Größter Erfolg in der Geschichte von Kickers Offenbach

50 Jahre OFC-Pokalsieg: Eine Stadt steht Kopf

Prima Stimmung sonntags nach dem Finale auf Offenbachs Straßen. Von links: Interimstrainer Kurt Schreiner, Trainer Alfred „Aki“ Schmidt, Kapitän Egon Schmitt.
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Prima Stimmung sonntags nach dem Finale auf Offenbachs Straßen. Von links: Interimstrainer Kurt Schreiner, Trainer Alfred „Aki“ Schmidt, Kapitän Egon Schmitt.

Bis zu 150 000 Fans feierten 1970 die Pokalsieger von Kickers Offenbach bei ihrer Rückkehr. Und der Bürgermeister kündigte an: „Jetzt wird einer draufgemacht!“

Offenbach – Unter den 50000 Zuschauern in Hannover waren etwa 5000 Offenbacher und 10000 Kölner. Unserer Zeitung zufolge waren die neutralen Fans zunächst auf Seite des großen Favoriten mit den Stars um Wolfgang Overath, schwenkten im Lauf des Spiels aber zum starken und letztlich auch erfolgreichen Außenseiter um. OFC-Verteidiger Hansi Reich freute sich dann inmitten der jubelnden Fans auf dem Weg in die Kabine schon mal „auf den Europacup“.

Lange Partynacht: „Bei Gemaa Tempelsee ging die Post ab“

„Ich bin dann einfach zu den Jungs in die Kabine, was damals überhaupt kein Problem war, Ich wollte Stimmen von den Spielern sammeln und war doch sehr erstaunt“, berichtet Erich Müller, der spätere Sportchef unserer Zeitung. Erstaunt, weil es bei den Kickers weder Sekt noch Bier gab. „Da war nix drin in der Kabine, da wohl keiner mit einem Sieg gerechnet hat. Die mussten erst mal was organisieren“, erzählt Müller. Zwei Flaschen Sekt, in den DFB-Pokal gefüllt, mussten dann reichen, um den ersten Durst der Überraschungssieger zu stillen. Während die Spieler beider Klubs abends noch zum offiziellen Bankett erschienen (Artikel rechts), fuhr Müller im Auto von Gerd Werkmann mit drei weiteren Freunden zurück in die Heimat. „Wir wollten dahin, wo die Leute in Offenbach feiern. Auf dem Sportplatz von Gemaa Tempelsee unterhalb des Bieberer Bergs war alles voll, da ging richtig die Post ab – und wir waren mittendrin“, erinnert Müller an die lange Partynacht.

Ein „unglaublicher Triumphzug“

Am Sonntag fuhren die OFC-Spieler in Cabrios vom Rhein-Main-Flughafen mit dem DFB-Pokal durch die Stadt, frenetisch begrüßt von ihren Fans. Der 85 Jahre alte Müller tingelte zwischen Redaktion („Über das Spiel mussten wir ja auch noch schreiben“) und Straßenfeier, er spricht von einem „unglaublichen Triumphzug“. Im Buch zum 100-jährigen Bestehen der Kickers schrieb Andy Lampert, dass „die Stadt Kopf stand“. Zwischen 50000 und 150000 Menschen waren seinen Angaben zufolge „zum Spalier bereit“. Auf der Sprendlinger Landstraße, am Bahnhof und auf der Kaiserstraße war kaum ein Durchkommen.

Offenbachs damaliger Oberbürgermeister Georg Dietrich fand die passenden Worte: „Wir Offenbacher können ohne die Kickers nicht leben. Wer von Offenbach spricht, denkt auch an Lederwaren, aber in der Hauptsache an die Kickers. Jetzt wird einer draufgemacht!“ Der Auftakt der zweiten langen Pokalsiegernacht in Offenbach. Mit deutlich mehr Getränken als am Tag zuvor in der OFC-Kabine in Hannover. (Von Holger Appel)

Im Gespräch mit der Offenbach Post erinnert sich der Torwart von damals, Karl-Heinz Volz, an seine Parade und einen legendären Abend.

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