Nach ernüchterndem 0:2 in Mainz

Ineffizient und inkonsequent: Für den OFC folgt jetzt Woche der Wahrheit

Offenbachs beste Chance in Halbzeit eins: Serkan Firat (links) köpft völlig freistehend ans Außennetz.
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Offenbachs beste Chance in Halbzeit eins: Serkan Firat (links) köpft völlig freistehend ans Außennetz.

Der OFC liefert beim 0:2 in Mainz eine Vorstellung ab, die sprachlos macht. Jetzt stehen die Offenbacher Kickers vor einer Woche der Wahrheit.

Mainz – Es schien alles angerichtet für ein Festspiel der Offenbacher Kickers am Mainzer Bruchweg: Drei Spiele ohne Niederlage und Gegentor, gut gelaunte und sangesfreudige 800 Fans bei tollem Spätsommerwetter im Gastspiel beim FSV Mainz 05 II. Und was passiert? Der OFC liefert beim 0:2 (0:1) eine Vorstellung ab, die sprachlos macht.

„Mir tut es leid für die vielen Fans“, sagte Präsident Joachim Wagner und schüttelte den Kopf. Statt einen Gegner, der lediglich 16 Akteure im Spieltagskader zur Verfügung hatte und zuvor zweimal in Folge verloren hatte (1:7 Tore), in der Tabelle hinter sich zu lassen, müssen die Kickers nun selbst fürchten, im Mittelmaß zu versinken. Der OFC steht vor einer Woche der Wahrheit. Die nächsten Spiele am Dienstag (19 Uhr) gegen den TSV Schott Mainz und Samstag (14 Uhr) beim FK Pirmasens werden zu Wegmarken für den Saisonverlauf.

OFC gegen Mainz: „Fehlt an Effizienz und Konsequenz“

„Es fehlt an der Effizienz und der Konsequenz in allen Bereichen“, analysierte Trainer Sreto Ristic. Eine alarmierende Aussage, die in der Sache aber richtig ist. Bei beiden Gegentoren agierten die Offenbacher naiv bis grob fahrlässig. Vor dem 0:1 (9.) ließ sich Denis Huseinbasic an der Außenlinie den scheinbar geklärten Ball abluchsen, Felix Könighaus durfte danach aus kurzer Distanz einschieben. Beim 0:2 verlor Youngster Vincent Moreno Giesel in der Vorwärtsbewegung den Ball. In der Mitte verteidigten Deniz, Zieleniecki und Chana nicht konsequent genug gegen Leon Petö, der cool ins rechte Eck einschob (74.).

Nicht entschlossen genug in der Defensive, zu kompliziert in der Offensive: So machte sich der OFC in Mainz das Leben extrem schwer. Chancen zur Wende gab es zwar, sie wurden aber kläglich vergeben. Serkan Firat (32.) köpfte nach Flanke von Rafael Garcia völlig freistehend ans Außennetz. Elia Soriano (58.) versuchte es artistisch, statt mit dem Kopf die Kugel aufs Tor zu bringen. Und dann die dickste Chance in Durchgang zwei: Der Ex-Mainzer Lucas Hermes, für Firat zur Pause gekommen, schoss in der 73. Minute freistehend mit links drüber. „Leider habe ich den Ball falsch getroffen“, ärgerte sich der 21-Jährige, der entsprechend bedient war. „Die Niederlage tut weh, wir hatten uns so viel vorgenommen.“

Kickers Offenbach: Viererkette zu weit in der eigenen Defensive

Doch davon war über weite Strecken viel zu wenig zu sehen. Die Überzeugung fehlte über weite Strecken, dazu gesellten sich taktische und läuferische Defizite. Die Viererkette stand meist starr auf einer Linie und oft zu weit in der eigenen Defensive. Die entstandenen Räume im Mittelfeld nutzten die wieselflinken Mainzer immer wieder. In der Offensive hatte Rafael Garcia noch die besten Aktionen. Elia Soriano dagegen agierte in seiner Rolle als offensiver Mittelfeldspieler unglücklich, Spielmacher Tunay Deniz ist nur noch ein Schatten der vergangenen Saison. Und Dejan Bozic, mit fünf Toren bester Schütze des OFC, wurde viel zu selten in Szene gesetzt. Was auch daran liegt, dass die Kickers zu wenig Tempo und Präzision in ihre Offensivaktionen bekommen. Und die große Stärke des ersten Halbjahres 2021, die Standards, ist zur stumpfen Waffe geworden.

„Wir müssen viel arbeiten“, sagt Trainer Sreto Ristic. Auch er selbst wird sich hinterfragen müssen. Vom Spirit des ersten Halbjahres, in dem Ristic die Kickers zu 60 Punkten in 27 Regionalliga-Spielen trieb, ist wenig übrig geblieben.

OFC-Trainer verteidigt seinen Kader

Der Trainer selbst ist auch ein Suchender, weniger taktisch, weil er von seiner Idee der Spielkontrolle nicht abrücken mag. Vor allem aber personell. In Mainz brachte er Moody Chana für den angeschlagenen Malte Karbstein und überraschend den 19-jährigen Vincent Moreno Giesel hinten rechts für den gesperrten Maik Vetter. „Ich belohne Trainingsleistung“, erklärte Ristic, weshalb er den Ex-Mainzer Jayson Breitenbach draußen ließ. Nach der Pause wechselte Ristic fünfmal. Hinten links saß der etatmäßige Linksverteidiger Ronny Marcos zunächst auf der Bank. Nach der Pause kam er für Tuma. Am Ende der Partie hatte er seine beiden Außenbahnen nach den Einwechslungen von Elsamed Ramaj (links offensiv) und Breitenbach (rechts defensiv) komplett neu aufgestellt und auch im Angriff mit dem zum Joker degradierten Mathias Fetsch seine letzte Option gezogen. Es änderte alles nichts.

Seinen vor der Saison mit elf Zugängen neu zusammengestellten Kader verteidigt Ristic dennoch. „Wir sind qualitativ besser besetzt“, sagt er. Auf dem Platz gezeigt haben das die Kickers aber bislang viel zu selten. In Mainz jedenfalls gar nicht. (Jörg Moll)

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