Kickers Offenbach

OFC klebt eklig am Tabellenführer

„Ich dachte mir: Alles oder nichts“: Serkan Firat (Mitte) erzielte mit diesem Seitfallzieher nach Traumpass von Denis Huseinbasic das 1:0 für den OFC. Die Gießener Ryunosuke Takehara (links) und Hendrik Starostzik (rechts) sind nur staunende Statisten beim sechsten Saisontor des Offenbachers.
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„Ich dachte mir: Alles oder nichts“: Serkan Firat (Mitte) erzielte mit diesem Seitfallzieher nach Traumpass von Denis Huseinbasic das 1:0 für den OFC. Die Gießener Ryunosuke Takehara (links) und Hendrik Starostzik (rechts) sind nur staunende Statisten beim sechsten Saisontor des Offenbachers.

Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach trotzt im Spiel beim FC Gießen allen Widerständen, gewinnt souverän mit 2:0 (1:0) und bleibt erster Verfolger von Spitzenreiter SC Freiburg II.

Gießen – Auf die Tabelle schaut bei den Offenbacher Kickers offiziell keiner. Zumindest wird das stets gebetsmühlenartig betont. Genormte Fußballersprache ist das. Aber nach dem trotz großer Personalprobleme erstaunlich souveränen 2:0 (1:0)-Sieg des Tabellenzweiten der Fußball-Regionalliga Südwest beim FC Gießen musste man am Samstag nur in die Gesichter schauen, um zu sehen, was die OFC-Profis denken. Hier ein freches Grinsen, dort ein breites Strahlen, da ein zufriedenes Lächeln. Die beste Rückrundenmannschaft der Liga (25 Punkte aus zehn Spielen), die seit Januar 35 Punkte aus 16 Partien holte, spürt, dass diese Saison Außergewöhnliches gelingen kann. Dazu müsste allerdings der SC Freiburg II mal patzen. Den Gefallen tut er aber derzeit nicht. Das 1:0 im Topspiel gegen den TSV Steinbach Haiger war der fünfte Sieg in den letzten sechs Spielen. Nur beim 1:1 in Offenbach punkteten die Breisgauer nicht dreifach und stehen daher weiter mit sechs Zählern Vorsprung auf dem Sehnsuchtsplatz der Kickers (61 Punkte).

„Es ist doch geil, wenn man elf Spieltage vor Schluss als Tabellenzweiter so eklig am Tabellenführer klebt“, sagt Serkan Firat. Der 26-Jährige setzt dazu sein schelmisches Grinsen auf. „Klar sind wir darauf angewiesen, wie Freiburg spielt“, sagt der Kunstschütze zum 1:0 in Gießen (39.), der per Seitfallzieher nach klasse Vorarbeit von Denis Huseinbasic die Kickers auf Kurs brachte: „Aber wir alle haben Bock darauf.“ Bock steht für die Lust, das ganz große Ziel zu erreichen: den Aufstieg in die 3. Liga.

Die Offenbacher Mannschaft zeigt in diesen Wochen, dass sie in der Lage ist, das Titelrennen bis zum Schluss mitzuprägen. Sie liefert Woche für Woche Argumente dafür. Und dabei verzichtet sie zumeist auf Spektakel, das ganz große Drama. Stattdessen überzeugt der OFC mit immer besser funktionierender Spielkontrolle, mit einstudiertem Positionsspiel und mit Beharrlichkeit.

Am Samstag gestattete die beste Defensive der Liga (21 Gegentore in 31 Spielen) in 93 Minuten den mit dem Ex-Offenbacher Nejmeddin Daghfous im Sturmzentrum angetretenen Gießenern keinen ernsthaften Torschuss. „Wir haben es sehr gut gelöst und fast nichts zugelassen“, lobte Sreto Ristic. Der Coach trägt seinen Teil zur Offenbacher Erfolgsgeschichte bei. Er jammert nicht trotz aller personeller Probleme, die sich am Samstag durch das verletzungsbedingte Ausscheiden von Maik Vetter (Verdacht auf Muskelfaserriss im Oberschenkel) nochmals verschärften. Ristic vertraut den Spielern, die ihm zur Verfügung stehen, scheut sich nicht, Akteure wie Leonidas Tiliudis, im Winter noch Kandidat für einen Wechsel, auf die Bank zu setzen. Ristic lebt die Erwartungshaltung vor, dass Spieler zu funktionieren haben, wenn sie reinkommen. „Jeder, der im Kader steht, ist wichtig“, betont er: „Jeder hat seine Aufgabe. Ziel muss es sein, in einer funktionierenden Mannschaft spielen zu wollen.“

In Gießen musste er das komplette Mittelfeld umbauen, nachdem nach Charles Elie Laprevotte (Schulter-OP) auch Lucas Albrecht (Sprunggelenksprobleme), Tunay Deniz (10. Gelbe Karte), Florent Bojaj (5. Gelbe) und Davud Tuma (muskuläre Probleme) ausgefallen waren. Ristic schenkte auf der Doppel-Sechs Denis Huseinbasic (19) und Luka Garic (20) das Vertrauen - und die zahlten es mit einer abgebrühten Leistung zurück. „Jeder, der reinkommt, weiß, was er zu tun hat“, sagt Malte Karbstein, der mit dem 2:0 (87.) die aufgrund der Gießener Harmlosigkeit ohnehin geringen Zweifel zerstreute.

Karbstein, mit sechs Treffern nach Johannes Reichert (Ulm/8 Tore) der torgefährlichste Abwehrspieler der Liga, staunt selbst über seine Ausbeute. „Ich stehe in dieser Saison oft richtig“, sagt er. Das Lächeln verzieht sich auch nicht nach der Frage nach dem Tabellenstand. „Ich weiß, wo wir stehen“, sagt der 23-Jährige: „Wir müssen abwarten, was Freiburg macht. Aber wichtig ist, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen.“ Und können . (Von Jörg Moll)

FC Gießen - Kickers Offenbach 0:2 (0:1)

FC Gießen: Löhe - Weiß, Boras, Starostzik, Takehara (68. Mohr) - Fink, Trkulja (82. Colak) - Salem, Ibrahimaj, Korzuschek (82. Hofmann) - Daghfous (68. Celik)

Kickers Offenbach: Flauder (Note: 2) - Vetter (3/69. Fritscher -), Zieleniecki (2), Karbstein (2), Marcos (2) - Huseinbasic (2), Garic (2,5) - Firat (2), Fetsch (2,5), Sobotta (3,5/85. Lemmer -) - Soriano (3/88. Reinhard -)

Schiedsrichter: Satriano (Zell im Wiesental) - Zuschauer: keine - Tore: 0:1 Firat (39.), 0:2 Karbstein (87.) - Gelbe Karten: Takehara, Weiß, Starostzik, Celik / Sobotta (2), Marcos (2)

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