Handball-Oberliga

Beer über seinen Abschied aus Bürgel: „Schwierig, eine Bindung aufzubauen“

„Eigentlich bin ich als Trainer der HSG Offenbach gekommen“: Für Patrick Beer war das Scheitern der Fusion zwischen TSG Bürgel und Kickers Offenbach eine Überraschung und ein zentraler Grund für den Rücktritt.
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„Eigentlich bin ich als Trainer der HSG Offenbach gekommen“: Für Patrick Beer war das Scheitern der Fusion zwischen TSG Bürgel und Kickers Offenbach eine Überraschung und ein zentraler Grund für den Rücktritt.

Offenbach – Ohne auch nur ein einziges Punktspiel bestritten zu haben, hat Patrick Beer (41) den Trainerposten beim Handball-Oberligisten TSG Bürgel wieder abgegeben. Im Dezember 2019 hatte die TSG den langjährigen Erfolgstrainer des Drittligisten HSG Hanau als neuen Coach für die Spielzeit 2020/21 präsentiert, doch Corona machte den Aufstiegsambitionen des Offenbacher Stadtteil-Clubs einen Strich durch die Rechnung.

Die Vorbereitung verlief angesichts der im Spätsommer wieder steigenden Fallzahlen katastrophal, der Oberligist absolvierte kein einziges Pflichtspiel.

Herr Beer, was hat Sie dazu bewogen, die TSG Bürgel wieder zu verlassen?

Vor allem das Nicht-zu-Stande-Kommen der HSG Offenbach. Eigentlich bin ich als deren Trainer gekommen. Es schien so, als wäre es nicht die Frage, ob die HSG kommt, sondern lediglich wann. Ich hatte für ein Jahr als Trainer bei der TSG Bürgel zugesagt, falls die HSG ein wenig später gekommen wäre. Dass sie gar nicht kam, war eine Überraschung (Anm. der Red.: Im Januar 2020 erteilten die Offenbacher Kickers der HSG eine Absage). Ich hatte in Bürgel eine super motivierte Mannschaft, die voll mitgezogen hat. Aber auf einmal hatten wir eine ganz andere Konstellation, die Voraussetzungen im Vorfeld hatten sich geändert. Mit einer Oberliga- und einer Landesligamannschaft hätten wir personell ganz andere Möglichkeiten gehabt. Da muss man auch zu sich selbst ehrlich sein, dass man das so nicht machen will.

Spielte der Corona-Frust ebenfalls eine Rolle?

Es war schwierig, eine echte Bindung aufzubauen. In der Vorbereitung mussten wir immer wieder umplanen, sodass keine Bindung entstand. Dass mangelnde Motivation ein Grund gewesen ist, dass ich hier aufhöre, weise ich von mir, ich habe immer 100 Prozent gegeben. Hinter dieser Aussage steckt vielleicht auch ein bisschen Enttäuschung von Seiten des Vereins dahinter.

Im Vorfeld der Oberliga-Runde hatten Sie bereits auf den dünnen TSG-Kader verwiesen…

Die TSG hätte das Potenzial gehabt, oben mitzuspielen. Pohlheim habe ich noch ein wenig stärker eingeschätzt, aber wenn alles glatt gelaufen wäre, wäre die Meisterschaft möglich gewesen. Aber bei zwei Verletzten wäre es schon sehr eng geworden. Statt 16 Mann im Training wie etwa bei der HSG Offenbach wären es nur zehn bis zwölf gewesen. Dennoch will ich das Corona-Jahr nicht ganz verteufeln, ich habe auch etwas mitgenommen.

Nämlich?

Man kann auch aus dem Kleingruppentraining eine Menge herausziehen, ich habe viele Erkenntnisse gewonnen, wie ich Spieler dennoch weiterentwickeln kann.

Wie geht es nun für Sie weiter?

Während der Corona-Zeit werde ich keine anders Team übernehmen, das wäre nicht gut für mich. Da bleibt eine große Ungewissheit. Ich warte erst mal ab, wie es weitergeht, ob vielleicht im September/Oktober die neue Runde beginnen kann.

Wie groß ist aktuell Ihre Lust auf Handball?

Man ist schon ein Stückchen weit weg von dem Ganzen, wir haben ja seit Oktober nicht mehr trainiert. Wenn der Handball wieder anläuft, wird auch die Lust wieder da sein. Aber das ist noch ganz weit weg, daher ist das eine hypothetische Frage.

Das Gespräch führte

Patrick Leonhardt

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