Nach dem Spektakel gegen Dortmund:

„Wollen hübsch bescheiden bleiben“

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Ausgelassener Jubel: (von links) Sebastian Rode, Sebastian Jung, Takashi Inui und Jimmy Hoffer feiern den Treffer zum 2:2.

Frankfurt - Fußball von seiner schönsten Seite: Offensiv, mutig, spielerisch, ideenreich, schnell und spannend. Und mitten drin die Frankfurter Eintracht. Das 3:3 gegen Borussia Dortmund war der bisherige Höhepunkt einer geradezu märchenhaften Saison. Von Peppi Schmitt

All die Lobeshymnen, die nach dem Spiel gesungen wurden, sind berechtigt. Vom Meistertrainer aus Dortmund wurden die Frankfurter gar geadelt. „Das Umschaltspiel von Defensive auf Offensive ist das beste, was ich je von einer Frankfurter Mannschaft gesehen habe“, sagte Jürgen Klopp, „und ich habe hier schon einige große Frankfurter Mannschaften gesehen“.

Nationalspieler Mats Hummels pflichtete ihm bei, „so gut wie die Eintracht war gegen uns lange keine Mannschaft mehr.“ Selbst der Eintracht-Chef war erstaunt. Er habe mit der Eintracht schon einige tolle Spiele in der Arena erlebt, sagte Heribert Bruchhagen, „aber das war außergewöhnlich.“

Das erste Unentschieden nach zuvor vier Siegen hatte sich gerade für die Frankfurter wie ein weiterer Sieg angefühlt. „Das war einfach ein geiles Spiel“, rutschte Trainer Armin Veh heraus, als es schon auf Mitternacht ging, „es erfüllt mich schon ein wenig mit Stolz“.

Zuvor hatte der Trainer mit einem einfachen Satz das Geheimnis dieser magischen Fußballnacht verraten. Zur Pause, die Eintracht lag mit 0:2 zurück und schien vor einer höheren Niederlage zu stehen, habe er die Spieler ermutigt, weiter offensiv zu spielen. Zu Beginn seien die Spieler „nicht frech genug“ gewesen. „Da verliere ich doch lieber 0:5 als 0:2, nutze aber die Chance, die sich noch bietet“, sagte Veh. Er habe der Mannschaft vermitteln wollen, „jetzt zur Attacke zu blasen.“ Die Spieler hatten verstanden, fortan gab es kein Halten mehr.

Bilder vom Spiel gegen Borussia Dortmund

Eintracht trotzt Dortmund einen Punkt ab

Vor allem das „magische Dreieck“ um Pirmin Schwegler, Sebastian Rode und Takashi Inui trumpfte groß auf. Schwegler spielte, als habe es die üble Platzwunde aus dem Nürnberg-Spiel nie gegeben. Der Schweizer war überall, er leitete mit einer leidenschaftlichen Balleroberung den Anschlusstreffer ein, er gewann viele Zweikämpfe und rettete kurz vor Schluss auf der eigenen Torlinie mit dem Kopf. Es war sicher die beste Leistung, die er je im Eintracht-Trikot gezeigt hat. „Ein echter Kapitän, einfach sensationell“, lobte sein Trainer.

Sebastian Rode spielte fast schon gewohnt überragend. Laufstark, sicher am Ball, mit guten Pässen und gutem Zweikampfverhalten. Gemeinsam mit Schwegler bildet er aktuell wohl das beste Duo der Liga neben den Bayern-Stars Schweinsteiger und Martinez oder Kroos.

Takashi Inui spielte einmal mehr spektakulär, bereitete das 1:2 vor und erzielte das 2:2 selbst. Es war schon sein dritter Saisontreffer „Es interessiert ihn nicht, wie der Gegner heißt, gegen den er spielt“, sagt sein Trainer, „Taka war schon in der ersten Halbzeit einer der wenigen, die frech gespielt haben“.

Womöglich wird jetzt die Jagd der anderen auf die Eintracht-Rohdiamanten beginnen. Münchner Zeitungen berichten schon vom angeblichen Interesse des FC Bayern an Rode. Bruchhagen reagierte deutlich. „Wir denken über einen Verkauf nicht einmal nach“, sagt er und fragt rhetorisch: „warum sollte einer der Jungen weggehen?“

Bis zum Heimspiel am Sonntag gegen den SC Freiburg sollen sich alle vom Dortmund-Spektakel erholt haben. Bedenken hat Veh keine. „Wir wollen hübsch bescheiden bleiben“, sagt der Eintracht-Coach.

Quelle: op-online.de

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