Zufrieden, aber es gibt noch viele Zweifel

Trainer Armin Veh und sein bester Schachzug: Kapitän Pirmin Schwegler.
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Trainer Armin Veh und sein bester Schachzug: Kapitän Pirmin Schwegler.

Frankfurt (sp) - Platz drei nach 19 Spielen, drei Punkte Rückstand auf den Tabellenführer, einen Punkt auf den Zweiten - vor der Saison wäre die Frankfurter Eintracht mit dieser Zwischenbilanz wohl zufrieden gewesen.

Doch nach dem guten Saisonauftakt und der überragenden Fünf-Siege-Serie in der Mitte der Vorrunde haben sich die Ansprüche geändert. Zwei Niederlagen in den letzten vier Begegnungen haben Zweifel gesät und Nachdenklichkeit gefördert.

Wie geht es weiter bei der Eintracht im neuen Jahr? Ist der Aufstieg mit dieser Mannschaft möglich? Oder müssen neue Spieler kommen?

Seit der Niederlage auf St. Pauli wird heftig diskutiert über die Qualität der Mannschaft, extern wie intern. Die Horror-Rückrunde aus der letzten Saison mit dem Bundesligaabstieg wirkt nach, das Vertrauen in die handelnden Personen auf dem Platz und abseits des Platzes ist relativ gering. Trainer Armin Veh macht nicht das Abschneiden der eigenen Mannschaft Sorgen, sondern die Konstanz der Konkurrenz. Gerade deshalb ist Veh überzeugt, dass Verstärkungen nötig sind, um den letzten Schub zu bringen. Nach knapp sieben Monaten Frankfurt weiß er, was er im letzten Sommer noch nicht gewusst hat.

„Wir hatten im Sommer keine Mannschaft, höchstens ein paar Spieler“

Denn im Grunde hatten ihn Sportdirektor Bruno Hübner und Bruchhagen unter falschen Voraussetzungen nach Frankfurt gelockt. Von einer funktionierenden Mannschaft war die Rede, von vielen guten Spielern, vom höchsten Etat der Liga. Doch das schöne Aufgebot war nur schöner Schein ohne wirkliche Substanz. „Wir hatten im Sommer keine Mannschaft, höchstens ein paar Spieler“, sagt Veh in der Rückschau.

Veh und Hübner mussten eine neue Mannschaft aufbauen, ein neues Spielsystem kreiieren und neue Strukturen schaffen. Auch eine neue Hackordnung musste sich herausbilden. All das wurde begleitet durch allerlei Querelen. Das peinliche Hin und Her um die Abfindung des ehemaligen Kapitäns Ioannis Amanatidis hat wochenlang die Schlagzeilen beherrscht, die Eintracht Image und mehr als zwei Millionen Euro gekostet. Um jeden einzelnen neuen Spieler mussten Trainer und Sportchef mit Aufsichtsrat und Vorstand wegen der finanziellen Schwierigkeiten feilschen.

Die erste einschneidende Maßnahme des Trainers war die strikte Weigerung, nach Ochs und Russ auch noch Pirmin Schwegler zu verkaufen. „Er ist unverzichtbar und deshalb unverkäuflich“, sagte Veh und machte den jungen Schweizer zum neuen Kapitän. Das war einer der besten Schachzüge des neuen Trainers. Schwegler ist nicht nur ein ausgezeichneter Fußballer und entwickelt sich von Woche zu Woche mehr zu einer Persönlichkeit, er identifiziert sich auch zu 100 Prozent mit dem Verein und mit seiner Rolle in diesem Verein.

Problem der Eintracht

Das Problem der Eintracht: Neben Schwegler gibt es nur wenige, zu wenige Führungsspieler. Oka Nikolov ist sicher einer, aber vom Naturell her zu ruhig. Mo Idrissou will einer sein, dann hört es schon auf. An den großen Schwierigkeiten gemessen hat sich die Eintracht eine gute Ausgangsposition erarbeitet. „Das war nicht zu erwarten, obwohl es alle erwartet haben“, sagt Veh.

Die neue Mannschaft funktioniert besser als erwartet. Nachdenklich stimmt aber, dass die Leistungen im Laufe der Vorrunde nicht besser, sondern nach und nach schwächer geworden sind. Zum Schluss war der Substanzverlust deutlich. Die Leichtigkeit des Spiels ist verloren gegangen, auch das manchmal heftig strapazierte Glück hatte die Mannschaft ein wenig verlassen. Zudem werden in der 2. Liga gute Leistungen nicht immer belohnt, so wie schlechte auch nicht immer bestraft werden. Beim 1:2 in München war die Eintracht deutlich besser als beim 2:1 in Aue. Gegen Fürth (0:0) hätte sie eigentlich verlieren müssen, aber gegen St. Pauli (0:2) hätte sie gewinnen müssen.

Quelle: op-online.de

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