Kickers Offenbach

OFC im Aufwärtstrend dank richtiger Balance

Offensiv effizient, defensiv fleißig: Offenbachs Außenbahnspieler Rafael Garcia war in den letzten sieben Spielen an jedem dritten OFC-Tor beteiligt. Als Balleroberer enorm wirkungsvoll ist mittlerweile Serkan Firat (links).
+
Offensiv effizient, defensiv fleißig: Offenbachs Außenbahnspieler Rafael Garcia war in den letzten sieben Spielen an jedem dritten OFC-Tor beteiligt. Als Balleroberer enorm wirkungsvoll ist mittlerweile Serkan Firat (links).

Kickers Offenbach stellt weiterhin die beste Abwehr der Fußball-Regionalliga Südwest, aber auch vorne klappt es nun besser. Dank dieser Ausgewogenheit zeigt die Leistungskurve beim OFC seit Wochen nach oben.

Offenbach – Sreto Ristic ist eine Sache besonders wichtig: Balance. Der Trainer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach meint damit die notwendige Ausgewogenheit zwischen Offensive und Defensive. Zu Beginn der Saison herrschte hier ein Ungleichgewicht beim OFC, der nach neun Spielen zwar - wie bereits in der vorangegangenen Runde - die beste Abwehr der Liga stellte (sieben Gegentore), jedoch auch den zweitschwächsten Angriff (acht erzielte Treffer).

Die 0:1-Heimniederlage gegen das damalige Schlusslicht Schott Mainz war Tief- und Wendepunkt zugleich. Seit dieser offenbar heilsamen Pleite geht’s wieder aufwärts, auch weil die Balance nun stimmt. Neun Spiele sind seitdem vergangen. In diesen haben die Kickers - trotz des Ausfalls dreier Innenverteidiger - bloß fünf weitere Gegentreffer zugelassen und ihren Status als Bollwerk der Liga untermauert. Selbst erzielten sie seitdem beachtliche 27 Tore, im Schnitt also 1,94 pro Partie. Das ist der drittbeste Wert im Südwesten - hinter der SV Elversberg (2,44) und dem SSV Ulm 1846 (2,0). Mit beiden bekommt es der OFC noch in den letzten drei Spielen vor der Winterpause zu tun. Erst mal steht jedoch am Sonntag (14 Uhr) die nicht minder schwere Partie beim FC Homburg (6.) an, der seit sechs Spielen unbesiegt ist und zuletzt Elversberg mit 1:2 die erste Pleite nach zuvor 15 Partien in Folge ohne Niederlage zufügte. Das Hinspiel gegen Homburg hatten die Kickers mit 1:0 gewonnen. Damals war es ein klassisches OFC-Ergebnis. Inzwischen fallen bei Spielen mit Offenbacher Beteiligung in der Regel mehr Tore - vor allem auf der Gegenseite. Und zwar aus unterschiedlichen Gründen. Unter anderem verzichtet Ristic seit der 0:1-Niederlage gegen Schott Mainz auf einen klassischen Abräumer vor der Abwehr, den bis dahin Osarenren Okungbowa gegeben hatte. Die Aufgabe teilen sich nun die beiden „Achter“ und „Sechser“ Tunay Deniz, der das Spiel zugleich aus der Tiefe ankurbelt. Die Grundaufstellung ist somit einen Tick offensiver, ohne dass es sich bislang negativ auf die Defensivstärke auswirkt.

Zengin feiert Pflichtspieldebüt

Den holprigen 2:1-Sieg in der 3. Runde des Fußball-Hessenpokals beim Gruppenligisten 1. FC TSG Königstein hakte Kickers Offenbachs Trainer Sreto Ristic schnell ab. „Wichtig war, weiterzukommen und dass sich niemand verletzt.“ Beides gelang auf dem kleinen Kunstrasen im schummrigen Flutlicht. Geschäftsführer Thomas Sobotzik hielt es ähnlich. „Wir sind eine Runde weiter und konnten Spielern Spielzeit gewähren, die bisher wenig oder gar nicht zum Einsatz kamen.“ Verteidiger Enes Zengin (18) gab sein Pflichtspieldebüt, „Sechser“ Mateo Andacic (24) spielte erstmals 90 Minuten im OFC-Trikot. jm

Auch das Spieltempo hat seither deutlich zugenommen. Was vor allem dem Spiel in die Tiefe und damit den Außen der Kickers zugute kommt. Sinnbildlich dafür steht Rafael Garcia. Der am letzten Transfertag (31. August) verpflichtete 13. und bislang letzte Zugang hat mächtig aufgedreht. In den letzten sieben Spielen, in denen der OFC 24 Treffer erzielte, war er an neun Toren als Schütze (4) oder Vorlagengeber (5) beteiligt - also rund an jedem dritten. Damit übertrumpfte er sogar Offenbachs besten Scorer, Dejan Bozic (8 Tore, 6 Vorlagen), der im gleichen Zeitraum „nur“ acht Scorerpunkte verbuchte. Dass auch Rechtsaußen Serkan Firat seine fünf Scorerpunkte (1 Tor/4 Vorlagen) in diesem Zeitraum schaffte, bestätigt die deutlich gestiegene Effizienz im Offensivspiel.

Damit dies nicht zu Lasten der defensiven Stabilität geht, erfordert es, dass alle Spieler nach hinten mitarbeiten. Besonders auffällig ist das auf den Außen, wo sich rechts (Maik Vetter/Serkan Firat) sowie links (Ronny Marcos/Rafael Garcia) Duos etabliert haben, die sich gegenseitig unterstützen. Dabei ist insbesondere das Defensiverhalten von Firat hervorzuheben, der als Offensivspieler gelernt hat, auch den Rückwärtsgang einzulegen und in der eigenen Hälfte immer wieder mit großem Einsatz den Ball erobert. Aus dem Mann, der zu Beginn seiner Zeit bei den Kickers vor allem für seinen feinen linken Fuß bekannt war, ist ein Spieler geworden, der die von Ristic geforderte Balance verkörpert.

Und noch etwas trägt dazu bei, dass die Balance inzwischen stimmt beim OFC: Ristic hat mit großer Freude festgestellt, dass die Standardsituationen, die er in der vergangenen Saison als „Waffe“ ausgemacht hatte, sich langsam wieder zu einer solchen entwickeln. Bezeichnend dafür waren die zwei Tore von Okungbowa - jeweils nach ruhendem Ball und einstudierter Variante. Firat hatte den Standard jeweils ausgeführt.

Auffallend ist zudem: Hatte der OFC in der vergangenen Saison an 42 Spieltagen nur fünf Elfmeter zugesprochen bekommen (vier wurden verwandelt), waren es in der Hinrunde der aktuellen Saison in 18 Partien schon vier. Erst vergab Elia Soriano, dann verwandelte Tunay Deniz dreimal in Folge. (Von Christian Düncher)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare