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Siggi Held: Lieber Aufsteiger mit Kickers Offenbach als Europameister

Siggi Held von Kickers Offenbach (vorn) läuft im August 1974 Jupp Kapellmann vom FC Bayern München davon.
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Als die Bayern gegen die Offenbacher Kickers chancenlos waren. Siggi Held (vorn) läuft dem Münchner Jupp Kapellmann davon, die Offenbacher gewannen im August 1974 mit 6:0.

Seit genau 50 Jahren läuft die Auswahl zum „Tor des Monats“ in der ARD. Auch vier Profis von Kickers Offenbach haben die begehrte Trophäe gewonnen.

Offenbach – Siggi Held erzielte sein „Tor des Jahres“ im Bundesligaspiel im März 1976 beim 2:2 gegen den FC Bayern München. Er absolvierte zwischen 1963 und 1965 und dann von 1971 bis 1977 insgesamt 293 Pflichtspiele für die Kickers, glänzte zumeist als Vorbereiter und erzielte 63 Tore. Der ehemalige Nationalspieler Held ist Ehrenspielführer der Kickers.

Siggi Held, das 2:2 gegen die Bayern im Mai 1976 – wie haben Sie das Tor des Monats in Erinnerung?

So richtig präsent habe ich das nicht mehr, es ist halt sehr lange her. Ich glaube, das war ein Weitschuss aus mehr als 20 Metern, der einfach genau gepasst hat. Es war schon ein schönes und wichtiges Tor.

Sie waren auch im August 1974 dabei, als die Kickers die Bayern am ersten Bundesliga-Spieltag mit 6:0 überrollt haben.

Ja, daran kann ich mich besser erinnern. Das war eines dieser ganz besonderen Spiele. Gegen die Bayern gewinnt man ja nicht alle Tage deutlich. Aber die Münchner waren kaputt von der WM und dem vielen Feiern nach dem Triumph im Olympiastadion gegen die Niederlande. Das haben wir Offenbacher beim 6:0 prima genutzt.

Da waren Sie schon nicht mehr Nationalspieler. Warum?

Ich war zwar im vorläufigen WM-Aufgebot für 1974, aber dann haben Helmut Schön und Jupp Derwall auf jüngere Spieler gesetzt. Sie sind Weltmeister geworden. Ihre Personalentscheidungen waren im Nachhinein wohl nicht ganz verkehrt.

Siggi Held

Stimmt es, dass Sie zuvor auf die EM 1972 verzichtet hatten zugunsten der Kickers?

Ja, genau so war das. Die Kickers standen im Juni 1972 noch in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga, und da konnte ich doch nicht das große Ziel mit meinem Verein sausen lassen. Klar, ich hätte auch gern die EM gespielt, das hätte damals zeitlich mit Blick auf den OFC aber einfach nicht gepasst. Wir Offenbacher sind aufgestiegen, also habe auch ich alles richtig gemacht.

Kommen wir zurück zu Ihrem ersten Engagement beim OFC.

Ich kam 1963 aus Marktheidenfeld zu den Kickers, habe in Offenbach am bezahlten Fußball geschnuppert. Das war der Beginn einer doch ganz ordentlichen Karriere. Deshalb ist Kickers Offenbach bei aller Liebe für den BVB schon ein besonderer Verein für mich.

Warum sind Sie dann aber 1971 als Nationalspieler und Europacupsieger aus Dortmund zurückgekehrt zum OFC?

Dortmund hatte damals auf andere Spieler gesetzt, ich habe mich nicht gut behandelt gefühlt. Deshalb bin ich eine Liga tiefer zum OFC. Borussia Dortmund ist dann aber am Saisonende 1971/72 aus der Bundesliga ab- und ich mit den Kickers wieder aufgestiegen. Also ganz so schlecht war meine Idee nicht.

Dann haben Sie vier Jahre Bundesliga gespielt in Offenbach, sind noch immer Rekordspieler der Kickers im Oberhaus.

Das wusste ich gar nicht. Ich war zu einer günstigen Zeit da, der Blütezeit der Kickers in der Bundesliga mit Trainern wie Gyula Lorant oder Otto Rehhagel.

422 Bundesligaspiele und 72 Tore

Der 1942 im Sudetenland geborene Sigfried „Siggi“ Held kam am Ende des Zweiten Weltkrieges mit seinen Eltern in Marktheidenfeld an. 1963 wechselte er zum OFC, spielte mit Gerd Kaufhold, Oskar Lotz, Hermann Nuber und Siegfried Gast im Angriff. 1965 ging er zu Borussia Dortmund und gewann den Europacup der Pokalsieger. Von 1971 bis 1977 spielte er wieder in Offenbach, dann für Bayer Uerdingen. Held absolvierte 422 Bundesligaspiele (72 Tore) und 41 Länderspiele, unter anderem das WM-Finale 1966. Später trainierte er Schalke, Dynamo Dresden, Galatasary Istanbul und die Nationalmannschaften von Island, Malta und Thailand. app

Wie haben Sie damals gespielt?

Ich war stets offensiv ausgerichtet, habe aber auch mal Mittelstürmer oder Linksaußen gespielt. Das eine oder andere Tor habe ich gemacht, aber meistens war ich der Vorbereiter. Ja, das war eine gute und erfolgreiche Zeit in Offenbach.

Haben Sie noch Kontakt nach Offenbach und zum OFC?

Nein, ich habe nur schöne Erinnerungen.

Und jetzt, nach einigen Trainerposten, sind Sie schon seit vielen Jahren zurück in Dortmund, helfen in Fanangelegenheiten. Was passiert da?

Zurzeit ist das wegen Corona natürlich nicht möglich. Leider. Aber der BVB hat Fanclubs deutschlandweit und sie feiern normalerweise gern. Wir erhalten immer wieder Einladungen zu Jubiläen, Sommerfesten, Weihnachtsfeiern. Und da will der BVB immer Vertreter schicken. Profis und Verantwortliche haben angesichts der straffen Terminpläne keine Zeit. Deshalb helfe ich aus, erzähle aus der ruhmreichen Vergangenheit und versuche, den Bogen zum aktuellen BVB zu bekommen. Das mache ich gern.

Das heißt, Sie sind mit 78 Jahren noch gut in Form?

In diesem Alter ist man nicht mehr richtig fit, aber ich bin so weit gesund und sehne den Festtag herbei, wenn ich endlich wieder zu einem Bundesligaspiel ins Dortmunder Stadion darf.

Das Gespräch führte Holger Appel

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