Kickers Offenbach: Barletta muss nach drittem Platzverweis gegen Gießen erneut umstellen

OFC-Trainer klagt: „Wir bringen uns um den Lohn“

Ungläubige Blicke in Ulm: Schiedsrichter Schneider hat OFC-Mittelfeldspieler Luigi Campagna (Zweiter von links) Gelb-Rot gezeigt. Dessen Kollegen Marcell Sobotta (links) und Mathias Fetsch (Nummer 25) intervenieren vergeblich. Der Platzverweis war ebenso unnötig wie berechtigt.
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Ungläubige Blicke in Ulm: Schiedsrichter Schneider hat OFC-Mittelfeldspieler Luigi Campagna (Zweiter von links) Gelb-Rot gezeigt. Dessen Kollegen Marcell Sobotta (links) und Mathias Fetsch (Nummer 25) intervenieren vergeblich. Der Platzverweis war ebenso unnötig wie berechtigt.

Spiele gegen Topteams enden für Kickers Offenbach diese Saison in der Fußball-Regionalliga Südwest immer nach dem gleichen Muster: Es gibt keinen Sieg für den OFC, aber einen Platzverweis. Trainer Angelo Barletta stößt das sauer auf, zumal er dadurch immer wieder zu Umstellungen gezwungen wird.

Ulm – Angelo Barletta empfindet es als „brutal“. Den Trainer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach treibt dabei weniger die erste Saisonniederlage um („Es war klar, dass es uns irgendwann mal erwischen würde“), sondern die Tatsache, dass sein Team im achten Spiel bereits den dritten Platzverweis kassierte. Bei der 0:1 (0:0)-Pleite beim SSV Ulm 1846 hatte es ausgerechnet den einstigen Ulmer Luigi Campagna erwischt, der nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot sah (72.). In Unterzahl mussten die Kickers dann das entscheidende Gegentor hinnehmen und Barletta ist vor dem Heimspiel am Dienstag (19 Uhr) gegen den FC Gießen erneut dazu gezwungen, personelle Änderungen vorzunehmen.

Das erschwert es der Mannschaft natürlich, sich einzuspielen. In Ulm zeigte sich abermals, dass es genau daran noch hapert. Gegen schwächer eingestufte Teams reicht die individuelle Klasse der Offenbacher. In den drei Duellen mit Spitzenmannschaften ging der OFC jedoch kein einziges Mal als Sieger vom Platz - auch weil er sich ausgerechnet in diesen Partien selbst schwächte.

Gegen Steinbach (1:1) und Freiburg (2:2), die damals jeweils Tabellenführer waren, reichte es trotz Führung lediglich zu einem Punkt, bei Mitfavorit Ulm (0:1) setzte es nun die erste Niederlage der Saison. Insgesamt holten die Kickers aus diesen drei Duellen bloß zwei Punkte, mit etwas mehr Disziplin und Cleverness hätten es aber sieben sein können. „Indem wir uns oft dezimieren, bringen wir uns um den Lohn. Und wir müssen immer wieder umstellen“, ärgerte sich Barletta, der die Spieler am Wochenende nochmals eindringlich auf dieses Problem hinwies.

Gegen Steinbach hatte der OFC eine starke erste Hälfte gespielt, zur Pause verdient geführt, dann jedoch den Beginn des zweiten Durchgangs verschlafen und nach dem Ausgleich einen Platzverweis (Rot für Marcos) kassiert. In Freiburg hätten die Kickers bereits zur Pause klar zurückliegen können, waren aber effektiv in der Offensive. Nach Gelb-Rot für Tuma und einer vergebenen Großchance fiel noch das 2:2. In Ulm stand der OFC nun hinten gehörig unter Druck, vorne gelang erstmals in dieser Saison so gut wie nichts und dann flog auch noch Campagna vom Platz. „Er muss da nicht so hingehen“, sagte Barletta zu der Aktion, die letztlich zu Gelb-Rot führte.

Dabei hatte der Trainer in der Halbzeitpause extra die verwarnten Spieler (Campagna und Karbstein) angesprochen und ihnen gesagt, „dass ein Platzverweis auf mich zurückfällt, weil dann gefragt wird, warum ich nicht ausgewechselt habe“. Zwar spielte Karbstein zahlreiche Fehlpässe („Barletta; „Er hatte es bis zu diesem Spiel gut gemacht und ist noch sehr jung. Ihm gestehe ich mal ein schlechtes Spiel zu“), verhielt sich aber im Zweikampf clever. Im Gegensatz zu Campagna.

„Wir sind unnötig in Unterzahl geraten. Individuelle Sachen haben uns geschadet“, kritisierte Stürmer Mathias Fetsch, stellte aber auch klar: „Es hätte nicht entscheidend sein müssen. Es war von uns insgesamt kein gutes Spiel. Ulm hat es ordentlich, aber nicht extrem gut gemacht.“

Er sei „mit keinem guten Gefühl nach Hause“ gefahren, gestand Fetsch und empfahl: „Schnell abhaken und analysieren.“ Viel Zeit bleibt dafür aber nicht. Bereits am Dienstag steht das nächste Spiel an. Ohne Campagna. Nach dessen Platzverweis in Ulm hatte der Kickers-Trainer Tim Dierßen eingewechselt. Dieser sollte - wie in der ersten Hälfte gegen Alzenau - mit Tunay Deniz den defensiven Part vor der Dreier-Abwehr übernehmen. Da gegen Gießen Marcos nach Sperre wieder zur Verfügung steht, wäre auch die Rückkehr zur Viererabwehrkette möglich. Für diese bietet sich rechts Marco Fritscher an, der in Ulm als Einwechselspieler ein ordentliches Debüt gegeben hatte.

Mit Gießen, dem VfB Stuttgart II, Schott Mainz, Stadtallendorf und Kassel warten in den nächsten fünf Spielen ausnahmslos Gegner auf den OFC, die in der Tabelle hinter ihm stehen. „Wir müssen eh gegen jeden gewinnen, können jedoch nicht blockweise denken“, betont Barletta. Vor allem nicht, wenn seine Spieler ihn immer wieder zu Umstellungen zwingen. (Von Christian Düncher)

Campagna muss in die Teamkasse zahlen

Kickers Offenbachs Mittelfeldspieler Luigi Campagna hat sich für die Gelb-Rote-Karte entschuldigt, die er in der Partie bei seinem Ex-Verein SSV Ulm 1846 kassiert hatte. „Es tut mir leid, dass ich meine Mannschaft auf dem Platz zurücklassen musste“, schrieb der 30-Jährige bei Instagram. In die Teamkasse muss er dennoch etwas zahlen. „Er wusste um die Situation“, betonte Trainer Angelo Barletta. An seiner Spielweise will Campagna nach dem erst zweiten Platzverweis seiner Karriere nichts ändern: „Ich kann nicht sagen, dass so etwas nicht mehr passiert. Ich werde auf dem Platz immer für mein Team kämpfen und alles geben, um den OFC zurück in die Erfolgsspur zu führen.“

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