Wertung der Halbserie denkbar

Amateurfußball: Saisonabbruch darf kein Tabuthema sein

In Offenbach (hier beim FC Germania Bieber) und Frankfurt könnte dank vieler Kunstrasenplätze Ende Januar wohl gespielt werden, in Nord- und Osthessen eher nicht.
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In Offenbach (hier beim FC Germania Bieber) und Frankfurt könnte dank vieler Kunstrasenplätze Ende Januar wohl gespielt werden, in Nord- und Osthessen eher nicht.

Der Ausschuss für Spielbetrieb im Hessischen Fußball-Verband (HFV) erarbeitet ein Modell zur Fortsetzung der Saison. Aber auch eine Wertung der Halbserie ist denkbar.

Offenbach – Seit zweieinhalb Wochen ruht im Amateursport der komplette Spielbetrieb – bis zum Jahresende wird sich daran auch nichts ändern. Und angesichts der Pandemieentwicklung mit ihren konstant hohen Neuinfektionen pro Tag ist es mehr als fraglich, ob sich das zu Beginn des neuen Jahres 2021 ändern wird. Dann wäre zumindest auch im Januar kein Amateursport möglich, die Punktrunden könnten – eine nötige Vorbereitungszeit mit eingerechnet – nicht vor März beginnen.

Darüber macht sich auch der Hessische Fußballverband (HFV) Gedanken. Der Verbandsausschuss für Spielbetrieb und Fußballentwicklung unter dem Vorsitz von Jürgen Radek (Ortenberg) beschäftigte sich auf seiner jüngsten Videokonferenz damit, wie es dann 2021 weitergehen kann.

Zunächst wurde ein Modell erarbeitet, um die Runde regulär beenden zu können. Dieses Modell basiert auf der Annahme, dass die Sportplätze ab Januar wieder freigegeben sind und erste Spiele am 24./25. Januar 2020 stattfinden könnten. Bis zum regulären Ende der Winterpause Ende Februar (erster Rückrundenspieltag sollte am 7. März sein) könnten ausgefallene Spieltage und Nachholspiele aus der Hinrunde angesetzt werden. Sollte das nicht gelingen und erst im März oder April der Wettkampfbetrieb starten können, hätten die Partien der Hinrunde und die Nachholspiele Priorität und würden zuerst ausgetragen. Die betroffenen Rückrundenspiele würden an Fronleichnam und Pfingsten nachgeholt. Ziel ist es, zumindest eine Halbrunde komplett spielen zu können, um dann zu entscheiden, wie man weiter verfährt. Da die Spielordnung geändert wurde, ist es nun möglich, durch einen Beschluss des Verbandsvorstandes zum Beispiel zu entscheiden, dass eine Halbserie für die Wertung der Saison herangezogen wird oder die Liga nach der Hinrunde in eine Aufstiegs- und Abstiegsrunde geteilt wird.

Die Pandemieentwicklung ist aber nicht das einzige Kriterium, das es zu berücksichtigen gilt. Dazu kommt noch die Witterung. In Frankfurt und Offenbach könnte in einem milden Winter – dank der vielen Kunstrasenplätze – auch Ende Januar durchaus schon gespielt werden, „in Nord- und Osthessen aber sicherlich nicht“, befürchtet Michael Sobota. Der Regionalbeauftragte Darmstadt und Klassenleiter der Verbandsliga Süd hält weiterhin auch den engen Kontakt zu den Vereinen für wichtig. Aus deren Reihen sprachen sich bereits vor Wochen einige Vertreter für einen Saisonabbruch aus. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Vereine, deren Mannschaft einen Abstiegsplatz einnimmt. Sollte die Saison in irgendeiner Weise zu Ende gebracht werden, gibt es auf jeden Fall Auf- und Absteiger, das hatte der Verband vor dem Rundenstart bereits festgelegt.

Für Sobota sind drei Dinge maßgebend: Zum einen hat der Schutz der Gesundheit aller Beteiligten oberste Priorität. Außerdem darf es kein Tabu geben, auch über eine Annullierung der Saison zu diskutieren. „Im Verband gibt es viele Stimmen, die die Saison in irgendeiner Weise zu Ende bringen wollen. Darauf hoffen wir alle, dennoch müssen wir uns auch mit diesem Szenario beschäftigen“, sagt er. Auf keinen Fall soll eine lange Hängepartie entstehen, „in der wir uns von Woche zu Woche oder Monat zu Monat hangeln, immer in der Hoffnung, bald spielen zu können. Es muss einen Zeitpunkt X geben, an dem man feststellt, dass alle realisitischen Möglichkeiten, um eine Saison werten zu können, nicht mehr gegeben sind und deshalb eine Annullierung ohne Wertung erfolgt.“

Sobota ergänzt: „Ich bin überzeugt, dass Präsident, Präsidium sowie die Regionabeauftragten und Kreisfußballwarte eine gute Lösung finden werden, die ähnlich tragfähig ist wie die im Mai diesen Jahres.“ Damals war beschlossen worden, die Saison abzubrechen und Platzierungen mittels Quotientenregelung zu ermitteln.

Michael Sobota hat aber noch eine ganz andere Befürchtung: „Die Corona-Pandemie wird uns viele Kinder und Jugendliche kosten, die ihrer Sportart den Rücken zukehren.“ Und das wird nicht nur im Fußball der Fall sein. „Ich wünsche mir, dass die Mitglieder ihren Vereinen die Treue halten“, sagt der Verbandsliga-Klassenleiter. (Von Patrick Leonhardt)

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