Fußball-WM

Megan Rapinoe führt USA zum vierten WM-Titel

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Angeführt von Spielführerin Megan Rapinoe haben die Fußballerinnen aus den USA zum vierten Mal die Weltmeisterschaft gewonnen.

Die märchenhaften WM-Geschichte der USA mit dem schwer erkämpften 2:0-Sieg im Finale gegen die Niederlande hat ein Happyend: Megan Rapinoe und Rose Lavelle zwingen den Europameister in die Knie.

Als die spontanen Umarmungen getätigt und der ersehnte Goldpokal übergeben war, hat sich Megan Rapinoe mit den Mitspielerinnen einfach mal fallen lassen. Für einen Moment streckten die umjubelten Heldinnen der US-amerikanischen Nationalmannschaft hinter dem Podium der Siegerehrung Arme und Beine aus – und badeten rücklings in den Konfettischnipseln, die zuvor zu Donnerschlägen und Feuerwerk auf den Rasen des Stade de Lyon herabgeregnet waren. Die Mission war erfüllt: Mit einem 2:0 (0:0)-Erfolg in einem spannenden, aber nicht hochklassigen WM-Finale gegen die Niederlande hat die Führungsmacht im Frauenfußball den Titel nach 1991, 1999 und 2015 gewonnen.

Viele Stars gingen mit feuchten Augen auf die Ehrenrunde. Megan Rapinoe, die sich mit ihrem sechsten Turniertor zur Torschützenkönigin der WM 2019 aufschwang, schien fast sprachlos: „Ich glaube nicht, dass ich das in Worte fassen kann. Es ist surreal.“ Die Vorkämpferin hatte am Vortag bekräftigt, dass sie einer Einladung ins Weiße Haus nicht folgen werde; und weil das Team sich sehr nahe sei, würden auch die Mitspielerinnen nicht dem US-Präsident Donald Trump die Hände schütteln.

„Equal pay, equal pay“: Megan Rapinoes Botschaften waren angekommen

Spätestens zur Übergabe der Trophäe durch den ausgebuhten Fifa-Präsidenten Gianni Infantino war klar, dass ihre vielen übergreifenden Botschaften im Kampf um mehr Anerkennung, Wertschätzung und Respekt angekommen waren. „Equal pay, equal pay“ (gleiche Bezahlung) brüllten im Stakkato weit mehr als 25.000 amerikanische Fans, die zwar einerseits die Fußballerinnen feierten, die sich das Sternenbanner ums Nationaltrikot gewickelt hatten, andererseits dem obersten Dienstherren des Weltverbandes auf den Weg gaben, die ungleiche Entlohnung zwischen Frauen und Männern zu beenden. 

Bilder, die US-Präsident Donald Trump kaum gefallen dürften: Die Torschützin zum 1:0, Megan Rapinoe, lässt sich feiern.

Die wegen ihrer Dopingkontrolle verspätet zur Pressekonferenz erschienene Rapinoe nahm sogleich Stellung zu dieser Botschaft von den Rängen: „Ich denke, wir können alle noch mehr tun, damit es in unserem Sport weitergeht. Es ist an der Zeit, dass die nächsten Schritte eingeleitet werden.“ Als die 34-Jährige am Podium mehrfach die Arme ausbreitete, war endgültig klar, dass dieses Turnier ganz in ihrem Sinne gelaufen war, auch wenn ihr beim ersten Spiel, dem 13:0 gegen Thailand in Reims nahe der berühmten Kathedrale noch die Anspannung in ein aschfahles Gesicht geschrieben schien. Nun aber leuchtete die Aktivistin vom linken Flügel in Lyon: „Unser Team ist gerade mittendrin, die Welt um sich herum zu verändern. Das ist ein großartiges Gefühl.“ Sie selbst war in der Heimat nie beliebter.

USA - Niederlande: WM-Finale kein fußballerisches Glanzstück

Gerade in der Soccer-Nation sind Alex Morgan und Co. ja auch das starke Geschlecht: Idole, die für erfolgreichen und schönen Fußball stehen, auch wenn das Endspiel – anders als vor vier Jahren beim 5:2 gegen Japan in Vancouver – nicht als fußballerisches Glanzstück in Erinnerung bleiben wird. Neben der überragenden Athletik sticht die enorme Mentalität heraus. „Sie sind eine erstaunliche Gruppe von Spielerinnen und eine noch bessere Gruppe von Menschen“, lobte die britische Trainerin Jill Ellis. Die 52-Jährige stellte die überragende Bedeutung von Rapinoe heraus: „Umso mehr Druck sie hatte, desto besser hat sie gespielt. Sie ist dafür gemacht.“ 

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Die gebürtige Britin sorgte später für den Lacher im Auditorium, als tatsächlich ihre Mutter auf dem Telefon durchklingelte. „Mama muss Verständnis haben, dass ich nicht rangehen kann“, sagte die selig lächelnde Fußballlehrerin, die ein Ensemble anleitet, das den Frauenfußball so überragt wie die vier Türme der Basilika Notre-Dame de Fourvière auf dem gleichnamigen Hügel unweit des amerikanischen Teamhotels die drittgrößte Metropole Frankreichs.

In dem anfangs zähen Abnutzungskampf gegen den körperbetont spielenden Europameister fiel die Entscheidung erst in der zweiten Halbzeit, als die niederländische Abwehrspielerin Anouk Dekker mit einem gestreckten Bein gegen Morgan zu Werke ging, so dass Schiedsrichterin Stephanie Frappart (Frankreich) nach Intervention des Videoassistenten auf den Elfmeterpunkt zeigte. Rapinoe verwandelte sicher (61.). Kurz darauf brachte ein beherztes Solo von Rose Lavelle die Entscheidung (69.). 

Dass die „Oranje Leeuwinnen“ am Ende nicht arg unter die Räder kamen, war ihrer herausragenden Torhüterin Sari van Veenendaal zu verdanken. Aber letztlich konnte auch der angereiste König der Niederlande, Willem-Alexander, nur zusehen, wie die USA auch den letzten europäischen Gegner auf die Bretter schickten. „Dass wir so lange oben stehen“, erklärte Rapinoe, sei dem Leitmotiv „play hard, work hard“ zu verdanken. Die Basis bilden fast zwei Millionen Mädchen im amerikanischen Soccer-Betrieb. „Wenn wir Titel gewinnen, sind wir deren Vorbilder und schaffen es, dass wieder neue Spielerinnen nachkommen.“ Wenn dieser Kreislauf weiter so gut funktioniert, dann wird es für andere Nationen schwierig, die amerikanische Vormachtstellung zu brechen.

Frank Hellmann

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