Kickers Offenbach

OFC-Trainer Ristic ärgert Freiburger Wettbewerbsvorteil

„Es ist zu viel“: Bei dieser Grätsche gegen Gießens Ryonosuke Takehara verletzte sich Maik Vetter (rechts) am Oberschenkel. Der Rechtsverteidiger ist der fünfte Akteur, der dem OFC verletzt nicht zur Verfügung steht.
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„Es ist zu viel“: Bei dieser Grätsche gegen Gießens Ryonosuke Takehara verletzte sich Maik Vetter (rechts) am Oberschenkel. Der Rechtsverteidiger ist der fünfte Akteur, der dem OFC verletzt nicht zur Verfügung steht.

Von Wettbewerbsverzerrung will Sreto Ristic nicht reden. Aber der Trainer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach sieht den Titelrivalen SC Freiburg II klar im Vorteil, weil dieser schon 37 Spieler einsetzen konnte, während der OFC Personalsorgen hat. Aufgrund der hohen Belastungen seien „Verletzungen kein Zufall“, meint Ristic.

Offenbach – Die Corona-Pandemie testet auf vielen Ebenen die Belastbarkeit jedes Einzelnen. In Zeiten größter Unsicherheiten werden Ungerechtigkeiten - ob berechtigt oder nicht - noch viel intensiver wahrgenommen. Das macht auch vor Sportlern, in diesem Fall den Regionalliga-Fußballern der Offenbacher Kickers, nicht halt. Trainer Sreto Ristic, der den OFC seit Januar mit 35 Punkten aus 16 Spielen mit nur einer Niederlage auf Platz zwei geführt hat, gehört nicht zu den chronisch schlecht Gelaunten der Branche. Doch beim Blick auf das Titelrennen verfinstert sich seine Miene doch stark.

Was zum einen daran liegt, dass ihm in der Mammutsaison mit bislang bereits absolvierten 31 Partien langsam, aber stetig das Personal abhanden kommt. Am Samstag verletzte sich in Maik Vetter ein weiterer Leistungsträger, er droht mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel für einige Wochen auszufallen. Es ist nach Davud Tuma (muskuläre Probleme), Lukas Albrecht (Sprunggelenksprobleme), Francesco Calabrese (Bänderriss im Sprunggelenk) und Charls Elie Laprevotte (Schultereckgelenkssprengung) der fünfte schwerwiegende Ausfall. Dazu kommen die Langzeitpatienten Abu Bakarr Kargbo und Maurice Pluntke (nach Kreuzbandrissen beide mittlerweile wieder im Training). Die Misere führte dazu, dass Ristic am Samstag in Marco Fritscher und Jakob Lemmer zwei Akteure einwechseln musste, die selbst gerade nach Verletzungen erst wieder in den Kader gerückt waren. „Fast jeder Verein hat mittlerweile viele Verletzte“, hat Ristic registriert. Nicht selten sind es muskuläre Probleme. „Das ist kein Zufall“, sagt er: „Wir haben jetzt den 32. Spieltag, normal wäre in zwei Wochen die Saison beendet, so aber haben wir noch elf Spiele bis Juni - und dazu kommen womöglich noch Hessenpokalpartien. Es ist zu viel.“ Auch die Wintervorbereitung, die aufgrund der 42 Spieltage und dem vierwöchigen November-Lockdown ausfallen musste, sieht Ristic als Teil des Problems.

Noch mehr aber wurmt ihn, dass Spitzenreiter SC Freiburg II, mit sechs Punkten Vorsprung vor dem OFC auf Drittliga-Kurs, aus einem scheinbar unerschöpflichen Fundus an Spielermaterial schöpfen kann. 37 Spieler hat Trainer Christian Preußer bereits eingesetzt - so viele wie 1899 Hoffenheim II. Auf Platz drei dieser Kategorie steht im VfB Stuttgart II eine weitere Reserve eines Bundesligisten (35). Der OFC hat bislang 23 Akteure zum Einsatz gebracht, darunter Luigi Campagna (mittlerweile Stuttgarter Kickers) und Pelle Hoppe (seit Oktober Germania Halberstadt).

29 Spieler gehören zum Kader von Freiburg II, bis zum Ende des alten Jahres in Marvin Pieringer auch noch der bis dahin Führende der Torschützenliste (jetzt Würzburger Kickers). Dazu kommen Anleihen bei der starken U19. Emilio Kehrer (19) hat in 16 Einsätzen sieben Tore erzielt und ist einer von sieben nominellen Angreifern in dieser Saison im SC-Kader. „Und wenn einer fehlt, kommt eben einer aus der Bundesliga runter“, sagt Ristic.

Die Fakten belegen seine These. In Niclas Thiede, Lukas Kübler, Yannick Keitel, Lino Tempelmann, Keven Schlotterbeck, Luca Itter (mittlerweile SpVgg Greuther Fürth), Mark Flekken, dem südkoreanischen Nationalspieler Chang-Hoon Kwon und dem holländischen 16-Millionen-Einkauf Guus Till waren bereits neun Akteure des Profikaders im Einsatz. Das Wort Wettbewerbsverzerrung mag Ristic nicht in den Mund nehmen. Im Vergleich zu seinen Möglichkeiten, die qualitativ wahrlich nicht die schlechtesten sind, verspürt er aber schon große Unterschiede.

Und so bleibt ihm nur, die Trainingsbelastung permanent zu prüfen und an die Eigenverantwortung seiner Spieler zu appellieren. Als Vorbild in dieser Hinsicht bezeichnet er stellvertretend Serkan Firat. „Er investiert sehr viel in die Pflege seines Körpers“, lobt der OFC-Coach den 1:0-Torschützen beim jüngsten 2:0 in Gießen, der in allen 31 Punktspielen mitwirkte. Sein toller Seitfallzieher wurde gerade von der Liga zum Tor des Spieltags gewählt.

„Es ist sehr anstrengend, gut zu sein“, sagt Ristic mit Blick auf die tägliche Arbeit mit seinem Team: „Aber die Jungs wollen gut sein und tun alles Mögliche dafür.“ Ob sie aber bis zum 42. Spieltag das derzeitige Tempo durchhalten können, vermag Ristic nicht zu prognostizieren. „Ich kann nur der medizinischen Abteilung ein Kompliment machen“, betont er daher: „Auch sie arbeitet seit Wochen am Anschlag.“ (Von Jörg Moll)

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