Amateurfußball

Aufbruchstimmung bei Italsud Offenbach

Unbedingt noch den Klassenerhalt in der Kreisliga A2 schaffen will Ambrogio Vitello (links) mit Italsud Offenbach.
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Unbedingt noch den Klassenerhalt in der Kreisliga A2 schaffen will Ambrogio Vitello (links) mit Italsud Offenbach.

Zuletzt zwei 0:21-Pleite in Folge und nach einem Punktabzug Tabellenletzter mit minus sechs Zählern: Italsud Offenbach ist wahrlich nicht zu beneiden. Aber beim Schlusslicht der Fußball-Kreisliga A Offenbach 2 herrscht keinesfalls Resignation. Der Verein will auch den besonders großen Problemen im Coronajahr trotzen.

Offenbach – Zu den Vereinen, die von den Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders hart getroffen wurden, zählt Italsud Offenbach. Bereits die im März abgebrochene Saison 2019/20 hat der Klub des langjährigen Präsidenten und Mäzens Carmelo Manoti nur auf dem vorletzten Platz der Fußball-Kreisliga A Offenbach 2 abgeschlossen. Über die lange Sommerpause kam es dann noch zu einem größeren Aderlass im Spielerkader. „Und es ist uns leider nicht gelungen, guten Ersatz zu holen“, berichtet Spielertrainer Mauro Mascolo. Das liegt auch daran, dass am Sportplatz an der Mühlheimer Straße immer noch ein Vereinsheim fehlt. Das alte war 2010 abgebrannt, seitdem müssen sich die Italsud-Spieler unter freiem Himmel umziehen und verschwitzt heimfahren, weil sie am Platz nicht duschen können.

Als Verein aus der Stadt Offenbach war Italsud dann im August auch noch betroffen vom zwischenzeitlichen Kontaktsportverbot als Folge der vor allem durch Reiserückkehrer verursachten, schon damals außerordentlich hohen Pandemie-Inzidenz im Stadtgebiet. „Unsere sämtlichen Testspiele sind ausgefallen. Teilweise auch, weil unsere Gegner nicht gegen eine Mannschaft aus dem Hochrisikogebiet Offenbach spielen wollten“, berichtet Mascolo: „Der Saisonstart wurde so zum Sprung ins kalte Wasser.“ Und der ging gründlich daneben. Im Kreispokal gab es ein 0:9 beim B-Ligisten Türk. SV Seligenstadt. In der Liga wurden die sechs Spiele bis zum neuerlichen Sportverbot im Rahmen des Teil-Lockdowns Mitte Oktober allesamt verloren, die letzten zwei sogar jeweils mit 0:21. Den eigentlichen Tiefpunkt gab es aber schon zuvor, als sich mehrere Spieler am 20. September in der Partie gegen den TV Hausen beim Stand von 0:16 weigerten, die letzte Viertelstunde zu Ende zu spielen, und den Platz verließen. „Da dachte ich, ich bin im falschen Film“, sagt Mascolo.

Das Sportgericht wertete die Partie mit 0:16 und bestrafte Italsud als Verursacher des Spielabbruches zusätzlich mit dem Abzug von sechs Punkten. Italsud ging in Berufung zum Verbandssportgericht, um zumindest den Punktabzug loszuwerden, scheiterte aber auch dort. Das erstinstanzliche Urteil wurde bestätigt. So steht das Team jetzt nach sechs Spielen mit minus secht Punkten und 4:75 Toren abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz.

Trotz all dieser Rückschläge aber fehlt von Resignation jede Spur. Im Gegenteil, es herrscht sogar Aufbruchstimmung. „Ich hatte natürlich schon überlegt, ob ich alles hinschmeißen soll“, sagt Spielertrainer Mascolo, seit drei Jahren im Verein, „aber jetzt habe ich vom Vorstand mehr Unterstützung zugesagt bekommen.“ Der Kader soll über den Jahreswechsel deutlich verstärkt werden. „Von KV Mühlheim kommen Yassin Tunc und Stavros Tzimas zu uns zurück. Und wir verhandeln mit zwei, drei Spielern aus dem Verbandsligateam der Spielvereinigung Oberrad“, berichtet Mascolo: „wir wollen auf jeden Fall die Klasse halten.“

In den verbleibenden 24 Spielen soll durchgestartet werden. „Sobald die Erlaubnis der Politik kommt, werden wir die Vorbereitung starten“, sagt Mascolo, der vor dem Mammutprogramm bis zum Saisonende, 24 Spielen in vielleicht nur 19 Wochen, aber auch großen Respekt hat. „Englische Wochen sind für uns sehr schwierig. Wir haben viele Spieler, die abends länger arbeiten müssen“, sagt er: „Aber irgendwie werden wir da schon durchkommen.“

Dann aber wartet eine schöne Belohnung. Denn der 1971 gegründete Klub, dem 2019 nach 14 Jahren die Rückkehr in die A-Liga gelungen war, plant für nächsten Sommer zur Feier seines 50-jährigen Bestehens ein großes Turnier mit 30 Mannschaften aus zehn Nationen und will das Jubiläum auf keinen Fall als Absteiger begehen.

Von Stefan Moritz

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