Eintracht-Trainer Michael Skibbe wertet zweite Halbzeit des Tests gegen Osijek als Alarmzeichen.

„So etwas will ich nie mehr sehen“

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Blickt besorgt nach vorne: Der neue Eintracht-Trainer Michael Skibbe.

Leogang (sp) Die Euphorie ist verflogen, auch der neue Trainer Michael Skibbe ist ernüchtert. Gut zwei Wochen vor dem Saisonauftakt mit dem brisanten Pokal-Derby beim Erzrivalen Kickers Offenbach lieferten die Bundesliga-Kicker von Eintracht Frankfurt im ersten Testspiel während des Trainingslagers in Kärnten eine erschreckend schwache Leistung ab. Dem sonst so besonnenen Skibbe platzte nach dem 0:3 gegen den kroatischen Erstligisten NK Osijek der Kragen.

Herr Skibbe, Sie haben gesagt, es gebe nichts Unwichtigeres als Ergebnisse in Testspielen. Was sagen Sie nach dem 0:3 gegen Osijek?

Ergebnisse sind wirklich nicht wichtig, aber wie sie zustandekommen schon. So etwas wie gegen Osijek will ich von meiner Mannschaft nie mehr sehen.

Was kritisieren Sie besonders?

Mit der ersten Halbzeit war ich noch ganz zufrieden. Aber nach der Pause sind wir als Mannschaft auseinander gefallen, so wie letzte Saison in der Bundesliga beim 0:5 gegen Bremen. Entweder elf Mann spielen zusammen, dann kann eine Mannschaft funktionieren. Aber wenn jeder meint, er müsse für sich spielen, dann wird es eng.

Sind Sie erschrocken?

Ja, ich habe mich erschrocken. Was in der zweiten Halbzeit passiert ist, geht nicht. Das ist ein Alarmzeichen. Gerade wenn man müde ist, muss die Geschlossenheit gewahrt sein.

Haben Sie der Mannschaft die Meinung gesagt?

Ich habe den Spielern vor dem Training gesagt, was mir nicht gefallen hat. Jeder muss wissen, was er zu tun hat, von der ersten bis zur 90. Minute. Und ich habe den Spielern Verhaltensregeln mit auf den Weg gegeben, nicht nur auf dem Platz. Sie müssen sich ein- und unterordnen, jeder muss seine Aufgabe für die Mannschaft erfüllen.

Was hat Ihnen abseits des Platzes nicht gefallen?

Das bleibt intern, die Spieler wissen Bescheid.

Vorstandschef Heribert Bruchhagen weilt im Urlaub. Haben Sie ihn gleich nach dem 0:3 angerufen und einen neuen Spieler gefordert?

Nein, ich habe erst einmal eine Nacht darüber geschlafen. Ich wollte in meinem ersten Ärger nicht übers Ziel hinausschießen. Aber sie können sicher sein, dass Heribert Bruchhagen um die Situation weiß. Wir brauchen unbedingt noch einen Sechser, sonst wird die Luft mächtig dünn.

Das Experiment mit Marco Russ und Alexander Meier im defensiven Mittelfeld ist gegen Osijek gründlich misslungen.

Das überrascht mich nicht. Der eine ist gelernter Abwehrspieler, der andere offensiver Mittelfeldspieler. Auf ihren Positionen spielen beide besser. Oft ist schon der einfache Pass schief gegangen. Im Mittelfeld ist es verboten, zu spekulieren, das Zentrum muss immer dicht sein. Das ist uns nicht gelungen.

Sie haben bei Amtsantritt frechen und offensiveren Fußball versprochen. Nichts davon ist umgesetzt worden. Sie sagten auch, der Kader sei gut und ausgeglichen besetzt. Müssen sich die Fans Sorgen um die Eintracht machen?

Die Fans dürfen genauso besorgt sein wie wir. Etwas vorhaben ist das eine. Davon gehe ich auch nicht ab, wir wollen anders spielen. Aber man braucht auch Spieler, um es umzusetzen. Wenn alle an Bord sind, dann ist der Kader gut und ausgeglichen. Aber wenn Amanatidis, Chris, Bajramovic und Fenin nicht da sind, dann ist er eben nicht ausgeglichen.

Selbst wenn ein neuer Mittelfeldspieler kommt, wird ja nicht gleich alles besser. Auf wen im aktuellen Kader hoffen Sie noch?

Bei Chris sieht es ganz gut aus, ich denke, er kehrt nächste Woche zurück. Auch Amanatidis und Fenin sind auf einen guten Weg. Selim Teber kommt sowieso zurück. Dann haben wir schon mehr Potenzial im Team.

Es gibt aber auch Spieler, die es ziemlich sicher nicht schaffen werden. Wann werden Sie es ihnen mitteilen?

Am Ende der Vorbereitung werden ich jedem sagen, es ist super, es ist gut, es geht, es ist schlecht oder es geht gar nicht. Die Spieler haben das Recht darauf, dies zu wissen und möglicherweise zu reagieren.

Gibt es schon Kandidaten, mit denen Sie gar nicht zufrieden sind?

Ich werde öffentlich keine Namen nennen.

Quelle: op-online.de

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