OFC

Kickers nicht in Insolvenzgefahr

+
Virtuelle Pressekonferenz mit Abstand: Kickers-Präsident Joachim Wagner (rechts) berichtete über die aktuelle Situation auf dem Bieberer Berg. Links Pressesprecher Lars Kissner.

Kickers Offenbach ist trotz der Coronakrise nicht in Insolvenzgefahr.

  • Pressekonferenz zur Situation des OFC
  • Corona-Krise setzt den Kickers schwer zu
  • OFC-Präsident sieht jedoch keine unmittelbare Gefahr 

Offenbach – Trotz aller Schwierigkeiten, die die Corona-Krise auch den Offenbacher Kickers bereitet, droht dem Fußball-Regionalligisten derzeit keine Insolvenzgefahr. Auch nicht bei einem Saisonabbruch? „Nein“, antwortete Präsident Joachim Wagner kurz und bestimmt auf die Frage bei einer außergewöhnlichen Pressekonferenz.

Gestern (Donnerstag, 26.03.2020) Mittag berichtete Wagner live im Internet über die Situation beim Tabellenachten der Regionalliga und beantwortete auch die per Whatsapp gestellten Fragen. Gleich zu Beginn verkündete Wagner eine positive Nachricht. Trotz der, so Wagner, „verrückten Zeiten“ kommt die strategische Partnerschaft der ausgegliederten Profi GmbH mit Investoren zustande. 

Corana-Krise zur Unzeit 

Zwar sei mitten in die finalen Verhandlungen mit den beiden Investorengruppen die Corona-Krise geplatzt und damit „viele Ängste geschürt worden“, berichtete Wagner, doch „umso erfreulicher für uns und den Verein, dass wir es geschafft haben, am 18. März einen Zwischenschritt zu protokollieren.“ Zunächst hat der Verein 24,5 Prozent Anteile der Profi-GmbH von Dr. Frank Ruhl für die vertraglich vereinbarten 600 000 Euro zurückgekauft. Der Ex-Präsident hat Wagner zugesichert, seine erhaltenen Zinsen, in Höhe von geschätzt 30 000 Euro, demnächst an die Nachwuchsabteilung der Kickers zu spenden. Die 24,5 Prozent GmbH-Anteile werden in zwei Tranchen an die Kickers-Freunde (die Gruppe besteht aus Präsidiumsmitgliedern und langjährigen Gönnern des Vereins) und das Kickers-Bündnis (dahinter steht der Unternehmer Jörn Stobbe) verkauft.

OFC muss wegen Corona Verträge mehrfach umschreiben

Geplant war, dass die beiden Investorengruppen jeweils 14 Prozent für jeweils 1,1 Millionen Euro kaufen. Bedingt durch die Corona-Krise mussten „die Verträge ein Dutzend Mal umgeschrieben werden“ und die „Anteile etwas verändert werden“, sagte Wagner. Das Bündnis Kickers halbiert seine Anteile zunächst einmal auf sieben Prozent, zahlt dafür 550 000 Euro und erhält das Anrecht auf 2,5 Prozent der TV-Erlöse im Falle des Aufstiegs in die 2. Liga. Die Kickers-Freunde stocken dafür ihren Anteil auf 17,5 Prozent für 1,375 Millionen Euro auf. Für den OFC sind das insgesamt zwar nicht die zunächst erwarteten 2,2 Millionen Euro, aber immer noch 1,925 Millionen. Wagner bedankte sich ausdrücklich bei allen Beteiligten, „dass sie zu ihrem Wort gestanden haben, das ist außergewöhnlich in diesen Zeiten.“

Kickers ohne Einnahmen bis mindestens Ende April 

Zeiten, die das Überleben für alle Regionalligisten schwer machen. Die Kickers hatten seit dem 1. Dezember ein einziges Heimspiel, am 22. Februar gegen den Bahlinger SC. Die Regionalliga pausiert mindestens bis 30. April, so lange - und wahrscheinlich noch länger - gibt es auch keine Einnahme. Die Kickers-Verantwortlichen haben alle Möglichkeiten für Förderungen und Bürgschaften geprüft. „Wir werden nichts bekommen. Das ist eine sehr unbefriedigende Situation“, sagte Wagner. Einzige Möglichkeit, Kosten zu minimieren, wird sein, Kurzarbeit zu beantragen. „Wir sind in Gesprächen mit den Mitarbeitern“, deutete Wagner an, dass der OFC wie so viele Firmen diesen Weg beschreiten wird.

Wann und wie es in der Regionalliga weitergeht, ob mit oder ohne Zuschauer, weiß derzeit niemand. „Dieses Vakuum ist das Schwierigste, was uns passieren kann.“ Der OFC „will weiterspielen, auch mit Geisterspielen ohne Zuschauer“, sagte Wagner. Für mögliche Geisterspiele haben die Fans bei der Aktion „Volle Hütte“ schon fast 2800 Tickets gekauft und insgesamt über 40 000 Euro bezahlt. Jetzt hofft Wagner, dass mehr Geistertickets als Dauerkarten (3500) verkauft werden.

Corona-Krise lässt Planungen stocken

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen für die U19-Bundesligamannschaft der Kickers, die derzeit den ersten Abstiegsplatz belegt. Sollte die Saison abgebrochen werden, müsste die OFC-Jugend wohl absteigen.

Für den OFC sind aber auch die Planungen für die neue Saison komplett auf Eis gelegt. Dabei war man schon „relativ weit fortgeschritten“, hatte den Etat vor der Krise freigegeben und schon viele Gespräche mit möglichen Neuzugängen geführt. „Aber jetzt ist es fast eine Unmöglichkeit, etwas zu planen.“ Einnahmen durch Zuschauer und Sponsoren, „alles ist mit lauter Fragezeichen versehen und nicht seriös zu berechnen“, so Wagner.

Hilfe von außen ist nicht zu erwarten. In der Regionalliga wird kein Fernsehgeld gezahlt, und die Regionalliga selbst ist zwar „bemüht, aber nicht in der Lage, uns finanziell zu unterstützen.“ Die Liquidität wird zum großen Problem, und den einen oder anderen Verein in Existenznot bringen. „Ob alle durchkommen, hängt davon ab, wie die Saison weitergeht und wann und wie die neue beginnt“, sagt Wagner, der sogar ein „Massensterben von Regionalligisten“ für möglich hält: „Ich wünsche mir natürlich, dass es dazu nicht kommt.“

Vorläufig kein Gang zum Amtsgericht

Zumindest für seinen Club kann der OFC-Präsident Entwarnung geben. „Wir sind nicht auf Rosen gebettet, aber wir müssen nicht die nächsten drei, vier Wochen zum Amtsgericht und Insolvenz anmelden.“ Doch wie lange die Kickers noch ohne Einnahmen existieren können, wollte und konnte Wagner nicht sagen. „Es macht keinen Sinn, über Monate zu spekulieren. Wir werden alles dafür tun, dass es weitergehen wird. Das Wichtigste ist jetzt aber, gesund und optimistisch zu bleiben.“

VON JOCHEN KOCH

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare