Einigung mit Ruhl spaltet Gemüter

Entlastung fürs Präsidium folgt Antrag des Misstrauens

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Ruhl verfolgte die Diskussionen um seine Person stoisch.

Offenbach – Wie tief die Insolvenz 2013 und die abgewendete Insolvenz 2016 noch immer in den Köpfen der Mitglieder der Offenbacher Kickers stecken, wurde bei der Hauptversammlung des Fußball-Viertligisten erneut deutlich. Von Jörg Moll

Kaum hatten die 253 Mitglieder Präsidium und Verwaltungsrat entlastet, offenbarten Redebeiträge das Gegenteil. Ein am Abend spontan formulierter Antrag eines Mitglieds, inhaltlich eher missverständlich, sorgte für kurzzeitige Verwirrung auf dem Podium. Er stellte nicht nur das zuvor ausgesprochene Vertrauen in Frage. Er brachte vor allem eine Diskussion aufs Tapet, die Fans in vielen Klubs antreibt: Sollte die repräsentative Demokratie durch Basisdemokratie ersetzt werden?

Das OFC-Mitglied hatte sinngemäß gefordert, dass bei Ausübung der mit Ex-Präsident und Gläubiger Dr. Frank Ruhl vereinbarten Rückkaufoption seines GmbH-Anteils vor einer Weiterveräußerung zunächst die Mitglieder zu befragen seien.

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Der Antragsteller hatte den neuen Anteilseigner der Profi GmbH „als Mühlstein des OFC“ bezeichnet. Ruhl verfolgte die Diskussionen stoisch. Am Tag danach wurde er deutlich. „Da hätte das Echo sitzen müssen“, meinte er und monierte die ausgebliebene politische Botschaft durch das Präsidium. „Ich habe nie vor, jemanden über den Tisch zu ziehen“, betonte er. OFC-Verhandlungsführer Daniel Simon bestätigte dies und meint stattdessen: „Ich bin überzeugt, dass uns Herr Ruhl guttun wird.“

Doch die Emotionen, die selbst den Schatzmeister packten („Lasst uns endlich nach vorne schauen!“), zeigten, wie komplex die Aufarbeitung ist. So sehr sich Simon („Ein Gläubiger ist nicht der natürliche Feind des OFC“) bemühte, die Einigung als „optimale Lösung“ darzustellen, bei Teilen des Anhangs blieben Vorbehalte.

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Horst Schneider, Offenbachs früherer OB und nun Verwaltungsratsvorsitzender, ist um Befriedung bemüht. „Ich werde Herrn Ruhl zu einer Sitzung des Verwaltungsrats einladen, damit er dort seine Vorstellungen erläutern kann.“ Ruhl begrüßt dies und wartet nun, wie sich der Aufsichtsrat, in dem er als zweitgrößter Eigner nach dem e.V. mit zwei Sitzen vertreten ist, neu aufstellt.

Einig ist sich Ruhl mit Schatzmeister Simon, dass Basisdemokratie nicht zielführend ist. „Man kann komplexe Verhandlungen nicht nur mit Ja und Nein beantworten“, sagt er. Simon wurde noch deutlicher. Für Basisdemokratie beim OFC stehe er nicht zur Verfügung. Das Signal am Dienstagabend dürfte ihn fürs Erste beruhigen. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit zur Zulassung des Antrags kam nicht zustande. Das Votum war auch eines für das bestehende repräsentative System mit gewählten Gremien. Doch das Vertrauen in die handelnden Personen besteht noch immer keinen Stresstest. „Mir fehlt die starke Führung“, meinte Ruhl.

Quelle: op-online.de

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