Eintracht-Trainer wehrt sich gegen Kritik und die Kritiker

Kovac: "Ich kann diese Panik nicht verstehen"

Frankfurt - Niko Kovac war um Gelassenheit und Zuversicht bemüht. Der Trainer der Frankfurter Eintracht wollte sich nun partout nichts vom dem Druck anmerken lassen, der auf ihm, seiner Mannschaft und dem gesamten Verein vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr - wir berichten im Liveticker) gegen den VfB Stuttgart lastet. Von Peppi Schmitt

All die Kritiken der letzte Tage, von ehemaligen Spielern wie Thomas Berthold ("Die Eintracht spielt Fußball zum Abgewöhnen") oder in den Medien versucht er auszublenden oder zu widerlegen. "Es ist nicht alles so schlecht, wie es dargestellt wird", sagte er in der offiziellen Spieltagspressekonferenz am Freitag, "ich kann die Kritiken zum Teil nicht nachvollziehen." Natürlich seien die kritischen Einwände nicht alle falsch, natürlich sei auch er mit der Effizienz im Angriff nicht zufrieden. Und auch ihm gefalle die Spielweise nicht immer. "Aber wir sind gerade drei Punkte vom Sechsten entfernt", wehrt sich Kovac, "es ist doch überhaupt gar nichts passiert."

Das stimmt freilich nicht so ganz, denn die nachweisbare Heimschwäche trübt schon die Stimmung in der Region. In zwei Heimspielen gegen höchstens durchschnittliche Gegner wie Wolfsburg und Augsburg hat die Eintracht noch keinen Punkt geholt. Diesen Einwand lässt Kovac gelten, verweist freilich darauf, "dass mit Ausnahme von drei, vier Spitzenklubs viele Mannschaften Probleme haben im eigenen Stadion." Manchmal empfinde er deshalb die Berichterstattung als "destruktiv und depressiv." Dies sei aber kein Problem der Medien allein, "sondern es ist ein gesellschaftliches Problem." Dazu gehöre auch, dass der erste Bundesligatrainer (der Wolfsburger Andries Jonker) schon nach dem vierten Spieltag entlassen wurde und der zweite (Carlo Ancelotti beim FC Bayern) nach dem sechsten. "Ich kann diese Hektik, Panik und Unzufriedenheit nicht verstehen", sagt der 45 Jahre alte Kroate.

Trotz der beiden Heimniederlage will Kovac auch fürs Spiel gegen den VfB nichts an den grundsätzlichen Überzeugungen rütteln. "Wir müssen geduldig sein und trotzdem aktiv", fordert er von seinen Spielern. Das hört sich so ein bisschen an wie die "kontrollierte Offensive", die frühere Trainer angepriesen haben. Nichts alles könne und müsse in den ersten 15 Minuten entschieden werden, es sei auch Geduld gefragt. "Wir dürfen keine Angst haben, aber wir müssen Vorsicht walten lassen", sagt er. Die Ausgeglichenheit der Liga gebe diese Strategie für vierzehn der achtzehn Mannschaften vor. Die personelle Lage ist vergleichbar mit der Einschätzung des Frankfurter Fußball-Lehrers. Sie ist im Grunde ganz gut, weil ihm viel Spieler zur Verfügung stehen. Sie ist aber auch angespannt, weil gerade auf wichtigen Positionen Probleme unübersehbar sind.

So wird der Mann vor der Abwehr gesucht. Gelson Fernandes (Oberschenkel) ist verletzt und Makoto Hasebe (Knie) ist angeschlagen. Auch am Freitag hat der Japaner nicht mit der Mannschaft trainiert, wie schon die gesamte Woche über. "Es ist offen, ob wir ihn einsetzen können", sagt Kovac. Er würde Hasebe gerne aufstellen, aber die Chance ist eher gering. Wer bleibt dann für die "6"? "Wir haben noch Marc und Medo", sagt der Eintracht-Trainer.

Marc Stendera also, der aber kein wirklich defensiver Mittelfeldspieler ist. Also wohl Slobodan Medojevic, der zuletzt im Pokalendspiel im Mai aktiv war, aber diese Position "gelernt" hat. Spielt die Eintracht mit einer Vierer-Abwehrkette, könnte Medojevic (oder Stendera) neben Kevin Prince Boateng im Mittelfeld auflaufen. Seinen Star wird Kovac jedenfalls nicht wieder ganz vorne in den Angriff beordern.

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Da ist Sebastien Haller weiter gesetzt, womöglich bekommt Luka Jovic eine Chance von Beginn an als dessen Partner. Oder Branimir Hrgota darf zum ersten Mal seit Wochen wieder ran. Die Fans der Frankfurter sind jedenfalls erwartungsfroh. 51.000 Karten wurden bereits verkauft, darunter mehr als 5000 nach Stuttgart. Die letzten 500 Tickets werden an den Tageskassen zu haben sein. Gute Stimmung ist zu Beginn also garantiert. "Wir brauche unsere Fans", sagt Kovac und verspricht, "dass es unser Ziel ist, zu gewinnen". Dafür würde die Mannschaft "ihr Bestes" geben, "ob das dann für den Sieg reicht, dafür gibt es keine Garantie".

Eintracht: Hradecky - Chandler, Abraham, Falette, Willems - Gacinovic, Boateng, Hasebe (Medojevic, Stendera), Rebic - Jovic, Haller.- Bank: Zimmermann, Russ, Tawatha, Medojevic, Stendera, de Guzman, Wolf, Hrgota

Quelle: op-online.de

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