Finanzsorgen der Eintracht wachsen

Frankfurt (sp) -  Was ist bei der Frankfurter Eintracht los? Wie schlecht geht es dem Klub tatsächlich? Wie die „Frankfurter Rundschau“ gestern berichtete, wurden im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch vom im Juli scheidenden Finanzvorstand Dr. Thomas Pröckl wirtschaftliche Daten bekanntgegeben, die zu großer Sorge Anlass geben.

Danach habe die Eintracht zwar keinerlei Probleme mit der Lizenzierung für die kommende Spielzeit, sie bekomme aber, so ein Sitzungsteilnehmer, „enorme Schwierigkeiten“, einen sportlich halbwegs vernünftigen Kader für die nächste Saison zusammenzustellen. Dies gelte sowohl für die erste als auch für die zweite Liga. Dies wiederum legt den Schluss nahe, dass das zwischenzeitlich auf fünf Millionen Euro bezifferte zu erwartende Minus aus der vorigen Saison noch deutlich höher ausgefallen ist. In jedem Fall scheinen alle Rücklagen, die unter anderem mit dem Erreichen des Pokalendspiels 2006 und der folgenden Teilnahme am UEFA-Pokal gebildet worden sind, aufgebraucht.

Der Abstieg im vorigen Jahr, die daraus resultierenden Verluste von TV-Geldern, vor allem aber die hohe Stadionmiete würden der Eintracht zunehmend die Luft abdrücken, heißt es hinter vorgehaltener Hand. „Wir sind durch diesen Vertrag gefesselt“, wird ein Sitzungsteilnehmer zitiert. In der Bundesliga musste die Eintracht zuletzt knapp zehn Millionen Euro an den Stadionbetreiber zahlen, in der 2. Liga in dieser Saison noch immer gut 4,5 Millionen Euro. Damit liegt die Eintracht bundesweit an der Spitze.

Immer noch kein neuer Hauptsponsor gefunden

Die finanziellen Verpflichtungen, auch für ältere Marketing-Verträge, hätten dazu geführt, dass nur jeder dritte eingenommene Euro in die Mannschaft fließen könne. Das waren in der vorigen Bundesligasaison gerade noch 28 Millionen Euro. Zur Verunsicherung trägt auch bei, dass noch immer kein Nachfolger für den ausscheidenden Hauptsponsor Fraport gefunden worden ist.

Offizielle Aussagen zu der offensichtlich immer weiter fortschreitenden Finanzmisere und ihren möglichen Auswirkungen gab es gestern nicht. Zur routinemäßigen Pressekonferenz waren weder Vorstandschef Heribert Bruchhagen noch Trainer Armin Veh oder Sportdirektor Bruno Hübner gekommen. Bruchhagen ließ sich wegen wichtiger Termine entschuldigen, verwies am Nachmittag darauf, dass nur der Aufsichtsratsvorsitzende Dr.Wilhelm Bender öffentlich Auskünfte zur finanziellen Situation geben dürfe. Veh hatte wegen eines Zahnarztbesuchs kurzfristig seinen Assistenten Rainer Geyer geschickt. In jedem Fall hat die Öffentlichkeitsarbeit der Eintracht in dieser brisanten Situation ein katastrophales Bild hinterlassen.

Zur Beruhigung könnte die Mannschaft mit sportlichen Erfolgen beitragen. Ein Auswärtssieg am Sonntag beim Tabellenletzten Hansa Rostock ist nötig. Fehlen wird an der Ostsee der verletzte Karim Matmour, zittern müssen die Frankfurter um Alexander Meier, der wegen muskulärer Probleme gestern nur Lauftraining absolvierte.

Quelle: op-online.de

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