„Wir haben ihnen weh getan“

Schmerzen. Der Frankfurter Torschütze Michael Fink (links) foult den Hoffenheimer Torschützen Carlos Eduardo. Foto: AP

Frankfurt - Gibt es das? In der ersten Halbzeit die schlechteste Leistung der Saison zeigen und in der zweiten Halbzeit die beste.

Die Frankfurter Eintracht hat das geschafft beim 1:1 (0:1) gegen die TSG 1899 Hoffenheim. „Das Dorf hat 30 Minuten Alarm gemacht, dann hätte das Dorf verlieren müssen“, fasste Frankfurts Präsident Peter Fischer am Tag seines 53. Geburtstages in der ihm eigenen Art die 90 Minuten zusammen, die die 51 500 Zuschauer in der Frankfurter WM-Arena von den Sitzen gerissen hatte.

Eine halbe Stunde lang hatten die Zuschauer eine Demontage der Eintracht gesehen, wie man sie in der Bundesliga eigentlich nicht für möglich gehalten hätte. Da spielte eine Amateurmannschaft gegen ein Profiteam, ein VW-Polo juckelte hinter einem Ferrari her. Die Hoffenheimer Spieler waren schneller, entschlossener, klar besser. Das Führungstor durch Carlos Eduardo war schon nach zehn Minuten die logische Folge des Spielverlaufs. Hoffenheim spielte noch weiter fünfzehn Minuten Vollgasfußball und stellte dann die Arbeit ein. „Die Jungs haben gedacht, so wie es läuft in der ersten Halbzeit, da kann heute nichts passieren“, bemängelte Trainer Ralf Rangnick stocksauer. „Ich denke, das hat eher was mit Überheblichkeit zu tun.“ Seit dem 2:0 gegen Energie Cottbus zum Rückrundenauftakt hat Hoffenheim in nun sechs Spielen nicht gewonnen.

Es war der Frankfurter Chris, der den Schalter umlegte. Chris grätschte auf dem Spielfeld und in der Kabine dazwischen. Er habe in der Halbzeit das Wort ergriffen, sagte der Brasilianer, „so konnte es nicht weitergehen.“ Er forderte die Kollegen zu „mehr Mut, Aggressivität und Kampfgeist“ auf. Der Brasilianer Eduardo und die Kollegen waren fortan nicht mehr zu sehen, weil der Brasilianer Chris und seine Kollegen ihnen endlich in die Parade fuhren. Michael Fink köpfte schnell den Ausgleich nach Markus Steinhöfers prächtiger Flanke, Es war bereits die zehnte Torvorlage von Steinhöfer in dieser Saison. Nun spielte die Eintracht und, das war das Erstaunliche, nur noch die Eintracht. „Wir haben ihnen endlich weh getan“, beschrieb Marco Russ die Marschroute, die schon vor der Pause ausgegeben, aber nicht umgesetzt worden war. Die Eintracht hätte dieses Spiel dann gewinnen müssen. „Vorher wären wir mit einem Punkt zufrieden gewesen, hinterher nicht mehr“, sagte Fink. Martin Fenin traf nur die Latte, Alex Meier lupfte den Ball um Zentimeter vorbei.

Eine Erklärung für die Diskrepanz innerhalb eines Spiels hatte später niemand. „Wir haben nichts von dem umgesetzt, was wir wollten“, grübelte Fink über die erste halbe Stunde, „ich finde keine Erklärung dafür.“ Friedhelm Funkel zuckte die Schultern. „Es geht nicht immer, dafür sind wir Menschen“, sagte der Frankfurter Trainer, „wichtig ist, dass dann eine Reaktion gekommen ist.“ Nun könne er mit dem einen Punkt gut leben. Funkel schwört die Eintracht auf einen langen Abstiegskampf ein. Drei Punkte beträgt der Vorsprung nur noch auf den Relegationsplatz. „Es kann noch einige Zeit so eng bleiben“, glaubt der Frankfurter Coach, „aber am Ende werden wir über dem Strich stehen.“

Quelle: op-online.de

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