OFC ist noch kein Topteam

Kickers Offenbach auf gutem Weg, aber die „Drecksack-Mentalität“ fehlt noch

Nicht clever genug: Offenbachs Ronny Marcos (Dritter von rechts) will Serhat Ilhan (schwarzes Trikot) den Ball entreißen. Der Steinbacher lässt sich daraufhin fallen - und Schiedsrichter Dr. Robert Kampka zeigt Marcos Rot.
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Nicht clever genug: Offenbachs Ronny Marcos (Dritter von rechts) will Serhat Ilhan (schwarzes Trikot) den Ball entreißen. Der Steinbacher lässt sich daraufhin fallen - und Schiedsrichter Dr. Robert Kampka zeigt Marcos Rot.

Kickers Offenbach ist in der Fußball-Regionalliga Südwest auch nach dem Spitzenspiel gegen Tabellenführer TSV Steinbach Haiger ungeschlagen, aber trotzdem noch kein Topteam. Was fehlt dem OFC noch dazu? Eine Analyse.

  • Kickers Offenbach ist in der jungen Saison ungeschlagen.
  • Ein Topteam ist der OFC jedoch nicht.
  • Es sind Kleinigkeiten, die den Kickers bisher noch fehlen.

Offenbach – Der erste echte Härtetest der noch jungen Saison hat die Verantwortlichen des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach in ihrer Auffassung bestätigt: Der OFC ist noch kein Spitzenteam, befindet sich aber auf einem guten Weg, eines zu werden. „Wir waren gegen das Team der Stunde nicht chancenlos“, resümierte Geschäftsführer Thomas Sobotzik nach dem 1:1 (1:0) im Topspiel gegen Spitzenreiter TSV Steinbach Haiger. „Die sind sehr stabil, noch etwas stabiler als wir“, urteilte der Ex-Profi. „Wir sind manchmal noch labil.“

OFC-Trainer Barletta: „Ein Spitzenteam haut den Gegner um“

Zu sehen war das in der Phase kurz nach der Pause, als der in der ersten Hälfte klar überlegene OFC schläfrig wirkte, das 1:1 kassierte und danach wackelte. Torhüter Stephan Flauder war es zu verdanken, dass nicht sogar direkt das 1:2 fiel. „Auch Bayern München schafft es nicht immer, über 90 Minuten zu dominieren. Aber sie überstehen zumeist kurze Schwächephasen“, sagte OFC-Coach Angelo Barletta, betonte jedoch zugleich: „Nach einem Gegentor kann man schon mal wanken, das tat Steinbach nach unserem Treffer zum 1:0 auch. Es hätte zur Pause 2:0 für uns stehen können.“

Dass dies nicht der Fall war, zeigt ebenfalls auf, was den Kickers noch fehlt. „Wir haben eine sehr gute erste Hälfte gespielt und viel Druck ausgeübt“, lobte Barletta, merkte aber kritisch an: „Ein Spitzenteam, das marschiert, haut den Gegner um.“

Der Kickers-Trainer ist mit der Entwicklung seines weiterhin unbesiegten Teams jedoch zufrieden. Zwar seien andere Mannschaften besser eingespielt als der OFC, der gegen Steinbach sieben Zugänge in der Startelf hatte. „Wir haben es aber in Windeseile geschafft, nicht so weit weg zu sein. Die Jungs verinnerlichen immer mehr, was ich von ihnen erwarte. Das sah nicht so aus, wie vor einem Jahr am sechsten Spieltag gegen Elversberg.“ Damals hatte der OFC nach gutem Start in die Saison das ersten Spitzenspiel gegen Elversberg 0:3 verloren. Es war der Beginn einer Krise. Diesmal sieht es anders aus. „Wir haben gesehen, dass wir viele Waffen haben, um Steinbach wehzutun. Das stimmt mich zuversichtlich“, so Barletta.

Kickers Offenbach: Rote Karte unberechtigt und unnötig

Es sind Kleinigkeiten, die den Kickers fehlen. Zum Beispiel Cleverness, wie Trainer und Geschäftsführer übereinstimmend sagen. Das zeigte sich auch in der Szene, die zur Roten Karte für Ronny Marcos führte (74.). Sobotzik („Ich habe es mir 100 Mal angesehen, da war nichts“) und Barletta („Ronny wurde auf seinen Stationen in Deutschland noch nie vom Platz gestellt“) sprechen zwar von einer klaren Fehlentscheidung des Unparteiischen Dr. Robert Kampka und wollen daher gegen eine Sperre vorgehen, sind aber der Meinung, dass es gar nicht so weit hätte kommen dürfen.

„Uns fehlt da etwas die Drecksack-Mentalität“, meint Sobotzik. „Ich erwarte, dass in so einer Szene bei einem Heimspiel vor 3000 Zuschauern ein Spieler des Gegners runtergeht. Wir sind da noch etwas grün hinter den Ohren, hätten dem Steinbacher nicht die Gelegenheit geben dürfen, daraus etwas zu machen. Insofern ist da noch viel zu tun.“ Barletta sieht es ähnlich: „Man muss keinen Stress suchen. Steinbachs Sören Eismann hat geschickt provoziert und die Szene eingeleitet. Wir lassen uns da leider hinreißen.“ (Von Christian Düncher)

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