Derby in Darmstadt

Kommentar: Aufenthaltsverbot ist sinnloser Aktionismus

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Im Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt werden beim Derby zwischen den Lilien und Eintracht Frankfurt keine Eintracht-Fans erlaubt sein - auch in der Stadt sind Frankfurter nicht erwünscht.

Die Angst der Behörden vor Ausschreitungen beim Hessenderby der Fußball-Bundesliga mag verständlich sein, das allgemeine Aufenthaltsverbot für Frankfurter Fans in Darmstadt ist jedoch keine Lösung. Von Niels Britsch

Für die Vergehen einiger Eintracht-Fans beim Hinspiel bestrafte der DFB den Verein und Anhang damit, dass er für das Spiel zwischen dem SV Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt die Frankfurter Gästefans komplett ausschloss.

Dass die Stadt Darmstadt nun auch noch ein allgemeines zweitägiges Innenstadt-Verbot für sämtliche Frankfurter Fans ausspricht, sorgt für zusätzliche unnötige Aufregung. Denn ein solches Verbot wirft zahlreiche Fragen auf: Wäre es nicht ausreichend gewesen, polizeibekannte Fans aus der Frankfurter Szene mit einem entsprechenden Platzverbot zu belegen? So hat es die Polizei laut eigener Aussage auch gehandhabt. Warum nun auch noch ein allgemeines Aufenthaltsverbot für sämtliche Anhänger verfügen? Wenn sowieso grundsätzlich allen Eintracht-Fans der Zutritt nach Darmstadt verboten werden soll, hätte die Polizei auch kein spezielles Platzverbot für einschlägig bekannte Fans aussprechen müssen.

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Wie will die Polizei das Verbot durchsetzen? Muss jeder Mensch in der Innenstadt, der Kleidung mit verdächtigen Farbkombinationen trägt, damit rechnen, von der Polizei kontrolliert oder gar festgenommen zu werden? Denn die Polizei kann auch nur gegen Eintracht-Fans vorgehen, die optisch oder akustisch als solche zu erkennen sind. Und was machen in Darmstadt lebende oder arbeitende Frankfurt-Sympathisanten? Müssen sie den Eintracht-Aufkleber von der Scheibe ihres Autos kratzen und für zwei Tage Asyl außerhalb ihrer Heimatstadt suchen? Oder dürfen sie ihre Wohnung gar nicht erst verlassen? Müssen alle Fahrer von Autos mit Frankfurter Kennzeichen mit polizeilichen Repressalien rechnen?  

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Auf all diese Fragen haben die Verantwortlichen keine Antwort, deswegen erscheint die Maßnahme des allgemeinen Aufenthaltsverbotes doch reichlich undurchdacht, sie ist purer Aktionismus, und zur Deeskalation dürfte sie sicher auch nicht beitragen. Zuletzt stellt sich auch die Frage nach der Verhältnis- oder gar Rechtmäßigkeit eines solchen Verbots: In Zeiten, in denen Rechtsradikale in Innenstädten aufmarschieren oder fragwürdige Gruppen wie Salafisten in Fußgängerzonen missionieren, soll es rechtlich korrekt sein, Menschen aufgrund ihrer Sympathie für einen Fußballverein aus einer Stadt zu verbannen? Das ist eigentlich kaum nachvollziehbar...

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Nein, das ist purer Aktionimus. Wer wirklich auf Randale aus ist, lässt sich auch davon nicht abhalten.
52.42%
Ja, so werden Frankfurter Fan-Ansammlungen vermieden. Die Polizei dürfte damit die Situation besser unter Kontrolle haben.
47.57%

Quelle: op-online.de

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