OFC-Trainer will in Ulm Basistugenden sehen

„Kratzen, beißen und spucken“

+
„Wir wollen den Fans zeigen, dass wir mit Herz spielen und kämpfen“: Angreifer Florian Treske (links), hier im Duell mit dem Mainzer Ahmet Gürleyen, will mit dem OFC im vierten Saisonspiel endlich den ersten Sieg erzwingen.

Offenbach - Für Florian Treske ist es ein Wiedersehen mit einer früheren sportlichen Heimat. Doch die Partie am heutigen Freitag (19 Uhr) beim SSV Ulm 1846 wird für den Angreifer der Offenbacher Kickers wenig Raum für Sentimentalität bieten. Von Jörg Moll 

Es geht darum, den ersten Saisonsieg in der Fußball-Regionalliga Südwest zu erzwingen. Drei Spieltage ohne Sieg haben bei den Offenbacher Kickers Spuren hinterlassen. Die Mannschaft schwor sich nach dem enttäuschenden 0:1 gegen den FSV Mainz 05 II in einem Treffen ohne Trainerstab neu ein. Details verriet Mittelstürmer Florian Treske naturgemäß nicht. Die wichtigste Erkenntnis ist allerdings keine überraschende: „Wir kommen da nur gemeinsam raus.“ Schon eher erstaunlich: Vor allem das Wort von Daniel Endres habe Gewicht, betont Treske: „Es gibt keinen, der so viel spricht wie er, er weiß halt, wie es hier läuft.“ Durchaus interessant, war doch der Torwart, seit 1995 mit Ausnahme einer Saison (2010/2011) immer beim OFC, vor der Saison als Kapitän von Innenverteidiger Benjamin Kirchhoff abgelöst worden. Doch auch Treske, nicht nur wegen seiner 30 Jahre einer der erfahrensten Akteure im Kader, versucht, positiven Einfluss auf seine Mitspieler zu nehmen. „Der eine oder andere nimmt sich Pfiffe der Fans - die durchaus verständlich sind - mehr zu Herzen“, erklärt er.

Der Niederbayer, von Januar 2008 bis Juli 2014 - ein halbjähriges Intermezzo bei den Stuttgarter Kickers ausgeklammert - bei den Ulmer Spatzen am Ball (128 Spiele/52 Tore), hat großen Respekt vor seinem Ex-Klub. „Sie haben sich neu und brutal gut aufgestellt, sie haben sich gezielt und gut verstärkt“, lobt er und räumt ein: „Mit sieben Punkten haben sie es viel besser gemacht als wir.“

Doch es wird heute Abend weniger um Ulmer Stärken gehen als um Offenbacher Mentalität. „Wir müssen kratzen, beißen und spucken“, fordert OFC-Trainer Daniel Steuernagel: „Basistugenden. Es geht nicht um Spielsysteme, es geht nicht darum, wer spielt. Es geht um Einsatz und Mentalität. Wenn einer eine Entscheidung trifft, müssen die anderen zehn sie mittragen. Wir brauchen in Ulm elf Typen auf dem Platz, die das umsetzen.“ Der 38-Jährige vermied es im Vorfeld des Spiels bewusst, von spieltaktischen Feinheiten zu sprechen.

Dafür ist der Druck, Ergebnisse zu liefern, in kürzester Zeit viel zu groß geworden. „Wenn du als Trainer nach Offenbach kommst, weißt du, worauf du dich einlässt“, gibt sich Steuernagel äußerlich gelassen: „Wichtig ist, dass wir einen Weg finden, und dazu müssen wir uns erst einmal auf das Einfache beschränken.“

OFC-Zeugnis gegen Mainz 05 II

Steuernagel war nach dem Tiefschlag am Dienstag gegen Mainz auch als Psychologe gefragt, um die Verunsicherung, die immer mehr um sich gegriffen hat, wieder aus den Köpfen zu bekommen. „Es darf einfach nicht nach einem Fehlpass alles zusammenbrechen“, sagt der Fußball-Lehrer. Selbst erfahrene Akteure wie Treske haben keine Antwort auf die Frage gefunden, woher diese tiefgreifende Verunsicherung kommt. „Wir sind topvorbereitet gewesen, daran liegt es nicht“, meint er. Vielmehr vermutet Treske, an beiden OFC-Toren der Saison beteiligt, bei einigen Kollegen die Angst vor Fehlern. „Und dann spielst du eben lieber einmal mehr quer.“

Und so liegt der Schlüssel wohl tatsächlich erst einmal darin, das Einfache richtig zu machen. „Das Fundament ist, hinten gut zu stehen“, erwartet Steuernagel. Über eine kompakte Defensive soll sich der OFC die Sicherheit fürs eigene Spiel zurückholen. Auch in der Offensive hakte es gegen Mainz mächtig. „Ein Problem war, dass wir uns zu wenig Chancen erarbeitet haben“, räumte Steuernagel ein. Positives hatte er aber in den ersten drei Spielen auch gesehen: „Wir haben in jedem Spiel nach Standards die Möglichkeit gehabt, in Führung zu gehen.“

Bilder: OFC verliert gegen Mainz

Dass es Änderungen in der Startelf geben wird, hatte der Kickers-Coach schon Dienstagabend angekündigt. Ob er heute aber die große oder kleine Rotationsmaschine anfährt, ließ er noch offen. Immerhin: Gestern standen ihm im Training alle Spieler des Kaders zur Verfügung.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare