Eintracht Frankfurt

Fredrik Rönnow: „Dann verletzte ich mich – und nach vier Wochen war ich vergessen“

Die Freude bei Frederik Rönnow ist derzeit groß: Er ist als Keeper bei der Eintracht gesetzt. 
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Die Freude bei Frederik Rönnow ist derzeit groß: Er ist als Keeper bei der Eintracht gesetzt. 

Eintracht-Torwart Frederik Rönnow spricht über die Schnelllebigkeit des Geschäfts, sein Verhältnis zur eigentlichen Stammkraft Kevin Trapp und weshalb er Starkult ablehnt.

Frankfurt - Frederik Rönnow, 27, ist vor eineinhalb Jahren von Bröndby IF nach Frankfurt gekommen, die Eintracht überwies eine Ablösesumme in Höhe von 2,8 Millionen Euro nach Kopenhagen. Der Däne, als Nachfolger von Sympathieträger Lukas Hradecky geholt, war als Nummer eins eingeplant, doch Verletzungen warfen ihn schnell zurück, er verlor seinen Platz zwischen den Stangen an den zurückgeholten Kevin Trapp. Der dänische Nationalspieler, in der Länderauswahl die Nummer zwei hinter dem unangefochtenen Kasper Schmeichel, ist seit der Schulterblessur von Kevin Trapp aber in der Frankfurter Torwarthierarchie nach oben gerückt. Der zuvorkommende und freundliche Schlussmann, so eine Art Stehaufmännchen, stand bisher in elf Pflichtspielen im Kasten und zeigte hervorragende Leistungen.

Herr Rönnow, mit ein paar Tagen Abstand: Wie tief sitzt der Stachel der Enttäuschung ob der Niederlage beim Nachbarn Mainz 05?
Wir sind noch sehr enttäuscht, keine Frage. Gerade weil wir ja zur Halbzeit mit 1:0 in Führung lagen. Aber das Gute an unserer Situation ist, dass wir so viele Spiele haben. Da bleibt gar nicht viel Zeit, um sich zu ärgern, sondern man kann es im nächsten Spiel direkt besser machen. Am Freitag gegen Berlin wollen wir damit anfangen.

Trainer Adi Hütter war nicht amüsiert über die Rote Karte für Dominik Kohr, die Mannschaft kassiere generell zu viele Hinausstellungen und schwäche sich somit selbst.
Es ist ja klar, dass es leichter ist, mit elf gegen elf zu spielen. Wir haben auch über die Rote Karte vom Montag gesprochen und natürlich kann man darüber diskutieren, ob es die richtige Entscheidung war oder ob er ihn nicht einfach hätte laufen lassen sollen. Aber das weiß man in dem Moment nicht, wir werden es auch nie erfahren, ob es anders herum besser gewesen wäre. Vielleicht hätten wir dann 1:4 verloren und jeder hätte gesagt, wieso hat er ihn nicht irgendwie aufgehalten. Im Fußball muss man innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde eine Entscheidung fällen, vielleicht war diese am Montag falsch. Aber wir werden es niemals erfahren. 

Frederik Rönnow: Dahin muss sich Eintracht Frankfurt jetzt orientieren

Die Mannschaft war aber dann auch nicht mutig genug.
In Freiburg haben wir es mit einem Mann weniger sehr gut gemacht, da haben wir trotz Unterzahl den Ball halten und für Entlastung sorgen können. Aber dort hat auch noch Bas Dost gespielt, ein großer Stürmer, den man aus der Verteidigung heraus gut anspielen und der den Ball halten kann. Das hat uns in Mainz gefehlt, gerade in den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit rollte ein Angriff nach dem anderen auf uns zu, da konnten wir uns nicht befreien. Nach dem Rückstand haben wir aber, wie ich finde, gut gespielt und hatten einige Chancen, um auszugleichen. Da hat man unsere Mentalität und unseren Charakter gesehen, das können wir aus diesem Spiel mitnehmen.

In welche Richtung geht es für die Eintracht jetzt, muss man sich nach unten orientieren?
Ich bin ein optimistischer Mensch, und ich bin der festen Überzeugung, dass wir zurück in die Spur finden. Mit einem bisschen mehr Glück hätten wir in Mainz, Freiburg und auch Lüttich etwas geholt, und dann würden wir jetzt über eine ganz andere Situation sprechen. Wenn wir an unser Toplevel kommen, können wir jeden schlagen. Das haben wir schon häufig bewiesen. Deshalb denke ich auch, dass wir uns jetzt gar nicht so sehr mit Hertha beschäftigen sollten und was sich in Berlin durch den Trainerwechsel geändert haben könnte. Nein, wir sollten auf uns schauen. Wenn jeder 100 Prozent seiner Leistungskraft bringen kann, mache ich mir keine Sorgen. Wir sollten zurück zu den Basics gehen, Fußball mit Mentalität, mit Aggressivität und hohem Druck spielen. Und hoffentlich mit elf gegen elf (lacht).

Kommen wir doch noch mal zum 18. Oktober zurück, diese märchenhafte Geschichte gegen Leverkusen, als Sie über sich hinaus wuchsen und 1000 Hände zu haben schienen.
Sehen Sie, im Fußball hängt wirklich sehr viel vom Selbstvertrauen ab, da kann man dann schon mal so ein Gefühl bekommen, dass man unbezwingbar ist und einfach alles hält. Dieses Spiel war schon verrückt, ich wusste ja gar nicht, ob ich würde spielen können, weil ich wegen der Geburt meines Sohnes tagelang nicht geschlafen hatte. Aber die Geburt hat mir noch mal Power und Kraft gegeben, das war natürlich ein sehr emotionaler Tag für mich.

Frederik Rönnow denkt nicht über die Rückkehr von Eintracht-Stammtorhüter Kevin Trapp nach

Sie haben Ihre gute Form bewahrt, haben auch in Mainz wieder hervorragend gehalten. Ist das nur Ihrem Selbstvertrauen geschuldet?
Man muss natürlich auch etwas können, sonst nutzt das ganze Selbstvertrauen nichts (lacht). Ich habe immer an mich geglaubt und wusste, dass ich auf diesem Level performen kann.

Dabei war Ihr Start in Frankfurt alles andere als optimal.
Das kann man wohl sagen. Ich habe mich nach meinem Wechsel gleich am ersten Tag verletzt, danach noch mal. Und auf einmal war Kevin Trapp da. Ich konnte gar nicht zeigen, wer ich bin und was ich kann, obwohl ich ja im Training sah, dass ich auf diesem Niveau mithalten kann. Trotzdem habe ich mich nicht in den Schmollwinkel zurückgezogen und gejammert. Ich habe weiter hart gearbeitet und auf meine Chance gewartet. Ich bin glücklich und stolz, dass ich jetzt zeigen kann, was ich kann und wer ich bin. Ich habe mich auch von den vielen Schwierigkeiten im vergangenen Jahr nicht von meinem Weg abbringen lassen. Dabei war es für mich wirklich hart, weil es das erste Mal in meiner gesamten Karriere war, dass ich nicht gespielt habe und auf der Bank saß. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass man aus schlechten Phasen mehr lernt als aus den guten.

Denken Sie daran, was passieren wird, wenn sich Kevin Trapp wieder gesund meldet und Sie womöglich Ihren Platz zwischen den Pfosten wieder räumen müssen?
Nein, ganz ehrlich nicht. Natürlich könnte ich mir darüber Gedanken machen, aber was würde es mir bringen? Gar nichts. Es würde nur viele Fragezeichen in meinem Kopf zurücklassen. Für mich zählt nur das Hier und Jetzt. Momentan spiele ich und versuche, meine Leistung zu bringen. Natürlich kann man sich immer alles ausmalen und überlegen, aber am Ende kommt es dann doch anders. Nein, was passiert, sehen wir dann, wenn es so weit ist. Es kommt, wie es kommt. Ich habe da aus der Vergangenheit gelernt.

Frederik Rönnow: Verhältnis zwischen ihm und Kevin Trapp ist gut – Rönnow glücklicher Familienvater

Aber es ist doch verrückt: Wenn sich Kevin Trapp nicht verletzt hätte, hätten Sie den Verein womöglich verlassen und wären zurück nach Dänemark oder in die zweite Liga gegangen. So sind Sie in aller Munde, haben gezeigt, was Sie können und sich interessant auch für andere Klubs gemacht.
So ist der Fußball. Im Fußball gibt es nur schwarz und weiß. Hälst du den Ball, bist du der Größte – lässt du ihn rein, bist du eine Niete. So ist es. Sehen Sie, ich habe mich vor eineinhalb Jahren bewusst für Frankfurt und gegen andere Klubs entschieden, weil ich hier ein gutes Gefühl hatte. Dann verletze ich mich – und nach vier Wochen war ich vergessen. Es geht rasend schnell in die eine oder die andere Richtung.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Kevin Trapp?
Wir sprechen viel miteinander, es gibt überhaupt keine Probleme oder Schwierigkeiten. Er ist auch sehr respektvoll mit mir umgegangen, als er hierher kam, weil er wusste, dass es eine schwierige Situation für mich ist. Wir haben großen Respekt voreinander. Bei den Torhütern ist es ohnehin ganz lustig: Wir sind alle direkte Konkurrenten, aber gleichzeitig auch eine eigene Gruppe innerhalb der Gruppe. Man hat also eine engere Bindung zueinander, es ist eine sehr spezielle Situation.

Wie ist Ihr Leben zu Hause als junger Familienvater?
Großartig. Es ist schon verrückt, was in den letzten Monaten passiert ist. Bevor ich spielen konnte, gab es viele Spekulationen um meine Personen, ich habe mir auch viele Gedanken gemacht, und plötzlich ist alles wunderbar. Ich spiele, habe einen Sohn, fühle mich in der Stadt, in der Kabine und im Verein sehr wohl – es ist einfach unbeschreiblich. Ich bin sehr dankbar dafür, wie es läuft zurzeit. Und natürlich ordnet so ein Kind auch ein Leben neu. Ein schlechtes Spiel erscheint da in einem anderen Licht, wenn man nach Hause kommt und der kleine Mann auf einen wartet.

Eintracht Frankfurt: Mit Starkult kann Frederik Rönnow nichts anfangen

Sie scheinen ohnehin ein ganz normaler Typ ohne Allüren zu sein. Sie spielen Piano, kochen gerne, zocken Karten. Starkult ist Ihnen wohl ziemlich fremd.
Damit kann ich nichts anfangen. Ich bin viel in der Stadt unterwegs, und natürlich werde ich jetzt häufiger erkannt als zu der Zeit, in der ich nicht gespielt habe. Ich merke, dass die Leute sich freuen, mich zu sehen. Aber das bedeutet für mein Ego nichts, es ist kein großes Ding für mich. Ich möchte einfach nicht in eine Schublade gesteckt werden. Ich bin, wer ich bin. Ich bin in erster Linie ein ganz normaler Mensch und kein professioneller Fußballspieler. Mir ist auch egal, ob ich in irgendwelche Schablonen passe oder nicht. Ich mache das, was ich möchte.

Was macht Ihr Deutsch?
Ich lerne, ich verstehe auch fast alles. Es gibt auch einige Gemeinsamkeiten mit Dänisch oder Englisch, aber die Grammatik... (lacht). Wenn ich mit Seppl (Sebastian Rode; Anm. d. Red.) und Zimbo (Jan Zimmermann; Anm. d. Red.) Karten spiele, dann versuche ich auch, Deutsch zu sprechen. Ich fühle mich aber sicherer, wenn ich Englisch spreche, und wenn man unsicher ist in einer Sprache, dann verliert man auch irgendwie Autorität und Persönlichkeit. Deshalb bleibe ich noch beim Englisch. Aber meine nächste Deutschstunde ist am Samstag – hoffentlich mit einem Sieg in der Tasche.

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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