Skibbe auf Konfrontationskurs

Michael Skibbe (rechts) und Leverkusens Trainer Jupp Heynckes vor dem Bundesligaspiel am Freitagabend. Nach dem Spiel war Skibbe das Lachen gründlich vergangen.
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Michael Skibbe (rechts) und Leverkusens Trainer Jupp Heynckes vor dem Bundesligaspiel am Freitagabend. Nach dem Spiel war Skibbe das Lachen gründlich vergangen.

Frankfurt ‐ Riesenkrach bei Eintracht Frankfurt: Nach dem 0:4 bei Bayer Leverkusen, dem zweiten Debakel innerhalb von zehn Tagen nach dem 0:4 gegen Bayern München im DFB-Pokal, ist Trainer Michael Skibbe auf offenen Konfrontationskurs gegangen. Von Peppi Schmitt

Zum Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, zu dessen wichtigstem Berater Bernd Hölzenbein, zu all jenen im Verein, die in den vergangenen Jahren zufrieden waren mit dem Mittelmaß. Skibbe will das nicht mehr mitmachen und riskiert damit womöglich seinen Rauswurf.

Wir müssen Eintracht Frankfurt in den nächsten eineinhalb Jahren völlig neu aufstellen, um konkurrenzfähig zu sein“, hatte Skibbe nach dem peinlichen Auftritt von Leverkusen gesagt, „wenn wir so weitermachen, werden wir schwächer, schwächer und schwächer.“ Bruchhagen wollte auf die Kritik zunächst gar nicht antworten, dann suchte er Skibbes Brandrede herunterzuspielen. Die Aussagen Skibbes seien „der maßlosen Enttäuschung nach dem Spiel geschuldet“. Doch der Trainer hatte seine Worte mit Bedacht gewählt. Er sprach sie unmittelbar nach dem Spiel in die Mikrofone, legte fast eine Stunde nach dem Schlusspfiff in der Pressekonferenz nach und verschärfte seine Aussagen anschließend noch im kleinen Kreis. Was steckt also dahinter?

Skibbe ärgert sich über Bequemlichkeit

Skibbe hat grundsätzlich andere Vorstellungen als Bruchhagen, wie eine Mannschaft entwickelt und ein Verein nach vorne gebracht werden kann. Dass der Trainer mit seinem Personal nicht zufrieden ist, wurde bereits deutlich, als er unbedingt den Brasilianer Lincoln holen wollte und nach dem geplatzten Transfer Bruchhagen öffentlich kritisierte („Es wurde eine große Chance verpasst“). Der Fußball-Lehrer ärgert sich über die Bequemlichkeit, die Einzug gehalten hat bei der Eintracht. Der ganze Verein sei aufgerufen, vieles besser zu machen. „Wir müssen alle Vollgas geben, in allen Bereichen, jeder muss volle Pulle Vollgas geben. Wichtig ist für die Stadt, für die Fans und den Verein, dass wir Konkurrenzfähigkeit anstreben.“ Diese sieht Skibbe nämlich nicht. Nicht mit den Mannschaften, die vor der Eintracht stehen und bald auch nicht mehr mit jenen, die hinter ihr stehen. „Wenn wir so weitermachen, werden wir durchgereicht, nicht in dieser Saison, aber auf Sicht.“

Konkreter wollte Skibbe nicht werden, „weil das intern besprochen werden muss“. Doch es ist klar, was und wer gemeint ist. Skibbe ist mit der Scout-Abteilung um Hölzenbein nicht zufrieden, die in der Tat seit Jahren keinen vernünftigen Beitrag mehr zur Stärkung der Mannschaft geleistet hat. Er ist mit der aus seiner Sicht zu defensiven Einkaufspolitik nicht zufrieden. Er akzeptiert nicht das Argument, es liege nur am fehlenden Geld, dass die Eintracht den Anschluss nach oben nicht schafft. „Nicht alles, was man tut, muss viel Geld kosten“, sagt Skibbe, „man muss Spieler kennen, sehen, finden, scouten und Vertrauen gewinnen.“ All dies funktioniert aus seiner Sicht bei der Eintracht nicht.

„Arbeiten seit sechs Jahren an dem Ziel, die Eintracht besser zu machen.“

Es ist unwahrscheinlich, dass ein Trainer, der gerademal gut vier Monate bei einem neuen Arbeitgeber unter Vertrag steht, ganz ohne Rückendeckung solche Angriffe startet. Dahinter könnte stecken, dass Teile des Aufsichtsrates, dem die Allmacht des Vorstandsvorsitzenden Bruchhagen schon lange ein Dorn im Auge ist, ihn stützen. Kein Geheimnis ist, dass es Bestrebungen gibt, einen Sportdirektor neben dem Vorstandschef zu installieren. Bisher füllt Bruchhagen beide Positionen in Personalunion aus, und es ist eher unwahrscheinlich, dass er freiwillig ein Stück seiner sportlichen Macht abgeben wird. Und so sagt Bruchhagen: „Wir arbeiten doch seit sechs Jahren beharrlich an dem gleichen Ziel, die Eintracht besser zu machen. Und wir sind im Vorstand selbstbewusst genug zu wissen, dass wir das schon richtig machen. Wir müssen uns dafür nicht rechtfertigen.“

Quelle: op-online.de

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