Kickers Offenbach

OFC: Lob, aber auch einige Fragezeichen

Abgang mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern: OFC-Abräumer Osarenren Okungbowa (links) verlässt in Kassel den Platz. Schiedsrichter Fabian Schneider (rechts) hatte ihm kurz zuvor die Gelb-Rote Karte gezeigt.
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Abgang mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern: OFC-Abräumer Osarenren Okungbowa (links) verlässt in Kassel den Platz. Schiedsrichter Fabian Schneider (rechts) hatte ihm kurz zuvor die Gelb-Rote Karte gezeigt.

Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach macht beim 0:0 in Kassel nach dem vermeidbaren Platzverweis von Osarenren Okungbowa fast alles richtig, die Offensive lahmt allerdings.

Offenbach – Fünf Spieler haben beim Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach diese Saison bisher jedes Mal in der Startelf gestanden: Torwart Stephan Flauder, die Innenverteidiger Sebastian Zieleniecki und Malte Karbstein, Tunay Deniz als Spielgestalter sowie Abräumer Osarenren Okungbowa. Zumindest Letzterer wird im Heimspiel am Sonntag (14 Uhr) gegen Astoria Walldorf erstmals nicht der Anfangsformation angehören und auch nicht im Kader stehen. Der Österreicher ist nach der Gelb-Roten Karte, die er beim jüngsten 0:0 in Kassel gesehen hatte, für ein Spiel gesperrt.

Dass der OFC dank einer starken kämpferischen sowie cleveren taktischen Leistung trotz fast 60-minütiger Unterzahl einen Punkt in Nordhessen geholt und sogar näher am Sieg dran war, gehört zu den positiven Aspekten dieser Partie. Das Spiel wirft jedoch auch Fragen auf. Zum Beispiel die nach dem Platzverweis. „Die erste Gelbe Karte für Osa gab es früh“, sagte Deniz. „Ob man die geben muss?“ Man kann sie zumindest geben. Der OFC hatte einen Freistoß tief in der Kasseler Hälfte, verlor aber im Anschluss an diesen den Ball. Die Gäste konterten mit fünf gegen drei und Okungbowa lief dem Ballführenden in die Hacken (5.). Klassisches taktisches Foul, wenn auch in der gegnerischen Hälfte, wie Kickers-Trainer Sreto Ristic zutreffend anmerkte. Eine Minute später kam Okungbowa erneut zu spät. Freistoß für Kassel. Spätestens jetzt war klar, dass es für den defensiven Mittelspieler schwer werden würde, die Partie ohne Platzverweis zu überstehen. Zumal auf und neben dem Platz Unruhe herrschte. „Es war viel Hektik im Spiel“, befand OFC-Torhüter Stephan Flauder. „In der zweiten Hälfte hat sich der Schiedsrichter von den Aktionen der Kasseler nicht mehr blenden lassen.“ Bis zur Pause entschied der Unparteiische jedoch oft zu Ungunsten des OFC, haderte Ristic. In der Tat blieb bei hartem Einsteigen gegen Deniz (3.) die Karte stecken und kurz vor Okungbowas Platzverweis wurde ein Foul an Denis Huseinbasic nicht geahndet.

Dennoch stellt sich die Frage, warum Ristic nicht früher reagierte. Mateo Andacic, der in der Vorbereitung vor der Abwehr gespielt hatte, stand zwar nicht im Kader (Ristic: „Er hat gut trainiert, aber ich musste eine Auswahl treffen“), an Alternativen mangelte es aber nicht, wie der Trainer betonte. Namentlich nannte er Florent Bojaj (saß nach Hüftprellung zunächst auf der Bank) sowie Deniz und Huseinbasic, die nach hinten hätten rücken können. Der 45-Jährige hatte jedoch gehofft, mit diesem Wechsel noch bis zur Pause warten zu können. Ein Fehler, wie sich herausstellte.

Dafür machte der OFC-Coach nach dem Platzverweis alles richtig, brachte in Moody Chana einen weitere Innenverteidiger und stellte bei gegnerischem Ballbesitz auf ein 5-3-1 um. Kassel fiel gegen diese Formation nichts ein, auch weil Chana bei seinem zweiten Einsatz (gegen Hoffenheim II war er in den Endphase gekommen) sofort ablieferte. „Die Jungs sind darauf vorbereitet, jederzeit ins Spiel zu kommen. Das ist unsere Art, zu arbeiten. Es könnten alle spielen, aber nur elf dürfen auf dem Platz stehen“, so Ristic.

In Kassel waren es ab der 40. Minute sogar nur zehn Offenbacher, aber das machte sich kaum bemerkbar. „Die Jungs haben es gut gelöst“, lobte der OFC-Trainer. „Drei Punkte wären die Krönung gewesen.“ Dass es „nur“ zu einem Zähler reichte, lag auch daran, dass sich die Kickers mit dem Torschießen weiterhin schwer tun. Nach sechs Spielen stehen erst sechs eigene Treffer zu Buche. Lediglich der FC Gießen (4) hat weniger Tore erzielt. Dafür ist die Defensive der Kickers mit erst vier Gegentreffern abermals die beste der Liga. Und auf diese verließ man sich zunächst in Kassel. Die ersten 30 Minuten seien „gut“ gewesen, bilanzierte Ristic, wenngleich seine Mannschaft in dieser Phase meistens nur reagierte. „Wir wussten, dass wir Konterchancen bekommen würden“, sagte er. Allerdings ist das Umschaltspiel weiter ausbaufähig. Auch in Kassel wurden einige Schnellangriffe nicht konsequent zu Ende gespielt, wie die Kickers zugaben. Hätte man insofern nicht anders auftreten müssen beim zwar zu Hause noch ungeschlagenen (zwei Siege, zwei Unentschieden), jedoch individuell nicht so gut wie die Kickers besetzten KSV? „Kassel ist nicht leicht zu bespielen“, betonte Ristic. Und Deniz ist sich sicher: „Hier werden noch viele andere Mannschaften stolpern.“ Der OFC holte zumindest einen Punkt. Das war nach dem Platzverweis nicht zu erwarten. Die Mannschaft habe jedoch „ihr Herz reingelegt“, so Flauder. (Von Christian Düncher)

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