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Nachwuchscoach von Kickers Offenbach wünscht sich Rückkehr der U23-Teams

Robin Trabert, Trainer der OFC-U19
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Robin Trabert, Trainer der OFC-U19

Robin Trabert, Trainer der U19-Fußballer von Kickers Offenbach, sieht Probleme im Nachwuchsbereich - nicht nur bei den aktuell von der Corona-Pandemie betroffenen Jahrgängen. Einen Lösungsvorschlag hat er auch.

Offenbach – Seine ehemaligen Spieler tun ihm leid und um seine aktuellen ist er in Sorgen: Robin Trabert, Trainer der U19-Fußballer der Offenbacher Kickers, sieht durch die Corona-Pandemie zwei Jahrgänge in besonderer Weise betroffen. Nämlich den, der den Wechsel vom Jugend- in den Aktiven-Bereich vollziehen musste, und den, der diesen nach der aktuellen Saison vor sich hat.

Erste Mannschaft des OFC übernimmt „keine zehn Spieler“

„Man hat es ja beim 2001er-Jahrgang gesehen“, sagt Trabert. Weil die Saison 2019/20 der U19-Bundesliga im März abgebrochen wurde, hatten die Spieler zwei Monate weniger Zeit, sich zu zeigen und für den Aktiven-Bereich zu empfehlen. Die Möglichkeit, sich im Probetraining zu präsentieren, war auch nur bedingt gegeben. Das hatte Folgen. Zumal die erste Mannschaft ja „keine zehn Spieler aus der Jugend übernehmen“ kann, wie Trabert zu bedenken gibt. Bei den Spielern des Jahrgangs 2001 habe es daher viel länger gedauert, bis sie einen Verein fanden. Und bei einigen wäre unter normalen Umständen mehr drin gewesen, meint der 28-Jährige.

Als Beispiele nennt er Daniel Dejanovic und Marco Boras. Beide waren Stammkräfte in der Kickers-U19, suchten lange vergeblich nach einem neuen Club. Ohne Erfolg. Erst im Oktober nahm Regionalligist FC Gießen Boras unter Vertrag. Auch Max Bell Bell (FC Homburg) kam in der 4. Liga unter, die dem Profisport zugeordnet wird und somit das Privileg genießt, dass weiter trainiert und gespielt werden darf. Viele andere hatten weniger Glück und kamen lediglich im oberen Amateurbereich unter - wie Dejanovic. Er fand erst im August im SC Hessen Dreieich einen neuen Verein. Zwar avancierte er sofort zur Stammkraft (zwölf Spiele, eine Vorlage), seit Oktober ruht aber in der Hessenliga corona-bedingt der Ball. „Das ist doppelt bitter“, sagt Trabert und verweist zudem auf die Spieler, deren Wechsel ins Ausland scheiterte. So hätte Innenverteidiger Fritz Östreicher per Stipendium in den USA spielen können. Die Einreise ist ihm jedoch nicht möglich. Er hat er sich Rot-Weiß Darmstadt (Verbandsliga Süd) angeschlossen.

Kickers Offenbach: U19-Coach wünscht sich Rückkehr der U23-Teams bei Proficlubs

Auch die Local-Player-Vorgabe der DFL oder die für Dritt- sowie Regionalligisten geltende U23-Regel ist für die Spieler des Jahrgangs 2001 keine große Hilfe, meint Trabert: „Der Markt ist völlig überflutet mit U23-Spielern. Die U19-Bundesliga hat drei Staffeln mit je 18 Teams. Und die meisten spielen viel mit Altjahrgängen. Da kann man sich ausrechnen, wie viele da jedes Jahr rauskommen.“ Es sei folglich sehr schwer, den direkten Sprung in den Profibereich zu schaffen.

Doch wie lässt sich das Problem lösen? Trabert wünscht sich eine Pflicht für Profi-Vereine, wieder eine U23-Mannschaft zu stellen - und diese dann gegebenenfalls nach britischem Vorbild (Premier Reserve League) in einer eigenen Runde gegeneinander antreten lassen. „Viele unserer Weltmeister von 2014 haben zunächst in einer U23 gespielt“, weiß der U19-Coach des OFC. „Schweinsteiger, Müller, Lahm, Boateng und Khedira zum Beispiel.“

Trabert ist sich allerdings bewusst, dass eine solche Rückkehr nicht einfach wäre. Stand jetzt müsste ein U23-Team bei der Neuanmeldung wohl auf Kreisebene beginnen. Der Karlsruher SC hat daher ein Fan-Team gegründet und hofft, mit diesem irgendwann eine „interessante Liga“ zu erreichen. „Aber das bedeutete jahrelange Arbeit“, so Trabert.

Der Inhaber der UEFA-A-Lizenz hofft, dass es dem Jahrgang 2002 besser ergeht. Aktuell stagniere die Entwicklung zwar, da der Spielbetrieb seit Oktober ruht. Trabert ist aber optimistisch, dass der Ball spätestens ab März wieder rollt und zumindest die einfache Runde beendet werden kann: „Das ist eine ganz entscheidende Phase in der Entwicklung. Ich hoffe, dass es schnell weitergeht. Sonst verlieren wir viele Talente.“ (Von Christian Düncher)

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