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Kickers Offenbach gegen Alzenau: Konzeptlos, harmlos, fassungslos

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Der beim OFC aussortierte Torwart Daniel Endres und Alieu Sawaneh stoppen den beim OFC verbliebenen Maik Vetter.

Aus den Aufstiegsträumen der Offenbacher Kickers sind mit dem 0:2 gegen Bayern Alzenau Abstiegsängste geworden.

Offenbach – Die Offenbacher Kickers unterlagen nach einer indiskutablen Leistung in der Fußball-Regionalliga Bayern Alzenau verdient mit 0:2 (0:0) und taumeln den Abstiegsplätzen entgegen. Der Aufsteiger aus Unterfranken hatte wenig Mühe gegen konzept- und harmlose Offenbacher, die zu keiner echten Torchance kamen. Der Großteil der 5995 Zuschauer war zunächst fassungslos, pfiff dann die Mannschaft nach dem vierten sieglosen Spiel aus. Beim Gang vor den Block 2 schallte den Spielern „wir haben die Schnauze voll“ und „wir sind Kickers und ihr nicht“ entgegen. Dieser Verein steckt im Moment nicht nur in einer tiefen Krise, sondern wirkt rat- und hilflos. Aber eines ist allen klar: So kann es nicht weitergehen.

Fassungslosigkeit nach einer schwachen Leistung auch bei den Spielern. „Mir fehlen die Worte“, sagte Maik Vetter, bester Offenbacher in einer ganz schwachen Mannschaft, zur dritten Heimniederlage und forderte: „Wir müssen uns mal zusammensetzen und dann muss es vielleicht auch einmal knallen.“

Offenbacher Kickers: Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff erzwingt Vetter die erste Chance für den OFC

Auf dem Feld hat es nach 20 Minuten zum ersten Mal geknallt. Nach einem Alzenauer Foulspiel gerieten Richard Weil und Serkan Firat aneinander, schubsten sich, griffen sich gegenseitig an den Hals. Sofort sprinteten fast alle Spieler zur Rudelbildung heran. Der einst für seine Freistoßtore von den OFC-Fans gefeierte Firat war fortan der Buhmann, wurde bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen - ließ sich davon aber überhaupt nicht beirren und war bester Alzenauer Spieler.

Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff erzwang Vetter die erste gefährliche Aktion der Kickers, als er sich mit einem beherzten Solo gegen drei Alzenauer durchsetzte, dann aber den richtigen Zeitpunkt für den Abschluss verpasste, so dass Endres ihm den Ball vom Fuß nehmen konnte.

Kurz nach der Pause der Schock für die Kickers. Ausgerechnet der ausgepfiffene Firat flankte über die unsortierte OFC-Abwehr auf Robert Schick, der den Ball volley ins lange Eck zum 0:1 schoss. Der einstige FSV-Spieler, der schon verwarnt war, rannte völlig losgelöst quer über den Platz, provozierte Gegenspieler und Fans. Die zweite Gelbe Karte wäre zwingend notwendig gewesen, doch der Schiedsrichter beließ es bei einer letzten Ermahnung. Schick rannte sofort zu seinem Trainer und erwirkte seine Auswechslung, die ihm den Platzverweis ersparte.

Offenbacher Kickers dilettantisch – Zwar eifrig bemüht aber spielerisch limitiert und harmlos

Die Offenbacher dilettierten weiter vor sich hin. Zwar eifrig bemüht, aber spielerisch noch mehr limitiert und absolut harmlos. Die Alzenauer, inzwischen mit sieben ehemaligen Kickers-Spielern auf dem Platz, gerieten zwar stärker unter Druck, aber nur selten in Gefahr. Torwart Daniel Endres konnte sich mangels Gelegenheit kaum auszeichnen.

Auch von der Trainerbank kamen keine Impulse für das Offenbacher Spiel. Überraschend durfte der erfolgreichste Offenbacher Torschütze Daghfous erst in der 77. Minute auf den Platz.

Mit einem Kontertor machte der junge Jiohad Bouthakrit in der 84. Minute alles klar für die Alzenauer, die den zweiten Treffer frenetisch feierten. Nur Alzenaus Trainer Angelo Barletta nahm das 0:2 fast ungerührt zur Kenntnis. „Das ist ein Riesenereignis für Bayern Alzenau. Wir haben seit 99 Jahren zum ersten Mal hier gespielt, gewonnen und uns in die Geschichtsbücher eingetragen. Das war eine überragende Leistung, auf die ich sehr sehr stolz bin“, sagte er.

Offenbacher Kickers: Aufarbeitung nach der Niederlage gegen Bayern Alzenau

„Es war ein bitterer Abend für uns“, sagte OFC-Interimstrainer Steven Kessler. „Wir hatten versucht, druckvoll nach vorne zu spielen, aber viele Situationen nicht gut zu Ende gespielt. Wir müssen schauen, dass wir das die nächsten Tage aufarbeiten und nach vorne schauen.“

Jetzt wird es richtig prekär für die Kickers, denen drei Auswärtsspiele in Folge bevorstehen: Nächste Woche beim FC Gießen, dann das Hessenpokalspiel in Alzenau (16.11.), ehe der Montagauftritt beim SSV Ulm (25.11.) den November beschließt. Beim OFC muss man sich nun dringend Gedanken machen, ob man in dieser Konstellation, ohne Erfahrung in der sportlichen Führung, weitermachen kann. Wenn es nach Kessler geht, weiterhin mit ihm als Trainer. Ein Rücktritt sei kein Thema: „Von meiner Seite aus nicht.“

Von Jochen Koch

Quelle: op-online.de

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