einleiten und weil technische und kämpferische Qualitäten gefragt sind. Weil ein Spieler alleine dies nicht alles leisten kann, gibt es im modernen Fußball häufig zwei Sechser. Bei der Frankfurter Eintracht hat sich neben anderen diese Position zuletzt als Achillesferse herausgestellt. Verschärft werden die Probleme durch die Verletzung von Gelson Fernandes, der wegen einer Muskelverletzung am Samstag im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart und einige Spiele mehr fehlen wird. Fernandes war der defensive Part zugeschrieben. Der Schweizer ist ein Abräumer, ein Ballgewinner. Was darüber hinaus geht, gehört freilich nicht zu seinen Kernkompetenzen.

Die beste Eintracht-Phase der jüngeren Geschichte war geprägt von zwei starken "Sechsern", von Pirmin Schwegler und Sebastian Rode. Der eine, Schwegler, galt als Kopf der Mannschaft, als Stratege, wurde vom einstigen Trainer Armin Veh auch mal als "Quarterback" bezeichnet. Das ist im American Football die wichtigste Position, der Regisseur, der Bestimmer. Rode war der Läufer in diesem Duo, der den Gegnern die Bälle "klaute", mit seiner Wendigkeit und Kampfkraft ein kongenialer Partner. Im Sommer 2014 haben sie die Eintracht verlassen, der eine nach Hoffenheim, der andere zum FC Bayern München. Glücklich sind sie dort nicht geworden und längst wieder weitergezogen. Schwegler spielt inzwischen erfolgreich für Hannover 96, Rode kuriert bei Borussia Dortmund wieder einmal eine Verletzung aus.

Nach den nicht zu verhindernden Wechseln der beiden Mittelfeld-Stars vor drei Jahren, auch noch ablösefrei, hat die Eintracht bisher keinen gleichwertigen Ersatz gefunden. Im ersten Sommer (2014) wurde Makoto Hasebe geholt, damals vom 1. FC Nürnberg. Der Japaner ist ein guter Spieler, wurde dann aber aus der Not heraus häufig als rechter Verteidiger eingesetzt. Inzwischen bringt er seine besten Leistungen für die Eintracht als Libero in der Abwehrkette. Szabolcs Huszti ist gekommen und gegangen.

Im Juli 2015 haben die Frankfurter mit großen Hoffnungen aus Leverkusen Stefan Reinartz verpflichtet, doch der ehemalige Nationalspieler war eine einzige Enttäuschung, konnte die Erwartungen nie erfüllen und beendete seinen Vertrag wie seine Karriere vorzeitig. Die Eintracht war also weiter auf der Suche nach der "6". Im Sommer 2016 wurde man in Spanien fündig. Es kam aus Gijon Omar Mascarell. Ein grundsolider Spieler, ein reiner Zerstörer, der viele Zweikämpfe gewann, dabei gelbe Karte sammelte wie andere Menschen Briefmarken. Nach vorne aber war Mascarell quasi nicht existent: Kein Tor, keine Torvorlage in der gesamten Saison. Das ist eine ziemlich miese Bilanz auf diesem Gebiet. Wie begehrt aber Sechser sind, zeigt sich gerade an Mascarell. Trotz seiner limitierten Spielweise hatte die TSG 1899 Hoffenheim großes Interesse. Der Wechsel soll nur durch die schwere Achillessehnenverletzung geplatzt sein. Nach wochenlangem Hin- und Her wurde der Spanier an der Sehne operiert, fehlt seitdem und wird noch das ganze Jahr fehlen.

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Damit war die Eintracht auf der "6" wieder blank. Deshalb kam Fernandes, auch weil die Eintracht-Verantwortlichen aus kaum nachvollziehbaren Gründen eine mögliche Rückkehr von Schwegler ablehnten. Nun ist auch Fernandes verletzt, das ist Pech. Auch Hasebe ist nicht wirklich fit. Der Japaner hat in dieser Woche, einschließlich Donnerstag, noch nicht mit der Mannschaft trainiert. Seit der letzten Länderspielreise plagt sich der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft mit Knieproblemen herum. In der Vorbereitung hatte sich mit Max Besuschkow ein Junger nach vorne gespielt. Jetzt wo er eine Chance bekommen könnte, ist auch er verletzt. Bleibt als "gelernter" defensiver Mittelfeldspieler Slobodan Medojevic, der nach einem einzigen Spiel in der letzten Saison, dem Pokalfinale, einen neuen Vertrag bekommen hatte. Vielleicht schlägt seine Stunde nun gegen Stuttgart.

Wahrscheinlicher aber ist, dass Kevin-Prince Boateng seinen Weg innerhalb der Mannschat von vorne nach hintern fortsetzt. Ursprünglich galt er als Stürmer, dann als offensiver Mittelfeldspieler, jetzt könnte er auf die "6" rücken. In jedem Fall geht die Suche der Eintracht weiter. In diesen Tagen intern, für die nächste Wechselperiode extern. (ps)

Quelle: op-online.de

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