Erleichterung beim OFC

Unter Interimstrainer Kessler läuft es plötzlich wieder rund

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Der frühe Befreiungsschlag: 1:0-Torschütze Francesco Lovric (vorne) dreht in der sechsten Spielminute nach seinem dritten Saisontreffer für den OFC jubelnd ab. Mit ihm freuen sich von links: Nejmeddin Daghfous, Gerrit Gohlke, Marco Schikora (verdeckt) und Kapitän Maik Vetter.

Unter Interimstrainer Steven Kessler läuft es bei Kickers Offenbach plötzlich wieder rund.

Offenbach – Jörg Briel hatte bereits vor der Partie ein gutes Gefühl und zitierte den Schriftsteller Herrmann Hesse. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagte der Vizepräsident der Offenbacher Kickers und schob voller Überzeugung hinterher, dass Steven Kessler diesen einleiten werde. Nun kann man natürlich darüber streiten, ob die Leistung beim 4:0 (4:0)-Heimsieg gegen den sieglosen Letzten TuS Rot-Weiss Koblenz zauberhaft, schlichtweg standesgemäß oder dem Niveau des Gegners geschuldet war. Auf jeden Fall aber kann es als verwunderlich bezeichnet werden, dass unter Interimstrainer Kessler plötzlich Dinge funktionieren, die unter Vorgänger Daniel Steuernagel zuletzt partout nicht hatten klappen wollen.

Plötzlich trifft der OFC vor der Pause. Plötzlich läuft der Ball sicher durch die eigenen Reihen und es wird durchaus ansehnlich nach vorne kombiniert. Plötzlich funktioniert das Flügelspiel. Und plötzlich glänzen Akteure wie Manolo Rodas (drei Torvorlagen), der unter Steuernagel zuletzt keine Rolle spielte. Dabei hatte Kessler gar nicht so viel geändert. Wie auch? „In den wenigen Tagen ging es für mich in erste Linie darum, die Jungs kennenzulernen. Dann hatte ich relativ schnell eine Idee, wie sie spielen sollten“, sagte er und betonte: „Die Jungs können Fußball spielen und sind taktisch top.“ Die Rückkehr vom 3-4-3 zum 4-4-2 gab dem Team Sicherheit. Zwei gelernte Flügelspieler besetzten die offensiven Außenpositionen – und Nejmeddin Daghfous hatte als hängende Spitze hinter Moritz Hartmann seine Freiräume. Das reichte, auch weil Koblenz ein dankbarer Gegner war.

Kickers Offenbach: Lemmer „Mit jedem Tor fiel eine Last von unseren Schultern“

Die Gäste störten anfangs zwar extrem früh und hatten bereits in der ersten Minute einen Freistoß in aussichtsreicher Position, nach dem 1:0 durch Francesco Lovric (6.), der den Ball nach einem Rodas-Freistoß über die Linie stocherte, war es jedoch ein einseitiges Spiel. „Das frühe 1:0 hat uns in die Karten gespielt“, gab Kessler zu. Hartmann sprach von einer „Befreiung“. Und Jakob Lemmer gab zu: „Mit jedem Tor fiel eine Last von unseren Schultern.“ Der OFC kombinierte nun gefällig und traf zweimal auf identische Weise. Rodas wurde links freigespielt und flankte – erst auf Hartmann (18.), dann auf Lemmer (27.).

Gästetrainer Fatih Cift reagierte bereits nach 35 Minuten und wechselte Rechtsverteidiger Giuliano Masala aus. „Nach dem 0:1, das wir nach einem plumpen Foul kassieren, hatte das bei uns mit Regionalligafußball nichts zu tun. Das zweite und dritte Tor fällt nach dem gleichen Muster“, schimpfte er. Nach dem 4:0 in der 36. Minute durch Daghfous habe er bereits „das Schlimmste befürchtet“, gab Cift zu und war erleichtert, dass der OFC nach der Pause „auf die Bremse“ trat.

Kuriose Änderung beim OFC

„Es hätte auch 6:0 ausgehen können“, so Hartmann. „Wir haben in der zweiten Hälfte ein bisschen Kräfte geschont.“ Doch wie lässt sich erklären, dass der OFC nach vier sieglosen Spielen mit nur einem Tor auf einmal wieder souverän auftritt? Am Gegner alleine lag es sicher nicht. Dessen ist sich auch Hartmann bewusst. „Pirmasens steht auch unten drin und wir hatten mit ihnen Probleme“, erinnerte er an das 0:0 vor zwei Wochen. „Wir hatten bei Ballbesitz eine gute Raumaufteilung“, bilanzierte der Stürmer: „Jeder hatte seinen Platz. Jeder wusste, was zu tun ist. Wir haben zusammen offensiv und defensiv agiert. Es war noch nicht alles perfekt. Man hat uns zudem die Spielfreude angesehen.“

Bilder zum Spiel: Kickers Offenbach empfangen die TuS RW Koblenz

Vielleicht trug auch eine kuriose Änderung, die Kessler vorgenommen hatte, ihren Teil bei. Denn die Kickers machten sich diesmal vor der West-Tribüne warm, wechselten auch bei der Ersatzbank die Seite. Aberglaube? Nur bedingt. „Der Linienrichter nervt mich, wenn er direkt vor mir steht“, scherzte der Interimstrainer, der auch bei den Heimspielen der U19 immer die linke Bank wählt. Bei den Profis zahlte sich das nun gleich aus. Zufall? Oder doch ein bisschen Zauberei?

VON CHRISTIAN DÜNCHER

Kickers Offenbach gegen Koblenz: Beim OFC steht erstmals Steven Kessler an der Seitenlinie. Gelungener Auftakt. Der Live-Ticker zum Nachlesen.

Quelle: op-online.de

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