Bescheiden, aber mutig

HSG Rodgau Nieder-Roden will sich in der Spitzengruppe etablieren

Die HSG Rodgau setzt weiter auf Talente aus der eigenen Jugend und der Region. Johannes von der Au (rechts, hier im Testspiel gegen Leutershausen) entwickelte sich in der vergangenen Runde zum Leistungsträger.
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Die HSG Rodgau setzt weiter auf Talente aus der eigenen Jugend und der Region. Johannes von der Au (rechts, hier im Testspiel gegen Leutershausen) entwickelte sich in der vergangenen Runde zum Leistungsträger.

Die Handballer der HSG Rodgau Nieder-Roden gehen bereits in ihre neunte Saison in Serie in der 3. Liga – und in ihre zehnte insgesamt.

Rodgau – Und bis auf Platz elf in der Spielzeit 2010/2011, der nicht zum Klassenerhalt genügte, erreichten die Baggerseepiraten immer eine einstellige Platzierung – mit steigender Tendenz. Platz drei aus der vergangenen Runde, die nach 23 Partien wegen Corona abgebrochen wurde, ist die bisher beste Platzierung der HSG – und der Punkterekord aus der Saison 2018/2019 (37:23) wackelte in der vergangenen Spielzeit ebenfalls bedenklich.

Und dennoch zeichnete die Nieder-Rodener im Vorfeld immer eine große Bescheidenheit aus. Mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten vieler Konkurrenten – während die HSG immer wieder junge Spieler aus den eigenen Reihen nachzog, wurden andererorts eben mal schnell zwei ehemalige Nationalspieler aus Osteuropa verpflichtet – setzten sich die Rodgauer immer den schnellstmöglichen Klassenerhalt zum Ziel – um dann weiter nach vorne zu schauen.

Diese Bescheidenheit zeichnet die HSG auch vor der neuen Saison mit vielen Unbekannten aus. Unbekannt deshalb, weil in Zeiten von Corona kein Verein weiß, wie lange die Saison dauert und welche Spieler zur Verfügung stehen. Unbekannt auch, weil die HSG gleich auf elf neue Gegner trifft, von denen Zweitliga-Absteiger HSG Krefeld als großer Aufstiegsfavorit gilt. Insgesamt gab es bei der Staffeleinteilung für die südhessischen Vereine eine deutliche Verschiebung nach Westen, wobei die Vereine aus Nordrhein-Westfalen als große Unbekannte gelten. Ausgerechnet einer dieser Klubs, die HSG Bergische Panther, ist am Samstag (19 Uhr) der Auftaktgegner der Nieder-Rodener.

Trainer Jan Redmann, der mit der HSG Rodgau in seine vierte Saison geht, sagt: „Alle Spieler und das Umfeld sind heiß, endlich wieder ein Punktspiel zu bestreiten.“ Aber auch hier gibt es eine große Unbekannte: Wie ist die Stimmung in der Halle, sind Zuschauer zugelassen und wenn ja, wie viele? „Wir wollen das Bestmögliche erreichen“, blickt Redmann voraus. Und das war in der Vergangenheit meist ein Sieg zum Rundenauftakt.

Neben der Bescheidenheit ist aber auch eine neue Eigenschaft im Auftreten der Nieder-Rodener nach außen hinzugekommen: der Mut. Natürlich wollen sich die Rodgauer so schnell wie möglich keine Sorgen mehr machen müssen. Redmann sagt aber auch: „Wir wollen uns frühzeitig in der oberen Region bewegen, uns in den Top Fünf oder Sechs etablieren.“ Nach Platz drei in der vergangenen Saison muss die HSG damit leben, von der Konkurrenz in den Favoritenkreis gehoben zu werden. „Wir gehen konsequent unseren Weg weiter“, betont Jan Redmann. Bedeutet: Die HSG setzt auch im zehnten Drittliga-Jahr auf eine gute eigene Jugendarbeit und Talente aus der Region. „Junge Spieler bekommen bei uns die Möglichkeit, 3. Liga zu spielen, wenn sie hart arbeiten“, sagt der Trainer, der bereits jetzt Spieler aus dem 2003er-Jahrgang ins Training der ersten Mannschaft integriert – und auch bereit ist, sie ins kalte Wasser zu werfen.

Kader

Tor: Marco Rhein, Maverick Weiß, Marius Hildebrand - Rückraum rechts: Timo Kaiser, Henning Schopper - Rückraum Mitte: Ketil Horn, Niklas Geck, Philipp Keller - Rückraum links: Philippe Kohlstrung, Johannes von der Au, Philip Wunderlich – Rechtsaußen: Felix Mann (Rot-Weiß Babenhausen), Magnus Hofferbert - Kreis: Benjamin von Stein, Sven Schultheis, Florian Stenger – Linksaußen: Laurin Lehr, Michael Weidinger, Sam Hoddersen

Abgänge: Alexander Weber (Laufbahn beendet), Philipp Wesp (TV Büttelborn), Yannick Sinnecker (unbekannt), Jannik Schneider (ab November beruflich nach Mannheim)

Trainer: Jan Redmann (im vierten Jahr)

Von Patrick Leonhardt

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