Eintracht ohne Strategie für Zukunft

Enttäuschung bei Marco Russ. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen Schalke steckt die Eintracht im Abstiegskampf. Foto: Imago

Frankfurt - Schon fünf Heimniederlagen in dieser Saison, erst ein Sieg im Jahr 2009, nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz - die Frankfurter Eintracht steckt in einer tiefen sportlichen Krise. Noch besorgniserregender aber sind die Begleitumstände rund um den Klub, um die Mannschaft, um einzelne Spieler und den Trainer.

Von einer Einheit ist nach fünf Jahren ruhiger Aufbauarbeit nichts mehr zu spüren. In den Gremien, bei großen Teilen des zahlenden Publikums, vor allem auch bei den einst treuen Fans herrscht Streit über Wege und Ziele. Eintracht Frankfurt steckt nicht nur in einer sportlichen, sondern auch in einer tiefen Sinnkrise.

Was beim Heimspiel gegen Schalke 04 passiert ist, sollte alle Alarmglocken läuten lassen. Eine große Gruppe der Fans, die sogenannten „Ultras“, die in ihrem Selbstverständnis für die Stimmung im Fan-Block zuständig sind, waren in Streik getreten. Nach den Vorfällen von Karlsruhe, die die Eintracht 40 000 Euro Strafe gekostet haben, hat sich diese Gruppe von der Täter- in die Opferrolle begeben und über weite Strecken des Spiels geschwiegen. In den Internetforen ist darüber ein heftiger Zwist entstanden, die verschiedenen Fan-Gruppen beschimpfen sich gegenseitig. Gemeinsamkeiten sind kaum noch zu erkennen.

Die Zuschauer kommen noch immer zahlreich in die Arena, aber sie stehen längst nicht mehr hinter der Mannschaft, sondern grenzen bestimmte Spieler aus. Profis wie Alexander Meier oder Benjamin Köhler werden aufs übelste beschimpft, egal ob sie gut oder schlecht spielen. Andere, allen voran der Brasilianer Caio, werden auf absurde Art und Weise verehrt. Mitten drin steht Trainer Friedhelm Funkel in einem Meinungssturm, dem er nur durch seine sprichwörtliche Ruhe und Gelassenheit Stand halten kann. Wen auch immer Funkel aufstellt, er wird dafür kritisiert. Die Pfiffe nach der Auswechslung von Caio waren nur das letzte Beispiel einer verbalen Hetzjagd durch einen Teil des Publikums, nicht nur auf den preiswerten, sondern auch auf den teuren Plätzen.

Die Stimmen und Stimmungen gegen den Trainer wurden intern befördert durch das mehr als ungeschickte Verhalten von Teilen des Aufsichtsrates und seines Vorsitzenden bei den jüngsten Vertragsverhandlungen mit Funkel. Anstelle von durchaus angebrachter und nötiger sachlicher Kritik an der Arbeit des Fußballlehrers wurden auch dort persönliche Ressentiments ausgetauscht und in die Öffentlichkeit getragen. Selbst der erfahrene Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hat die Eigendynamik der schlechten Laune unterschätzt.

Bei den wirklich dringenden Problemen kommt die Eintracht seit geraumer Zeit nicht weiter. Wo ist die klare Strategie, die den Klub aus dem Mittelmaß herausführen kann? Ständige Hinweise auf die wirtschaftlichen Einschränkungen helfen nicht weiter. Wo ist die Strategie zur Weiterentwicklung der Mannschaft? Wer ordnet die verbesserungswürdige Einkaufspolitik neu? Seit 2006, als Michael Fink von Arminia Bielefeld gekommen ist, wurde kein einziger Stammspieler aus der Bundesliga mehr verpflichtet. Und wo ist die Integrationsfigur, die die Eintracht und die auseinanderstrebenden Gruppen wieder zusammenbringt?

Quelle: op-online.de

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