Kickers Offenbachs ehemaliger Mittelfeldspieler über beherzte Zweikämpfe mit Overath und sein besonderes Double 1970

OFC-Pokalheld Schäfer: „Wir waren uns sicher: Die hauen wir weg“

Winfried Schäfer hat auch mit 70 noch nicht genug.
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Winfried Schäfer hat auch mit 70 noch nicht genug.

Offenbach – Meister mit Borussia Mönchengladbach im Mai, DFB-Pokalsieger mit Kickers Offenbach im August: Winfried Schäfer hat ein einzigartiges Double geschafft. Gerne blickt der heute 70-Jährige vor allem auf das Pokalendspiel gegen den 1. FC Köln zurück – sein persönliches Revanchespiel – und macht sich Gedanken über die Zukunft am Bieberer Berg.

Herr Schäfer, was hat Sie als frischgebackener Meister bewogen, zum Bundesliga-Aufsteiger nach Offenbach zu wechseln?

Die Kickers sind mir noch aus meiner Jugendzeit gut im Gedächtnis geblieben - damals als Gegner. Eigentlich wollte ich zum 1. FC Köln wechseln. Auf dem Rückweg aus dem Urlaub habe ich in der Zeitung aber Aussagen von Kölner Spielern gelesen, darunter auch Wolfgang Overath, dass sie gar keinen Mittelfeldspieler mehr brauchen. Daraufhin habe ich es mir anders überlegt.

Wie sind Sie mit der Situation umgegangen?

Ich bin zum FC in die Geschäftsstelle und habe meinen Vorvertrag zerrissen. Dann bin ich heimgefahren. Nach Gladbach zurück wollte ich aber auch nicht und bin dann mit dem damaligen Kickers-Präsidenten Horst-Gregorio Canellas ins Gespräch gekommen. Zu einem Aufsteiger zu wechseln, hat mich irgendwie gereizt.

Und dann ging es im Pokalendspiel ausgerechnet gegen den 1. FC Köln. Um Ihre Motivation musste man sich da sicher keine Gedanken machen...

Natürlich war es ein besonderes Spiel für mich. Gerade weil mein Gegenspieler Wolfgang Overath hieß. Den habe ich schön beackert. Ich erinnere mich heute noch gut an den Kommentar im Fernsehen: ‘Schmidt und Schäfer dominieren das Mittelfeld gegen Overath’. Immer wenn es gegen Köln ging, war ich besonders motiviert in den Zweikämpfen (lacht).

Lag das an der Rolle des David gegen den Goliath?

Die Kölner waren damals so etwas wie der FC Bayern heute. Sehr erfolgreich, teilweise auch arrogant. Die haben sich damals gedacht: Wo liegt Offenbach? Muss irgendwo bei Frankfurt sein. Wir hatten aber eine motivierte Truppe mit Jungs, die auch in der Kabine die richtigen Worte gefunden haben.

Erzählen Sie doch mal...

Der Egon Schmidt, unser Kapitän, war ein toller Bursche. Der wusste, wie er uns packen kann. Auch Seppl Weilbächer, Johnny Winkler oder Pille Gecks. Außerdem hatten wir mit Karl-Heinz Volz einen super-abgeklärten Torwart. Er hat uns mit dem parierten Elfmeter, der keiner war, den Sieg gerettet. Leider konnte er sich nicht so gut verkaufen, war kein Boss in der Hintermannschaft.

Was ist noch aus den Pokalspielen bei Ihnen hängen geblieben?

Das 3:0 gegen die Eintracht war etwas besonderes. Da habe ich mein erstes Tor für den OFC geschossen und wusste: ‘Wenn es so anfängt, kann es nur gut werden.’ Aber auch der Sieg gegen den BVB mit Siggi Held. Besonders habe ich Aki Schmidt (musste wegen eines schweren Autounfalls kürzer treten) in Erinnerung. Der war Vorzeigefußballer und hat als Trainer gezeigt, dass er mit Spielern umgehen kann. Herausragend war auch die Siegesfahrt mit den Cabrios durch die Stadt mit den vielen Fans.

Was hat die Mannschaft noch ausgezeichnet?

Ich glaube, am Ende waren alle froh, dass gut eingekauft wurde. Der Zusammenhalt war da, wir waren eine Einheit und uns vor den Spielen immer sicher: ‘Die hauen wir weg’. Ich habe als Spielmacher gut da reingepasst.

Wenige Monate vorher sind Sie Meister mit Mönchengladbach geworden. Ein einzigartiges Double?

Mit zwei Vereinen in so kurzer Zeit zwei Titel zu gewinnen, bleibt sicher einmalig. Das ging aber auch nur, weil die Pokalrunde wegen des Jahrhundertwinters und der Ausfälle verschoben wurde.

Was unterscheidet Gladbach und Offenbach?

In erster Linie die sportliche Führung. Was in Mönchengladbach geleistet wurde und wird, ist beeindruckend. Da sind Top-Leute am Werk. Damals gab es den Präsidenten Helmut Beyer, Hennes Weisweiler war als Trainer unantastbar. Heute macht es Sportdirektor Max Eberl richtig gut. Es muss oben stimmen, damit es unten läuft. Diese Professionalität ist beim OFC nicht immer zu sehen. Beim KSC ist es auch so.

Verfolgen Sie weiterhin das Geschehen rund um den Bieberer Berg?

Klar, ich hatte hier fünf schöne Jahre und hoffe sehr, dass die Kickers aufsteigen. Ein Verein mit Tradition, tollem Umfeld und den treuen Fans - da muss man mehr draus machen. Ich erinnere mich noch, dass die Fans von weiter weg kamen, um unsere Spiele zu sehen. Das konnte man an den Nummernschildern gut ablesen. Am Beispiel anderer Traditionsklubs wie 1860 München oder Rot-Weiss Essen sieht man aber, wie schwer es ist, wieder nach oben zu kommen.

Sie haben als Trainer zwölf Stationen hinter sich, waren in der Bundesliga für den Karlsruher SC und VfB Stuttgart tätig, haben die Auswahl Kameruns und Thailands betreut. Was steht nun an?

Ich war zuletzt im Iran und in den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig. Das war schon irre, in Teheran vor 100000 Zuschauern zu spielen. Jetzt ist aber wegen Corona erst mal Schluss.

Auch für Sie als Trainer?

Nein, meine Haare sind zwar nicht mehr rot, sondern weiß-golden, aber ich kann nicht nur im Garten sitzen und die Blumen anschauen.

Das Gespräch führte

Jörn Polzin

Pokalsieger: Winfried Schäfer stemmt die Trophäe in die Höhe. Der Mittelfeldspieler lief fünf Jahre für den OFC auf.

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