Eintracht Frankfurt

Goncalo Paciencia: „Ich will ein Killer sein“

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Hungrig auf Tore: Goncalo Paciencia.

Eintracht-Stürmer Goncalo Paciencia will an der Seite von Bas Dost und André Silva aus dem Schatten seiner Vorgänger treten.

Frankfurt - Im abschließenden Trainingsspielchen an diesem herbstlich-sonnigen Dienstag hat Goncalo Paciencia an der Seite seines alten portugiesischen Freundes André Silva gespielt, dem Neuzugang von Eintracht Frankfurt, und beide haben ihre Tore geschossen. Bas Dost, der dritte Stürmer, kürzlich von Sporting Lissabon gekommen, agierte auf der anderen Seite. Ein erster, zarter Fingerzeig für die Besetzung des Angriffs bei Eintracht Frankfurt für die kommende Partie in der Bundesliga gegen FC Augsburg, ausnahmsweise mal samstags um halb vier?

Das ist sicherlich ein wenig verfrüht. Andererseits muss sich Trainer Adi Hütter seine Gedanken machen, in welcher Besetzung er seine Angriffsreihe nominiert – oder spielen gleich alle drei? Das ist eher nicht zu erwarten, denn die drei offensivsten Kicker eint, bei allen Differenzen, vor allem eines: Sie sind in erster Linie Mittelstürmer. Bas Dost ist der Brecher, Silva der Filigrane, Paciencia gut mit dem Kopf. „Ich kann alle Positionen vorn spielen“, sagt der 25 Jahre alte Paciencia geschwind. Der Konkurrenzkampf ist schon entbrannt, schon wieder entbrannt, keiner kann sich auf verblichenen Lorbeeren ausruhen, „wer schläft“, sagt Paciencia, „verliert seine Position“. Auch ihm tue es ganz gut, aus „meiner Komfortzone“ herauszukommen, der Dreikampf „ist gut für uns drei Stürmer“.

Eintracht Frankfurt hat mit Paciencia einen verlässlichen Stürmer

Er ist, so schnell kann es gehen, mittlerweile der dienstälteste Stürmer bei den Hessen, im Sommer des vergangenen Jahres kam der Beau für drei Millionen Euro vom FC Porto. Luka Jovic, Sebastien Heller und Ante Rebic, seine (zu) großen Konkurrenten sind inzwischen Frankfurter Geschichte. Nun muss Goncalo Paciencia dieser Geschichte ein neues Kapitel beifügen.

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Der Mann, dessen Vater Domingos in Portugal Legendenstatus genießt, ist bereit dazu. Er fühlt sich bereit, zudem in bester körperlicher Verfassung, anders als vor zwölf Monaten. Gestern vor einem Jahr ist ihm der Meniskus im Knie gerissen, das hat ihn monatelang zurückgeworfen, erst im Frühjahr dieses Jahres hat er sich zurückmelden können, trotzdem reichte es noch zu 18 Pflichtspielen und fünf Toren – und einem letzten, beim FC Chelsea im Halbfinale der Europa League verschossenen Elfmeter.

Eintracht Frankfurt nicht schlechter aufgestellt

Fünf Tore hat Paciencia, der ordentliches Deutsch spricht und einen Vertrag mit Laufzeit bis 2022 hat, auch jetzt schon erzielt, in zehn Pflichtspielen, zwei davon in der Bundesliga, darunter das Siegtor zum 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf. Tore, er weiß das, sind die beste Empfehlung für einen Stürmer. „Ich bin ein Stürmer, ich möchte Tore schießen und immer spielen.“ Er hat sich – in Anlehnung an die legendäre Büffelherde – selbst den Spitznamen „Torkrokodil“ gegeben, er findet, Krokodile seien hübsche Tiere – „und Killer. Ich will auch ein Killer sein.“ Vor dem Tor natürlich, da will er zubeißen, eiskalt und gnadenlos.

Paciencia glaubt, trotz des Weggangs der ersten Sturmreihe sei die Mannschaft in diesem Jahr nicht viel schlechter aufgestellt. Er macht das daran fest, dass eine Reihe von Spielern, die in vergangenen Saison gekommen seien, dieses eine Jahr benötigt hatten, um sich an die Liga zu gewöhnen, das neue Land, die Sprache. Mittlerweile wisse jeder, was ihn erwarte, wie er sich zu verhalten habe, wie er sich im Hütterschen System zu bewegen habe. Dazu habe man es geschafft, „in allen Wettbewerben zu sein, die wir erreichen wollten“. Die vielen Siege in den letzten zehn Spielen hätten das Selbstbewusstsein im Team zudem wachsen lassen.

André Silva tut Eintracht Frankfurt gut

Auch Paciencia hat seine Zeit gebraucht, um in Frankfurt, in Deutschland anzukommen. Immer noch, so verriet er kürzlich im großen FR-Interview, vermisse er schmerzhaft das Meer, aber darüber hinaus „fühle ich mich schon als Frankfurter“. In zwei Monaten will er Interviews auf Deutsch geben. Auch an das deutlich professionellere Arbeiten hat sich der kopfballstarke Angreifer gewöhnen müssen. „In Portugal gibt es drei Mannschaften, Porto, Benfica, Sporting, die übrigen Mannschaften fallen ab.“ Zudem könne man es im Training eher gemütlich angehen lassen, „hier musst du jeden Tag ein Top-Level erreichen, um nicht abzufallen.“

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Die drei Stürmer werden sich gegenseitig pushen, glaubt Paciencia, Landsmann André Silva „tut mir und dem Team gut“ und Bas Dost „ist ein fantastischer Stürmer, seine Verpflichtung hebt die Qualität des Teams“. Da darf offensichtlich einiges erwartet werden von der stürmischen „portuguese connection“ – die Latte freilich liegt verdammt hoch. Die Vorgänger hatten allein 47 der 60 Frankfurter Bundesligatore erzielt – aus diesem Schatten herauszutreten, ist nicht einfach.

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