Barletta muss außen improvisieren

OFC-Zugang Soriano können zehn Minuten reichen

Erster Startelfeinsatz auf ungewohnter Position: Jakob Lemmer (links), hier im Testspiel gegen Schott Mainz, soll gegen Alzenau die Seite hinten rechts bearbeiten. Bislang kam er zweimal als Offensiv-Joker zu Kurzeinsätzen. 
F: Hübner
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Erster Startelfeinsatz auf ungewohnter Position: Jakob Lemmer (links), hier im Testspiel gegen Schott Mainz, soll gegen Alzenau die Seite hinten rechts bearbeiten. Bislang kam er zweimal als Offensiv-Joker zu Kurzeinsätzen. F: Hübner

Kickers Offenbach gegen Bayern Alzenau - das waren in der vergangenen Saison in der Fußball-Regionalliga Südwest (2:0 für Alzenau am Bieberer Berg) und im Achtelfinale des Hessenpokals (1:0 für den OFC in Alzenau) Duelle mit höchster Brisanz. Am Freitag (19.30 Uhr) steht das nächste Aufeinandertreffen an. Am Bieberer Berg sind dieses Mal deutlich weniger emotionale Konfliktpotenziale zu erwarten.

Offenbach – „Das sind ganz andere Voraussetzungen als damals“, sagt Angelo Barletta, bis Winter 2019 noch Coach der Unterfranken und nun bei Kickers Offenbach in der Verantwortung. „Damals trug die besondere Konstellation dazu bei“, erklärte Barletta. Vor allem die vielen Ex-Offenbacher wie Daniel Endres (mittlerweile FSV Frankfurt), Dren Hodja (FC Gießen) oder Serkan Firat, der im Winter zum OFC zurückkehrte.

Sportlich interessant ist der Vergleich allemal. Schließlich steht der FC Bayern mit 13 Punkten sogar einen Zähler besser da als der hoch gehandelte OFC. „Mich wundert das nicht, sie haben ihre Punkte nicht glücklich geholt“, lobt Barletta.

Der Kickers-Trainer muss am Freitag auf den Außenbahnen improvisieren. Marco Fritscher und Maik Vetter, Kandidaten für hinten rechts, fallen verletzt aus. Ronny Marcos und Davud Tuma, Kandidaten für hinten links, sind gesperrt. Weil auch Luka Garic, der auf der linken Außenbahn ebenfalls schon erprobt ist, wegen Knieproblemen fehlt, stellt sich die Viererabwehrkette fast von selbst auf. „Stand jetzt würde ich zu Jakob Lemmer rechts und Francesco Calabrese links tendieren“, sagt Barletta. Der Ex-Alzenauer Calabrese verteidigte in den ersten sechs Spielen hinten rechts. Lemmer, beim 2:2 in Freiburg noch der Pechvogel, der erst das 3:1 ausließ und dann den Ausgleich durch ein Foul im Strafraum einleitete, hat beim Trainer dennoch gute Karten. „Insgesamt hat mir sein Auftritt in Freiburg gefallen“, redet Barletta den 20-Jährigen stark, der in dieser Saison erst auf 32 Minuten Einsatzzeit in zwei Partien kommt.

Barletta, Daueroptimist auf der OFC-Bank, nimmt den gravierenden Engpass auf den Außenbahnen gelassen. Dabei weiß auch er: Sollte er am Freitag reagieren müssen, fehlen ihm die Spezialisten für diese Positionen. Exakt 18 Spieler stehen ihm zur Verfügung. Alternativen auf der Bank sind neben Torwart Dominik Draband die Innenverteidiger Lucas Albrecht und Leonidas Tiliudis, die zentralen Mittelfeldspieler Tim Dierßen und Denis Huseinbasic, sowie die Angreifer Moritz Reinhard und Last-Minute-Zugang Elia Soriano. „Zur Not kann auch Serkan Firat links hinten verteidigen“, sagt Barletta schmunzelnd: „Ich sehe es positiv: Die Spieler können sich zeigen.“

Das könnte auch schon auf Soriano gemünzt sein. Barletta betonte zwar, dass der 31-jährige Ex-Profi (33 Zweitligaspiele für die Würzburger Kickers, 109 Drittligaeinsätze und 104 Partien in der drittklassigen Regionalliga Süd) nach einem im Februar erlittenen Kreuzbandriss langsam herangeführt werden müsse. „Aber er kann auch in zehn Minuten die Regionalliga rund machen“, ist der OFC-Coach von den Strafraumqualitäten des Angreifers überzeugt. Soriano war am letzten Transfertag als Ersatz für Pelle Hoppe (Germania Halberstadt) verpflichtet worden.

Der frühere Darmstädter hatte drei Wochen lang im Training mitgewirkt („Da haben wir auch getestet, wie belastbar er ist“) und nachhaltig Eindruck hinterlassen. Vor allem, und darauf legt Barletta ja großen Wert, im menschlichen Bereich. „Er hat sich sehr gut eingefügt, überhaupt keine Allüren“, lobt er. Auf dem Platz zeige Soriano indes seine Qualiäten: „Er ist in der Box sehr kaltschnäuzig, macht gut die Bälle fest.“

Soriano könnte also ein Mann für späte Momente gegen Alzenau werden. Am liebsten aber wäre es Barletta, wenn er darauf gar nicht angewiesen wäre. „Wir stehen in der Pflicht, dieses Spiel zu gewinnen“, betont er, wohlwissend, dass die Kickers gegen Alzenau etwas gutzumachen haben. Aber beim aus Offenbacher Sicht deprimierenden 0:2 am 1. November 2019 saß Barletta ja noch auf der anderen Bank. Von Jörg Moll

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