„Müssen vorbereitet sein“ / Große Belastung bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs

Fußball-Schiedsrichter warten auf das Ende des Lockdowns

Volker Geupel Schiedsrichterobmann
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Volker Geupel Schiedsrichterobmann

Die hessischen Fußball-Schiedsrichter sind bis auf wenige Ausnahmen in Wartestellung: Seit dem Auftakt des zweiten Lockdowns Ende Oktober können sie ihrem Hobby nicht mehr nachgehen. Ein Ende der Zwangspause ist nicht in Sicht.

Offenbach – Volker Geupel, Schiedsrichterobmann des Fußballkreises Offenbach, bringt die traurige Wahrheit auf den Punkt. „Wir Schiedsrichter sind arbeitslos. Jeder sorgt für sich selbst – auch diejenigen, die in den höheren Ligen aktiv sind.“ Er hofft, dass die rund 300 Unparteiischen, die in seiner Vereinigung gemeldet sind, sich zumindest mit Läufen und Krafttraining fit halten und bereit sind, wenn der Ball denn mal wieder rollt im Amateurfußball. „Dann“, versichert Geupel, „stehen in kurzer Zeit massig Spiele an, um zumindest die Hinrunde zu beenden. Dann haben wir Schiedsrichter viel zu tun. Wir wollen und müssen vorbereitet sein.“

Für Spitzen-Schiedsrichter wie Paul Barbu (SVG Steinheim), Jannis Jäschke (SG Nieder-Roden), Pascal Müller (SKG Rumpenheim) und Philip Pietrowski (1. FC Langen), allesamt in den Verbandsligen im Einsatz, bietet der Hessische Fußball-Verband (HFV) im zweiten Lockdown Online-Schulungen anhand aktueller Spielszenen aus den Profiligen an. Offenbachs Kreislehrwart Terlan Tavasolli (SKG Rumpenheim) berichtet sogar von insgesamt fünf Präsenz- und 15 Online-Lehrveranstaltungen für seine Schiedsrichter in dieser Saison. Der 23 Jahre alte Student (Maschinenbau in Darmstadt) sagt aber auch: „Wir haben als Lehrstab sicherlich unsere Pflicht erfüllt. Aber jetzt wird es leider immer schwieriger. So lange wir nicht wissen, wann es weitergeht, wir keine neuen Infos haben, bleiben uns als Alternative nur weiter Online-Schulungen, insbesondere für die Jungschiris und unseren Förderkader. Dieser hat sich zuletzt in Präsenz Ende August 2020 bei einem Sommertrainingslager ein ganzes Wochenende getroffen.“

Geupel versucht, mit seinen Schiedsrichtern telefonisch oder online in Kontakt zu bleiben. „Aber online ist online. Man fühlt sich vereinsamt“, berichtet der Unparteiische der Offenbacher Kickers frustriert. Der seit kurzem 63 Jahre alte Dietzenbacher ergänzt aber mit Stolz in der Stimme: „Wir zählen mit unseren fast 300 Mitgliedern nach wie vor zu den Top 3 in Hessen, kein einziger unserer Schiedsrichter hat sich bislang wegen der Pandemie abgemeldet.“

Nur Karl-Heinz Mühlhauser (TuS Klein-Welzheim) hat nach 45 Jahren die Karriere als Unparteiischer beendet. Altersbedingt, wie Geupel berichtet. Horst Schultheis (DJK Eintracht Steinheim), das älteste aktive Mitglied der Schiedsrichter-Vereinigung, „brennt hingegen förmlich auf die nächsten Einsätze. Er ist topfit“, wie Geupel sagt.

Top 5 unter 5500 Unparteiischen

Im Hessischen Fußball-Verband sind etwa 5500 Schiedsrichter gemeldet, aktiv am Spielgeschehen nahmen zuletzt rund 4600 teil, davon waren knapp 200 weiblich. Abmeldungen wegen der Corona-Pandemie hat es einer Verbandsumfrage zufolge so gut wie keine gegeben. Die größten Schiedsrichtervereinigungen stellen die Fußballkreise Frankfurt, Fulda und Offenbach mit je rund 300 Mitgliedern. Hessens Top-Schiedsrichter sind Tobias Stieler (SG Rosenhöhe Offenbach, Bundesliga), Tobias Welz (FC Wiesbaden-Bierstadt, ebenfalls Bundesliga), Christof Günsch (SV Reddighausen/Kreis Frankenberg, 2. Liga), Jonas Weickenmeier (TSV Lämmerspiel, 3. Liga) und Patrick Glaser (FC Wiesbaden-Freudenberg, ebenfalls 3. Liga).

Weitere Zugänge haben der Obmann und der Lehrwart in der Warteschleife. Immerhin 25 Kandidaten hatten im September die Ausbildung in der Schiedsrichter-Vereinigung Offenbach abgeschlossen, dann aber folgte der zweite Lockdown mit der erneuten Spielpause. Sie warten darauf, ihre ersten drei Partien mit Unterstützung von so genannten Paten, erfahrenen Schiedsrichtern, zu absolvieren. Erst nach deren positivem Urteil sind sie offiziell lizenzierte Schiedsrichter. Geupel hofft auf den nächsten Neulingslehrgang im September, vielleicht sogar zusammen mit den ebenfalls ausgebremsten Kollegen aus Frankfurt. Ob das realistisch ist? Das kann zurzeit niemand sagen. Fußballvereine und Schiedsrichter warten auf die Vorgaben des HFV, der ist abhängig von den politischen Entscheidungen.

Zwei von Geupels Schützlingen haben sich im Profifußball etabliert, sie sind somit nicht „arbeitslos“, denn dort rollt der Ball: Tobias Stieler (SG Rosenhöhe) und Jonas Weickenmeier (TSV Lämmerspiel). Stieler (39) hat zuletzt in der Bundesliga die Partien VfL Wolfsburg gegen RB Leipzig (2:2), SC Freiburg gegen VfB Stuttgart (2:1) und VfL Wolfsburg gegen Borussia Mönchengladbach (0:0) geleitet sowie im DFB-Pokal das viel diskutierte 3:2 von Borussia Dortmund gegen den SC Paderborn. Der 32 Jahre alte Weickenmeier stand zuletzt in den Drittligaspielen Hallescher FC gegen Bayern München II (0:4), Spvgg. Unterhaching gegen FC Ingolstadt (0:1) und TSV 1860 München gegen Hansa Rostock (0:0) auf dem Platz.

Von Holger Appel

Volker Geupel, Obmann der Fußball-Schiedsrichter im Kreis Offenbach

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