Auch in Opfer-Rolle schlüpfen

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Die „Streitschlichter“ erhielten ihre Zertifikate. Hinten von links Jörg Wagner (Vorsitzender des Sportgerichtes Offenbach), Patrick Steitz, Fabian Scherer, Mark Schulz, Johannes Araya, Tobias Wilhelm, Michael Köcher (Ausbilder), Angelika Ribler (Fachbegleiterin) und Silke Sauer (Ausbilderin); vorne von links: Anne Wilmers (Ausbilderin), Daniel Bach, Julian Seecker, Jannick Errami, Paulo Langer, Niklas Stein und Mahjoub Errami (Ausbilder).

Egelsbach - Was gehört zur „gesunden Härte“ eines Fußballspiels, und welche Verhaltensweisen gehen weit darüber hinaus? Von Jörn Polzin

Eine Frage, die Woche für Woche kontrovers diskutiert wird - auf dem Platz, am Stammtisch und in den Wohnzimmern. Emotionen auf dem Spielfeld gehören dazu, darin sind sich im Grunde alle einig.

Nicht selten wird dabei jedoch über das Ziel hinausgeschossen, und der Fair-Play-Gedanke rückt in den Hintergrund. Versteckte Fouls und andauernde Provokationen münden bisweilen sogar in tätlichen Auseinandersetzungen. Der Fußballkreis Offenbach ist dabei ein unrühmliches Beispiel. Vor zwei Jahren gab es im Jugendbereich gleich drei Zwischenfälle dieser Art, die geprägt waren von einer hohen Gewaltbereitschaft.

Nach diesen Vorfällen beschlossen Kreisfußballwart Karl-Heinz Kohls und Jugendwart Rolf-Dieter Heeg, das „Aktionsbündnis gegen Gewalt“ ins Leben zu rufen. Dieses ist Bestandteil des Projektes „Interkulturelles Konfliktmanagement im Fußball“, das vom Hessischen Fußball-Verband in Kooperation mit der Sportjugend Hessen getragen wird. Nach einer Einführung in das Thema Deeskalation, an der 117 Spielführer aus der B- und C-Jugend teilnahmen, stand jetzt eine einwöchige Streitschlichtungsschulung auf dem Programm.

Vielfalt tut gut

Die Schulung baut darauf auf, was die Jugendlichen im vergangenen Jahr gelernt haben. Es ist der zweite Schritt in unserem Bemühen, den Spielern ihre Rolle und Verantwortung auf dem Platz vor Augen zu führen“, erklärt Projektleiterin Angelika Ribler von der Sportjugend. Die Schulung wird vom Programm „Vielfalt tut gut“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie des Jugendbildungswerks des Kreises unterstützt. Die fünftägige Qualifikationsmaßnahme auf dem Sportgelände der SG Egelsbach umfasste 30 Unterrichtseinheiten, in denen Themen wie Konfliktlösung, Kommunikationsmodelle, Methoden der Streitschlichtung sowie Rassismus und Rechtsextremismus zur Sprache kamen. „Die Streitschlichtung unterscheidet sich von den Ansätzen auf dem Schulhof, da es uns einen starken Fußballbezug gibt“, erklärt Ribler.

Mit Hilfe von Simulationen und Rollenspielen sollten die 17 Teilnehmer aus sechs Vereinen den Umgang untereinander kritisch überprüfen. „Wir können aus den Jugendlichen keine anderen Menschen machen. Unser Ziel ist vielmehr, dass sie erkennen, wie ein Konflikt ausgelöst wird, und wie es den Beteiligten dabei geht“, so Ribler. Das heißt für die „Streithähne“, auch mal in die Opfer-Rolle zu schlüpfen und sich mit der Position des „Schwachen“ auseinanderzusetzen.

Ingesamt standen zehn Übungsstunden mit dem runden Leder auf dem Stundenplan. Danach erhielten die Teilnehmer aus den Händen von Rolf-Dieter Heeg die Zertifikate. Damit ist das Projekt aber längst nicht abgeschlossen. Die Nachwuchskicker sollen im nächsten Schritt bei „Risikospielen“ im Jugendbereich als Beobachter eingesetzt werden. Natürlich an der Seite eines erfahrenen Konfliktmanagers des HFV. „Wir müssen allerdings noch überlegen, wie diese Zusammenarbeit genau aussehen soll. Schließlich ist diese Aufgabe nicht ohne“, sagt Ribler.

Quelle: op-online.de

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