Der gebürtige Offenbacher Enrique Peña Zauner will über Sandhausen ganz nach oben

Von der Rosenhöhe in die Bundesliga

Auf dem Weg in die 1. Liga? Der gebürtige Offenbacher Enrique Peña Zauner (links, im Test gegen Eintracht Frankfurt) spielte vergangene Saison fünfmal für den SV Sandhausen in der 2. Liga. Das hat Lust auf mehr gemacht.
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Auf dem Weg in die 1. Liga? Der gebürtige Offenbacher Enrique Peña Zauner (links, im Test gegen Eintracht Frankfurt) spielte vergangene Saison fünfmal für den SV Sandhausen in der 2. Liga. Das hat Lust auf mehr gemacht.

Er ist in Offenbach geboren und will hoch hinaus: Enrique Peña Zauner war bereits deutscher Fußball-Meister - mit der U19 von Borussia Dortmund. Im Herren-Bereich will der 20-Jährige nun über den SV Sandhausen den Sprung nach ganz oben schaffen.

Offenbach – Die Menge lässt sich an einer Hand abzählen, ohne dafür alle Finger zu benötigen: Nur drei gebürtige Offenbacher stehen diese Saison in der 2. Fußball-Bundesliga unter Vertrag. Enrique Peña Zauner ist einer von ihnen. Der 20-Jährige geht in seine zweite Spielzeit. In seiner Premieren-Saison bei den Profis hatte er sich gleich in die Torschützenliste eingetragen, erzielte beim 1:5 (0:4) gegen den VfB Stuttgart nur vier Minuten nach seiner Einwechslung den Ehrentreffer für den SV Sandhausen. 2020/21 will er nun richtig angreifen.

„Mein Ziel ist es, mir erst mal beim SV Sandhausen einen Stammplatz zu erarbeiten“, sagt der 20-Jährige, der an den ersten beiden Spieltagen der vergangenen Saison jeweils kurz vor Schluss eingewechselt wurde, dann lange keine Rolle spielte, ehe er es nach der Corona-Pause noch auf drei weitere Einsätze brachte. Insgesamt stand er in der Liga 101 Minuten auf dem Platz. Zufrieden ist er damit nicht. „Ich will natürlich mehr und das ist auch möglich. Mein Ziel ist es, in die 1. Liga zu kommen. Wenn ich meine Leistung bringe, wird das auch klappen“, gibt er sich zuversichtlich. In den ersten vier Pflichtspielen der aktuellen Saison stand Peña Zauner zwar im Kader, kam aber nicht zum Einsatz.

Ganz oben gespielt hat er schon mal bei Borussia Dortmund - in der U19. Zweimal zog er mit dem BVB in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft ein. 2017/2018 war im Halbfinale Endstation. Ein Jahr später warf der BVB in der Runde der letzten vier Erzrivale Schalke 04 raus und besiegte im Finale den VfB Stuttgart 5:3: „Das war für mich einer der größten Erfolge“, sagt Peña Zauner, der daran großen Anteil hatte. Gegen Schalke traf er per Freistoß in den Winkel, im Endspiel ragte er mit einem Tor und einer Vorlage heraus. Der Sprung zu Dortmunds Profis blieb ihm aber versagt.

Zwar gab es auch Angebote von ausländischen Erstligisten, das war für ihn jedoch kein Thema. „Ich war mir unsicher, ob das für die erste Station als Profi der richtige Schritt ist. Letztlich wollte ich nicht weit weg“, erklärt Peña Zauner. „Sandhausen ist ja nicht weit weg von Offenbach, wo meine Familie und meine Freunde sind. Offenbach ist mein Zuhause. Im Endeffekt dreht sich bei mir das gesamte Leben um Offenbach.“ Hier wurde er geboren, hier ging es bis zum 17. Lebensjahr zur Schule und hier begann er mit dem Fußballspielen - bei der SG Rosenhöhe. „Das war um die Ecke, dort habe ich als Bambini angefangen. Es lief so gut, dass direkt Angebote von Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach kamen. Ich habe mich für die Eintracht entschieden und meine Kindheit früh dem Fußball gewidmet“, berichtet der Offensivspieler. Mit 17 wolle er dann „den nächsten Schritt machen und bei einer der besten deutschen Mannschaften spielen, auch um mich persönlich weiterzuentwickeln.“

Dafür nahm er in Kauf, das erste Mal weg von zu Hause zu sein. Doch schon damals galt, was nun auch in Sandhausen gilt: „Sobald ich eine freie Minute habe, verbringe ich sie in Offenbach.“ Bei der Familie oder bei den Freunden. Freunde wie Robin Weber oder Jonas Dapp. Die drei kennen sich seit der 5. Klasse, haben den Kontakt nie verloren. Dass die fußballerischen Karrieren total unterschiedlich verliefen, tat der Freundschaft keinen Abbruch. „Wir sind sieben, acht Leute in unserer WhatsApp-Gruppe. Alle haben Enrique nach seinem ersten Tor in der 2. Liga gratuliert“, berichtet Weber, der wie Dapp früher in der Schule und der Freizeit mit Peña Zauner Fußball spielte. „Bei ihm war früh klar, dass er Bock darauf hat, Profi zu werden. Technisch war er auf jeden Fall besser und enorm ehrgeizig. Mit ihm zum Spaß zu spielen, war schwierig. Er war immer hochmotiviert, aber nie unfair“, erinnert sich Dapp. Weber ergänzt: „Er war immer ein besserer Fußballer. Pfeilschnell, kann mit links und rechts schießen, hat eine gute Technik und ist im positiven Sinn aggressiv: ein kompletter Offensivspieler. Seine Entwicklung hat mich nicht überrascht.“

Während Weber (SG Rosenhöhe, Gruppenliga) und Dapp (1.FC Germania Ober-Roden, Verbandsliga) auf oberem Amateurniveau spielen, verdient Peña Zauner als Profi sein Geld mit Fußball. „Das merkt man ihm aber nicht an“, sagt Dapp. Weber bestätigt das: „Er ist zu 100 Prozent auf dem Boden geblieben.“

Hohe Ziele setzt sich Peña Zauner dennoch, träumt zum Beispiel von einer Karriere in der Nationalelf - für Venezuela, der Heimat seines Vaters. Für die U20 spielte er bereits bei der Südamerika-Meisterschaft - auch gegen Brasilien mit Real Madrids Toptalent Rodrygo (Marktwert: 45 Millionen Euro). „Mein Ziel ist es, in die A-Nationalmannschaft zu kommen und dort zu spielen. Ich bin stolz, mein Land zu repräsentieren“, sagt der Offenbacher mit venezolanischem Blut in den Adern. (Von Christian Düncher)

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