Dampfmacher vom Dorf

Marco Schikora soll das Spiel auf der Außenbahn beleben

Außenverteidiger mit Vorwärtsdrang: OFC-Zugang Marco Schikora (beim Testspiel in Heusenstamm gegen den SV Wehen Wiesbaden) zeichnet laut Trainer Daniel Steuernagel unter anderem dessen Flankenspiel aus. Foto: hartenfelser

Neuzugang Marco Schikora kommt vom eher unbekannten Klub Germania Egestorf/Langreder - der OFC setzt aber große Hoffnungen in den Spieler.

Offenbach – Germania Egestorf/Langreder gehört wahrlich nicht zu den bekanntesten Adressen im deutschen Fußball. Das gibt sogar Marco Schikora zu, der lange selbst für den Klub vor den Toren Hannovers gespielt und sich mit diesem Zustand quasi schon arrangiert hatte. 

„Ich dachte nicht daran, dass man vom Fußballspielen leben kann“, sagt der Zugang der Offenbacher Kickers. Umsonst kickte er bei der Germania, die gerade aus der Regionalliga Nord abgestiegen ist, freilich nicht, es war jedoch mehr ein „Hobby“ – mit Nebenverdienst. „Von dort den Sprung zu schaffen, ist nicht einfach“, meint der 24-Jährige. „Diesen Verein kennt kaum jemand, dort werden kaum Spieler gesichtet. Und die Regionalliga Nord ist bis auf die ersten vier Klubs sportlich eher mittelmäßig. “

Hendrik Weydandt wechselt zu Hannover 96

Als sein Mitspieler Hendrik Weydandt (23) aber zu Bundesligist Hannover 96 wechselte, dachte sich Schikora: „Das kann ich auch schaffen.“ Und wechselte 2018 zu Viktoria Berlin in die Regionalliga Nordost. „Das war für mich Neuland. Wir haben dort unter Profi-Bedingungen täglich trainiert. In Egestorf hatten wir nur dreimal pro Woche Training.“

Offenbach ist nun erneut eine Umstellung für den 1,81 Meter großen Außenverteidiger, der von den Mitspielern „Schiko“ genannt wird. „Das sind noch mal komplett andere Bedingungen. Alles ist noch intensiver, auch drumherum. Wenn wir zwei Einheiten am Tag haben, sind wir quasi von 8 bis 17 Uhr im Stadion. Man lernt die Leute super kennen. Wir machen aber auch darüber hinaus als Mannschaft viel zusammen.“

Über seinen Mitspieler Jake Hirst hatte er schon vor dem Wechsel nach Offenbach gelesen. Es war ein Bericht über dessen Sprung von der Kreisoberliga in die Regionalliga, in dem auch auf Weydants Werdegang verwiesen wurde. „Es gibt da durchaus Parallelen“, meint Schikora, der wegen der ungewöhnlichen Karriere seines einstigen Kollegen selbst bundesweit in den Medien vertreten war. In fast jedem Artikel über Weydandt ging es auch um die WG, die dieser damals mit Schikora und Yannick Oelmann bildete.

OFC: Die drei Fußballer sind beste Freunde

Die drei Fußballer sind inzwischen keine Mitbewohner mehr, aber „beste Freunde“, so Schikora. „Wir sind ständig im Austausch, telefonieren alle paar Tage.“ Und Hendrik Weydandt ist trotz seiner inzwischen 28 Bundesligaspiele „ein sehr bodenständiger Typ.“ So wie Schikora es auch ist. Nur auf die Karte Fußball zu setzen, kam für ihn nie in Frage. „Ich komme vom Dorf“, betont er, „dort macht jeder eine Ausbildung.“ Der OFC-Zugang, dessen Vater Kfz-Meister ist, wählte die kaufmännische Schiene. Später holte er sein Abitur nach. Momentan studiert er nebenbei BWL an einer FH. „Mit den Klausuren bin ich komplett fertig. Jetzt fehlt noch die Praxisphase“, erklärt Schikora, der hofft, diese eventuell beim OFC absolvieren zu können.

Auch sportlich ging es für Schikora langsam, aber stetig voran. Noch als A-Jugendlicher wechselte er vom TSV Havelse zu Germania Egestorf/Langreder. Mit deren erster Mannschaft schaffte er 2016 den Aufstieg in die Regionalliga und im gleichen Jahr die Qualifikation für den DFB-Pokal (0:6 in der ersten Runde gegen Hoffenheim). Die Saison 2017/18 schloss das Team auf Platz fünf ab, mit Schikora als Stammspieler: 31 Einsätze, vier Tore, sieben Vorlagen. Bei Viktoria Berlin war seine Quote nahezu identisch: 32 Einsätze, drei Tore, sieben Vorlagen.

Das sind ordentliche Zahlen für einen Spieler, der „nie in einem Leistungszentrum“ war, wie Schikora betont. „In der Jugend gab es mal die Chance, zu Hannover 96 zu wechseln, aber das hat sich zerschlagen.“

Kickers-Trainer Daniel Steuernagel sagt dazu: „Marco hat etwas unterhalb des Radars agiert.“ Was ihn auszeichne, seien hohes Tempo, Robustheit, Flankenspiel sowie seine Vielseitigkeit. „Im Notfall kann ich hinten auch in der Dreierkette spielen“, erklärt Schikora. Am wohlsten fühlt er sich aber in der Außenverteidigung. Und auf welcher Seite? „Ehrlich gesagt spielt das keine Rolle.“ In den bisherigen Tests kam er links und rechts zum Einsatz. Mal schauen, wo er am Samstag (16 Uhr) im Test beim SVG Steinheim spielt.

VON CHRISTIAN DÜNCHER

Diese Artikel könnten Sie interessieren:

Sawada wechselt nach Japan: „Wollten ihm die Chance nicht nehmen“

Wenn Ko Sawada am Donnerstagabend in das Flugzeug nach Japan steigt, wird das eine Reise ohne Wiederkehr. Der OFC ist dem Leistungsträger mit einer Vertragsauflösung sehr entgegen gekommen.

Kickers: Regionalliga-Spielplan veröffentlicht - OFC mit schwerem Startprogramm

Der Spielplan für die Saison 2019/20 in der Regionalliga Südwest ist veröffentlicht. Die Kickers haben ein schweres Programm zum Auftakt.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare